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Exklusiv-Interview

RWB AG – Erste Fonds erzielen trotz Krise ein positives Ergebnis

Norman Lemke und Horst Güdel.jpgNorman Lemke und Horst Güdel.jpgAnsicht vergrößern

Vor zehn Jahren war die Assetklasse Private Equity fast unbekannt. Umso überraschender das Wagnis der frisch gegründeten RWB AG, mit Anlegermitteln in diesen Markt zu investieren. Die Vorstände Horst Güdel und Norman Lemke ziehen Bilanz.

finanzwelt: Vor 10 Jahren haben Sie als eines der ersten Emissionshäuser Private Equity Fonds für Privatanleger angeboten. Ihre ersten Anleger können jetzt kündigen. Wie werden die Ergebnisse ausfallen?

Güdel: Anleger der Beitrittsjahre 1999 bis 2001 werden, je nach Dauer der Kapitalbindung und Höhe des über die Beteiligungsdauer haftenden Kapitals, Zahlungen erhalten, die einer jährlichen Verzinsung zwischen 6 und 9 % entsprechen. Ein Ratenanleger, der von 1999 bis 2002 100 Euro monatlich gespart hat und somit auf eine Einzahlungssumme in die 1. RWB AG von etwas über 3.000 Euro kommt, erhält jetzt ca. 6.100 Euro. Für spätere Jahrgänge, d. h. bei späterem Einzahlungsbeginn und kürzerer Kapitalbindung erhalten vergleichbare Anleger zwischen 4.600 und 5.300 Euro.

Lemke: Zusätzlich zur Sofortzahlung erhält der Anleger einen Besserungsschein, mit dem er bis zur endgültigen Abwicklung des Portfolios noch profitieren kann.

finanzwelt: Verglichen mit den historischen Renditen ihrer Anlageklasse ein eher durchschnittliches Ergebnis?

Güdel: Verglichen mit den Kritiken, die uns viele Ihrer Kollegen von der schreibenden Zunft beim Start mit auf den Weg gegeben haben, eher eine Sensation …

finanzwelt: Aber von den Erwartungen, die Sie und Ihre Vertriebsorganisation teilweise geweckt haben, haben Sie sich doch ein Stück entfernt?

Lemke: Unsere Vertriebspartner haben allen Grund, selbstbewusst vor die Kunden zu treten. Nicht viele Kapitalanlagen aus diesem Zeitraum können auf vergleichbar gute Ergebnisse verweisen. Im Bereich der Anlagen, die auch über Sparbeiträge zugänglich waren, sicherlich noch weniger.

finanzwelt: Sind Sie persönlich mit dem Ergebnis zufrieden?

Güdel: Da gibt es Für und Wider. Ein Stück weit war es am Ende Pech, dass uns die globale Finanz- und Wirtschaftskrise sprichwörtlich auf den letzten Metern eingeholt hat. Wenn wir die Performance unserer Zielfonds der Vintagejahre 2000 bis 2003 zugrunde legen, wäre ein deutlich zweistelliges Ergebnis erreichbar gewesen.

Lemke: Auf der anderen Seite hat sich unser Balanced Portfolio Ansatz, also ausgewogene Streuung über alle Facetten des Private Equity Marktes, gerade in der Krise bewährt. Obwohl einige unserer Zielfonds Performanceeinbrüche verzeichnen, halten sich auf Dachfondsebene die Verluste in Grenzen.

finanzwelt: Sind es die hohen Anlaufkosten von ca. 15 %, die oftmals kritisiert wurden, die jetzt das Ergebnis beeinträchtigen?

Lemke: Nein. Die Kritik war auch sehr pauschal. Wenn kritisiert wird, dass ein Auto 15 Liter verbraucht, ist diese Aussage informationslos, wenn nicht angegeben wird, auf wie viele Kilometer sich diese Verbrauchsangabe bezieht. Man sollte sich schon die Mühe machen, das Preis-Leistungs-Verhältnis zu hinterfragen. Nehmen wir unseren ersten Fonds. Auf ca. 38 Mio. Euro eingezahltes Kapital wurden damals noch 18 %, d. h. knapp 7 Mio. Euro Emissionskosten fällig. Dem stehen über die gesamte Investitionsphase, d. h. einschließlich Reinvestition, knapp 70 Mio. Euro an Kapitalabrufen von Zielfonds gegenüber. Kaum einer unserer Wettbewerber im Bereich Private Equity kommt auf eine ähnlich hohe Investitionsquote.

finanzwelt: Wie sehen Sie die Zukunft des Private Equity? Viele Wettbewerber haben das Segment wieder aufgegeben.

Lemke: Das hat natürlich auch mit Problemen in den Haupttätigkeitsgebieten anderer Häuser zu tun, die jetzt die volle Konzentration erfordern. Sicherlich liegen Private Equity Fonds psychologisch betrachtet nicht gerade im Trend. Es ist eine verdammt schwere Aufgabe, Kunden jetzt vom antizyklischen Verhalten zu überzeugen. Fakt ist aber auch, dass die Einstiegschancen gut sind wie nie, jedenfalls besser als 2006 oder 2007, als mehr als 40 Anbieter mit ca. 70 Fonds um die Kundengunst buhlten.

Güdel: In den Medien wird viel über die unüberwindliche Aversion der Kunden gegen als risikoreich wahrgenommene Produkte berichtet. Noch mal, es ist schwer, Kunden zu mutigen Entscheidungen zu motivieren. Ich bewundere jeden, der sich der Herausforderung stellt. Aber es gibt auch Kunden, die die Zeichen der Zeit entschlossener deuten und nicht unbedingt nur noch auf Immobilien abfahren, die über Zwanzigjahresverträge mit staatlichen Mietern verfügen.

finanzwelt: Sie haben sich über die Jahre ein Image als Spezialist für Private Equity auf gebaut. Bleibt Ihnen da jetzt nichts anderes übrig, als die Fahne hochzuhalten?

Güdel: Wenn Sie auf einem breiten Fluss fahren, kommt es auf die Strömung an. Natürlich hat die Branche Gegenwind. Und viele blicken ängstlich auf die Oberfläche des Flusses, wo sich die Wellen gegen die Fließrichtung kräuseln. Na und? Glauben Sie, dass die Volkswirtschaften weltweit zukünftig ohne Eigenkapitalinvestitionen auskommen werden? Aus Übertreibungen müssen Lehren gezogen werden, das ist klar. Dabei das grundsätzliche Geschäftsmodell in Frage zu stellen, ist lächerlich.

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