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Unfallversicherung

Safer Unfall

Nach einer Statistik der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin geschehen rund 60 % aller Unfälle in der Freizeit, sind also ca. 5 Millionen Menschen in 2007.

Noch deutlicher: Alle sechs Sekunden bricht sich ein Sportler zum Beispiel beim Joggen das Bein, fällt eine Hausfrau beim Putzen von der Leiter oder plumpst ein Kind beim Klettern vom Baum! Bei bleibenden Schäden kann eine private Unfallversicherung helfen.

Die aktuelle Studie „Kundenmonitor Assekuranz 2008“ des Marktforschungs- und Beratungsinstituts psychonomics AG zum Schwerpunktthema „Private Unfallversicherung“ zeigt es: Rund jeder dritte Bundesbürger (31 %) besitzt eine Police zur Absicherung akuter wie langfristiger finanzieller Folgen von Unfällen in der Freizeit. Besonders stark verbreitet ist die private Unfallversicherung mit 37 % in den neuen Bundesländern. In den alten Bundesländern liegt die Quote seit dem Jahr 2000 stabil bei rund 29 %. Hier ist das Wissen vieler zur privaten Unfallversicherung noch sehr gering: 45 % unterliegen beispielsweise der krassen Fehleinschätzung, die private Unfallversicherung sei überflüssig, da man bereits ausreichend über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert sei. Die Berufsgenossenschaften decken aber ausschließlich Arbeitsunfälle, Wegeunfälle und Berufserkrankungen und keinerlei Unfälle in der Freizeit bzw. im privaten Lebensumfeld ab.

Marktpotenzial noch nicht ausgeschöpft. Es ist zwar so, dass die subjektiv wahrgenommene Bedeutung einer privaten Unfallversicherung im Rahmen der privaten Vorsorgestrategie in letzter Zeit zwar insgesamt etwas zugenommen hat, allerdings in deutlich geringerem Maße als die anderer Vorsorgeprodukte, wie etwa die private Altersvorsorge oder private Krankenzusatzversicherung. Zudem liegt zwischen Bedeutung und Umsetzung ein himmelweiter Unterschied. So sind die Abschlüsse von Unfallpolicen in den letzten Jahren nicht besonders erfreulich. „Das Unfallgeschäft stagniert im Markt seit Jahren. Wir als NÜRNBERGER gehen auch in diesem Jahr wieder von einer leichten Steigerung aus“, erklärt Peter Meier, Direktor Sach-, Haftpflicht- und Unfallversicherungen der NÜRNBERGER Versicherungsgruppe. Und Dieter Fröhlich, Vorstandsvorsitzender der InterRisk Versicherungs- AG, ergänzt: „Infolge der EU-Vermittlerrichtlinie, der VVG-Reform und der VVG-Info-Verordnung hatten wir für 2008 zwar mit einer Abschwächung des Neugeschäftes gerechnet, uns aber dennoch einen Anstieg der Beitragseinnahmen um rund 3 % zum Ziel gesetzt, was sich als durchaus realistische Planung erweist. Mit einer Steigerungsrate in dieser Größenordnung werden wir das auf 0,5 % geschätzte Marktwachstum in der Unfallversicherung auch in diesem Jahr wieder deutlich überschreiten.“

Knackpunkt ist auch die finanzielle Lage eines Unfallversicherten. Sobald es dem Versicherten finanziell schlechter und es um die Frage nach der Priorität für gewisse Absicherungen geht, steht der private Unfallschutz schnell auf der Streichliste. Die Altersvorsorge hat hier an Stellenwert gewonnen und somit die Unfallpolice verdrängt, das auch bedingt dadurch, dass Verbraucherschützer gerne die Notwendigkeit einer Unfallpolice kritisieren und einen Berufsunfähigkeitsschutz (BU) für sinniger ansehen. Natürlich bleiben BU-Versicherungen – sofern man diese abschließen und sich vor allem auch leisten kann – aufgrund des deutlich umfassenderen Vorsorgeschutzes unverzichtbar und können durch private Unfallversicherungen allenfalls ergänzt, nicht aber ersetzt werden. Eine BU gleicht allenfalls eine laufende Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit aus, indem eine gewisse „Rente“ gezahlt wird. Mit Sofortleistung im Falle eines Unfalls hat dies alles aber nichts zu tun. „Richtig ist, dass es sich hier um zwei Produkte handelt, die man nicht miteinander vergleichen kann. Beide Versicherungen haben ihre Berechtigung, da sie unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Daher ist eine Kombination aus beiden die bestmögliche Absicherung", erklärt Mathias Clemens, Leiter Vertrieb DOMCURA AG. Der Kieler Assekuradeur führt aktuell die neue Produktlinie „Unfall ALL YOU NEED“ am Markt ein. Das Produkt setzt dabei neben den klassischen Bestandteilen wie die Invaliditätsleistung oder Unfallrente auf weitere leistungsstarke Produktbausteine. „Ergänzt wurden die Komponenten Dread Disease und First Aid. First Aid beinhaltet u. a. Chefarztbehandlung, Krankenrücktransport und eine Unterbringung im Einzelbettzimmer. Dread Disease leistet bei den schweren Krankheiten Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs. Eine stark verbesserte Gliedertaxe rundet dieses Produkt ab. Ein Beispiel: Bei Verlust der Stimme leisten wir zu 100 %“, beschreibt Clemens das neue Produkt.

Erweiterung des Leistungsumfangs. Zwar behaupten überragende 88 % der psychonomics Befragten, dass sie mit ihrer Unfallpolice zufrieden sind. Dennoch haben einige Versicherungen aufgrund der stagnierenden Zahlen mit Bedingungs- und Leistungsverbesserungen reagiert. Die Condor leistet beispielsweise in ihrem Tarif „Comfort“ auch bei Unfällen aufgrund von Bewusstseinstörungen, wie es bei der Einnahme von ärztlich verordneten Medikamenten geschehen kann. Und die InterRisk Versicherungs-AG Vienna Insurance Group hat zum 01.09.2008 für die Unfallkonzepte XL, XXL und i-MAX 96 Bedingungsverbesserungen eingeführt, die sowohl für Neu- als auch für Bestandskunden gelten. Auf eine Beitragsanhebung wurde verzichtet. Invaliditätsgrade wurden deutlich erhöht und für eine Reihe innerer Organe neu geregelt. Künstliche Organe, Organtransplantationen oder die Anschaffung eines Blindenhundes sind zukünftig im i-MAX-Konzept bis zu 20.000 Euro und im XXL-Konzept bis zu 10.000 Euro mitversichert. Gesundheitsschäden durch Sonnenbrand oder Sonnenstich wurden – unabhängig vom AUB-Unfallbegriff – zusätzlich in die Konzepte eingeschlossen. Die Liste der Infektionskrankheiten, die als Unfallereignis gelten, wurde ebenfalls den Marktbedürfnissen angepasst: Borreliose, Gelb- und Fleckfieber, Tollwut, Wundstarrkrampf u. v. m. sind unabhängig vom Übertragungsweg ab sofort mitversichert. „Das lässt sich am besten unserem umfangreichen Unfall-Mitbewerbervergleich entnehmen, der im Partnerbereich unserer Internetseite aufgerufen werden kann und der nach unserer Einschätzung die 16 besten Unfallprodukte des Marktes miteinander vergleicht. Nur die Deckungskonzepte der InterRisk enthalten gegenüber den Verbandsbedingungen keinerlei Leistungseinschränkungen, die entsprechend den Mindeststandards des Arbeitskreises Vermittler-Richtlinie im Rahmen der Maklerhaftung besonders kritisch zu bewerten sind. Unser bestes Bedingungswerk bietet zu 356 von 451 verglichenen Kriterien die beste Lösung, während das stärkste Mitbewerberprodukt lediglich auf 144 Bestleistungen kommt“, so Fröhlich.

Zielgruppe Senioren. Laut psychonomics Studie gilt es, gerade die „Senioren“ von der Notwendigkeit einer solchen Police zu überzeugen. So ist bei den über 55- Jährigen der Anteil der Besitzer einer privaten Unfallversicherung deutlich unterdurchschnittlich ausgeprägt, seit 2000 aber bereits von 20 auf 25 % angestiegen. Gleichwohl zählt diese Altersgruppe nach wie vor zu den häufigsten „Kündigern“ privater Unfallpolicen. Ganz offensichtlich hat sich bei vielen die trügerische Auffassung festgesetzt, ab einem bestimmten Lebensalter für eine Unfallversicherung grundsätzlich „zu alt“ zu sein. „Schon heute sind mehr als 30 % der Bevölkerung 50 Jahre und älter. Nach der neuesten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird im Jahr 2050 bereits mehr als die Hälfte der Bevölkerung älter als 50 Jahre sein. Daran wird deutlich, dass auch die Versicherer sich aktiv mit den Bedürfnissen dieser Altersgruppe auseinandersetzen sollten“, erklärt Stephan Bongwald, Pressereferent der Barmenia Allgemeine Versicherungs- AG. Die Barmenia hat – als einer der ersten Anbieter – diesen Schritt bereits im Jahr 2000 getan und Produkte für den speziellen Bedarf der Menschen ab 50 entwickelt. Hier eine Unfallversicherung mit schnellen Hilfeleistungen (kein Aufnahme- Höchstalter), die neben den auf die Altersgruppe ausgerichteten finanziellen Leistungen auch umfassende Hilfeleistungen bietet. Voraussetzung für die Hilfeleistungen ist lediglich die Hilfsbedürftigkeit der versicherten Person. Ein Krankenhausaufenthalt oder gar eine Invalidität müssen hierfür nicht gegeben sein! Entspricht die unfallbedingte Beeinträchtigung mindestens der Pflegestufe 1 der Pflegepflichtversicherung, so wird auch Körperpflege geleistet.

Fazit. Zwei Trends sind aktuell erkennbar. Zum einen wird vermehrt ein Augenschlag auf die Zielgruppe „Senioren“ gelegt – eine aufgrund der demographischen Entwicklung logische Entfaltung. Zum anderen reagieren einige Versicherer mit der Erweiterung des Leistungsumfangs. Hierdurch bieten Versicherungen künftig bessere Argumente bei der Erschließung von neuen Kundenpotenzialen.

Anmerkung: Auch Kinderunfallpolicen liegen vermehrt im Blickfeld der Assekuranz. Ob Biene Maja (Nürnberger), KISS (Barmenia) oder Zeus Kinderschutzbrief (ZEUS-Unternehmensgruppe). Lesen Sie dazu mehr in der nächsten Ausgabe der FINANZWELT.

(Marc Oehme)


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