Pensionskassen im „Elch-Test“
Resumée einer aktuellen Marktübersicht
Eine ausführliche Übersicht beleuchtet jetzt erstmals den Markt der Pensionskassen in Deutschland. Danach sind insbesondere Allianz, Debeka, HDI, Kölner Pensionskasse, Neue Leben, Signal-Iduna und die Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes erste Adressen für Vertriebspartner.
Derzeit sind 157 Pensionskassen bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) registriert. Die Mehrzahl ist für Angestellte fremder Unternehmen geschlossen (daher die Bezeichnung geschlossene Kassen). Die Umfrage der Mediass GmbH, Herausgeber des Branchendienstes www.versicherungsjournal.de, konzentriert sich auf überbetriebliche offene Kassen. Die allermeisten davon sind erst im Zuge der jüngsten Rentenreform entstanden und agieren als Töchter von Lebensversicherern - in der Regel mit ähnlichen Strukturen und Produkten. Aus diesem Kreis haben sich 18 Pensionskassen an der Umfrage beteiligt.
15 davon operieren als regulierte Pensionskasse. Nur Allianz und R + V haben deregulierte Kassen. Reguliert ist gleichbedeutend mit genehmigungspflichtig. Eine regulierte Pensionskasse muss ihre Versicherungsbedingungen von der BaFin genehmigen lassen. Das gilt auch für jede Neugründung in den ersten fünf Jahren. Deregulierte Kassen müssen die Tarife dagegen nicht genehmigen lassen (nach § 156a VAG).
Der klassische Privatrententarif überwiegt bei weitem – mit der Option zur Invaliditäts- sowie Hinterbliebenenabsicherung. Er wird klassisch kalkuliert und in der Regel mit den altbekannten Variationen wie Rückgewähr während der Aufschubzeit, Rentengarantie im Todesfall oder Kapitalwahlrecht versehen.
Tarife der Pensionskassen in Deutschland
Noch wenig genutzt werden fondsgebundene Rententarife, die erst seit Mitte 2002 für die Kapitalanlage von Pensionskassen zugelassen sind. Ebenfalls nur wenige Pensionskassen bieten Riester-Tarife (Allgemeine Rentenanstalt, Hamburg-Mannheimer, Victoria). Grund: Dieser Weg ist für Arbeitgeber außerordentlich verwaltungsintensiv und bringt Arbeitnehmern zumindest bis 2008 schlechtere Konditionen als über den direkten Weg der Entgeltumwandlung in eine Pensionskasse.
Der Vergleich zeigt einen weitgehenden Marktüberblick über Akteure, Zielgruppen, Vertriebswege und Tarifkombinationen. Zudem werden Stärken und Schwächen deutlich. Im Mittelpunkt stehen dabei:
> Tarifoptionen
> Leistungen
> Kalkulation
> Kosten
> Service
> Beispielrechnung (siehe Tabelle).
Aus diesen Daten ergeben sich Antworten, die in jedem einzelnen Punkt ein Qualitätsurteil zulassen.
> Beispiel Abschlusskosten
Überwiegend sind Pensionskassen-Tarife gezillmert. Die Abschlusskosten werden also für die gesamte Laufzeit im Voraus aus dem Deckungskapital der ersten drei Jahre entnommen. Dadurch geht das Guthaben des Kunden zunächst stark ins Minus und verzögert die Bildung von nennenswertem Deckungskapital. Ärgerlich wird dies insbesondere bei einer Entgeltumwandlung: Der Arbeitnehmer spart aus eigener Tasche seine Betriebsrente an. Doch nach mehreren Firmenwechseln stünde er mit einem gezillmerten Tarif womöglich trotz jahrelanger Einzahlung ohne nennenswerte Betriebsrente da. Dann könnte er den Arbeitgeber haftbar machen und der womöglich den Vermittler, denn bei der Anlage von Arbeitnehmermitteln muss vorsichtig vorgegangen werden.
> Weiter ungünstig
Die Abschlusskosten werden häufig nicht auf mehrere Jahre verteilt. Dies ist der Fall bei den Tarifen von Allgemeine Rentenanstalt, Debeka, Optima, R + V und Victoria sowie bei einzelnen Tarifen von Gothaer, HDI und Signal-Iduna. Andere verzichten darauf, darunter Neue Leben, Kölner, Swiss Life und Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes. Einige weitere Kassen verteilen die Abschlusskosten über die gesamte Laufzeit (Hamburg-Mannheimer; Zenith) oder bieten gezillmerte Tarife mit reduzierten Abschlusskosten (Winsecura).
> Beispiel Überschussbeteiligung
Die Spanne der laufenden Gesamtverzinsung reichte 2003 laut Umfrage von 4,85 Prozent (Hamburg-Mannheimer) bis 6,0 Prozent (Gothaer; Debeka; HDI; Baukasse). Manche Angabe entspricht wohl dem Prinzip Hoffnung und lässt sich nicht fortschreiben. So hatte die Gothaer Pensionskasse für 2002 und 2003 jeweils 6,0 Prozent ausgewiesen, für 2004 aber auf 5,0 Prozent abgesenkt. Da die Gothaer Leben inzwischen nur noch 4,3 Prozent ausweist, scheint der Wert für die Pensionskasse immer noch sehr optimistisch. Die Überschussbeteiligung hängt – anders als bei Lebensversicherern – meist von einer „Unbedenklichkeitserklärung“ der BaFin ab. Bislang sind keine bedenklichen Werte bekannt geworden. Doch laut BaFin hatte nahezu die Hälfte der Kassen zwischenzeitlich mit einer Unterdeckung zu kämpfen. Daher dürfte die Spanne der laufenden Gesamtverzinsung aller Pensionskassen 2004 auf 4,0 bis 5,1 Prozent sinken, heißt es in der Untersuchung. Die aktuellen Angaben zur Leistung (siehe Tabelle) dürften damit tendenziell sinken.
(Detlef Pohl)







