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Der Markt mit langfristigem Wachstumspotenzial

Schiffsfonds -- volle Fahrt voraus

Endlich hat sich der von der Politik erzeugte Nebel gelichtet. Für Schiffsfonds heißt es jetzt volle Fahrt voraus. Denn die Tonnagesteuer, die den Anlegern praktisch steuerfreie Ausschüttungen beschert, bleibt so wie sie ist. Dies verkündete Bundeskanzler Gerhard Schröder auf dem Maritimen Forum in Lübeck am 26. Mai 2003. Der Verband deutscher Reeder bestätigt, dass alle Pläne, an der Tonnagesteuer zu rütteln, nun vom Tisch sind. Da zudem eine beständige Nachfrage nach den “Brummis auf hoher See” da ist, dürfte sich der Anteil der Schiffsfonds am großen Kuchen geschlossene Beteiligungsmodelle wenigstens halten.

Seit den Bundestagswahlen im Herbst letzten Jahres wurden Initiatoren, Finanzdienstleister und Anleger durch Negativmeldungen zur Tonnagesteuer verunsichert. Im ursprünglichen Referentenentwurf zum sogenannten Steuervergünstigungsabbaugesetz war die Abschaffung der Tonnagesteuer vorgesehen. Es dauerte bis zur letzten Novemberwoche, ehe auf dem Hansa-Schiffsforum am 26. November 2002 in Hamburg, bei dem sich die Branche der Schiffsfonds-Initiatoren regelmäßig ein Stell-dich-ein gibt, die Entwarnung kam.

Allerdings war die Entwarnung nicht endgültig, wie sich später zeigen sollte. Von neuem geriet die Tonnagesteuer in die Diskussion mit dem Positionspapier des hessischen Ministerpräsidenten Koch (CDU) und des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Peer Steinbrück (SPD) zum Abbau von Subventionen. Danach sollte die Tonnagesteuer nur noch alternativ zu den Steuervorteilen in der Investitionsphase gewährt werden. Das wäre ein herber Schlag für die Schiffsfonds geworden. Denn es werden fast ausschließlich Fonds angeboten, die zunächst Steuervorteile nutzen und dann für die Tonnagesteuer optieren. Dieses Modell ist nunmehr gerettet - offenbar durch die persönliche Intervention von Kanzler Schröder, wie der Schiffsbau-Newsletter “Maritime Hotline” schreibt.

Offenbar wie ein Befreiungssignal wirkte diese Nachricht auf die Anleger. “Wir konnten in vier Wochen 40 Millionen Eigenkapital platzieren”, freut sich Großekämper, “damit sind unsere Übergangsfonds für 2003 praktisch ausplatziert.” Vor einigen Monaten glaubte Dr. Großekämper noch, dass der Vorrat bis zum Jahresende reichen werde. Es sind lediglich noch Tranchen zu haben, die Steuervorteile für 2004 bieten.

Die anderen Anbieter hatten schon längst keine Übergangsfonds mehr. Diese vor dem 1.9.2002 anplatzierten Fonds durften noch die Nebenkosten (vor allem Eigenkapitalprovision) voll verrechnen. Die danach aufgelegten Fonds können diese nur noch aktivieren und auf die Laufzeit (in der Regel 12 bis 14 Jahre) verteilt abschreiben. “Dadurch gehen rund 15 Prozent Steuervorteile verloren", meint Tobias König, Gründer, Chef und Namensgeber des Initiators König & Cie.. Bezogen auf das Eigenkapital liegen die Steuervorteile unter 50 Prozent.

Mit einem neuen Modell versucht die Branche, diesen Nachteil zu kompensieren. Mit herein genommen werden stille Beteiligte, die keine Steuervorteile erhalten, so dass die Kommanditisten höhere steuerliche Negativergebnisse geltend machen können. Die still Beteiligten erhalten dafür von Anfang an eine höhere Ausschüttung, die nach der Option für die Tonnagesteuer steuerfrei ist. Dieses Kombimodell ist nun gerettet.

Wenn man der Branche glauben darf, erfreuen sich diese stillen Beteiligungen, die u.a. HCI, König & Cie. und Lloyds Fonds anbieten (andere wie die Hamburgische Seehandlung arbeiten mit Vorzugskapital, das demselben Zweck dient), großer Beliebtheit. Es könnten weit mehr stille Beteiligungen verkauft werden als Kommanditkapital, heißt es. “Steuerspareffekte werden zwar gern mitgenommen, aber die Anleger sind vor allem an hohen Ausschüttungen interessiert, die dank der Tonnagesteuer fast steuerfrei bleiben,” meint Harald Christ, der Chef der HCI. Grundsätzlich wäre mit einem erhöhten Fremdkapital derselbe Zweck zu erzielen, zumal dieses derzeit sehr günstig ist. Aber die Ausschüttungen auf stille Beteiligungen oder Vorzugskapital sind ergebnisabhängig, während Fremdkapital in jedem Fall bedient werden muss. Daher sind der Fremdkapitalaufnahme gewisse Grenzen gesetzt, auch wenn die Zinsen niedrig sind.

Etwas skeptischer beurteilt Großekämper die Nachfrage nach stillen Beteiligungen oder Vorzugskapital: "Warum gibt es dann keine Schiffsfonds, die von Anfang an für die Tonnagesteuer optieren", fragt Großekämper. In der Tat: Wenn man von dem ersten Zweitmarktfonds für Schiffsbeteiligungen absieht, dem Maritim Invest, sind solche reinen Ausschüttungsfonds bislang noch nicht aufgelegt worden. Dieser Zweitmarktfonds investiert nur in Schiffe, bei denen die Steuervorteile längst ausgeschöpft sind.
Kombimodelle bieten derzeit Lloyds mit der MT Team Jupiter, König & Cie. mit der MT Cape Baxley und der MT Cape Bille und die Hamburgische Seehandlung mit der MS Pilo. Nachdem die Norddeutsche Vermögen ihre Übergangsfonds ausplatziert hat - zum Schluss wurden die Angebote sogar überzeichnet -, macht man sich aber auch dort Gedanken über Modelle mit stillen Beteiligungen oder Vorzugskapital. Aber derzeit kann Norddeutsche Vermögen keinen Schiffsfonds anbieten. Ähnlich geht es der Hansa Treuhand, die zwar Schiffe hat (zwei Containerschiffe), aber noch keinen Charterer, weil der Initiator die Gunst der Stunde, das heißt die Erholung der Charterraten, nutzen will und einen Abschluss auf einem etwas höheren Niveau anstrebt.
Verständlicherweise noch ohne Schiff ist auch der neue Schiffsinitiator Marine Finance AG, Hamburg, die von der Düsseldorfer Ideenkapital gegründet wurde. Vorstand ist Martin Strothmann, der viele Jahre für die Hansa Treuhand Schiffsbeteiligungen konzipiert und Schiffsfonds gemanagt hat. Spätestens im Jahresendgeschäft will Marine Finance mit einem Schiffsfonds auf dem Markt sein. Der Schiffstyp liegt noch nicht fest. “Es kann durchaus ein Tanker oder Bulker sein", meint Strothmann, “schließlich sind bereits vier Fünftel der Schiffe, die die Bundesbürger besitzen, Containerschiffe".

Für Containerschiffe spricht aus Anlegersicht grundsätzlich, dass der Markt langfristiges Wachstumspotenzial hat. Anleger, die ihre erste Schiffsbeteiligung zeichnen, sind gewiss mit den vergleichsweise unkomplizierten Containerschiffen gut beraten. Anleger, die bereits mehrere Containerschiffsbeteiligungen haben, sollten indes auch über andere Schiffstypen nachdenken. Gerade die schon lange am Markt befindlichen Emissionshäuser bleiben gern dem alt vertrauten Containerschiff treu. Dagegen bieten die jüngeren Initiatoren derzeit eher Tanker und Bulker an. König und Cie. sowie Lloyds Fonds sind derzeit mit Tankern auf dem Markt, die Hamburgische Seehandlung mit einem Bulker.

(Dr. Leo Fischer)


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