das Statement
Schiffsfonds 2002/03 -glückliche Heimkehr
Jürgen Dobert gilt als der renommierteste Experte von Schiffsbeteiligungen in Deutschland. Als Fachjournalist schreibt er für nahezu alle Finanz- und Wirtschaftspublikationen
Die Kapitäne und ihre Besatzungen an Bord der deutschen Emissionsdampfer-Flotte sind glücklich. Nach waghalsiger, abenteuerlicher Jahres-Kreuzfahrt 2002 konnten sie alle zum Jahreswechsel wohlbehalten mit reichlich Fangprämie in den Taschen in ihre Heimathäfen zurück kehren. Arg gestresst zwar – mancher glaubte im Spätherbst ins Auge des Taifuns (oder war es nur das des Finanzministers?)geblickt zu haben –,doch erleichtert, den Gefahren ebenso von Stürmen wie unsäglichen, monatelangen Flauten, Untiefen und Riffs, oder auch dem Kentern wegen Überladung gerade noch rechtzeitig entronnen zu sein.
Denn vor dem Hintergrund schwacher Schifffahrtsmärkte, schlechter Konjunktur, katastrofaler Börsennachrichten und dementsprechend unwilligen, unentschlossenen oder verschreckten Kapitalanlegern sind um die 1,4 Milliarden Euro platziertes Eigenkapital ein hervorragendes Ergebnis. Wie oft ist der Branche in den letzten Jahren nicht schon das Aus oder zumindest die Halbierung ihrer Schiffsfonds- Umsätze (das wären rd.0,75 Mrd. Euro)vorausgesagt worden?
Und dann waren noch fünf Wochen Ausfall und Lähmung im Jahresendgeschäft zu verkraften, als das Finanzministerium die Streichung der Tonnagesteuer angekündigt hatte. Unter größtem Einsatz von Lobby und Politik gelang es, das Thema Mitte November wieder vom Tisch und die Tonnagesteuer von der Giftliste zu ziehen.
Andererseits –Stichwort Nebenkostenerlass –hatten sich die Emissionshäuser hoffnungslos überladen mit mehr als 180 “anplatzierten ” Schiffsfonds. Diese durften hinsichtlich der erstrebten Verlustzuweisungen zwar von der Übergangsregelung profitieren, standen aber unter dem Zwang, bis zum 31.12.voll platziert sein zu sollen. Wäre die Frist nicht schlussendlich verlängert worden, hätten wir am Jahresende kaum glückliche, aber umso mehr verzweifelt um Alternativen kämpfende Reeder, Emissions-Kapitäne und auch Banker gesehen.
Nun hat die Branche wieder Oberwasser. Mit gesicherter Tonnagesteuer und verlängerter Übergangsregelung im Rücken ist man mit einem immer noch stattlichen Polster an “Vorratsfonds ”ins neue Jahr eingetreten. Letztere werden ihre steuerliche Attraktivität ungeachtet der Qualität ausspielen können, so lange Vertrieb und Anlegern steuerliche Anfangsverluste wichtiger sind als Wirtschaftlichkeit. Aber auch ohne die Altfonds verströmen die Initiatoren überwiegend wieder viel Zuversicht, so genannte renditestarke neue Angebote auflegen zu können. Die Nase vorn haben werden wie in den Vorjahren wieder die Großschiffe unter den Container- und Massengutfrachtern sowie Öltanker, denn nur für Großtonnage gibt es Langzeitchartern, die über Zeiträume von fünf bis zehn Jahre laufen. Nach einfacher Lesart vermitteln sie in ihrer Vertriebs- ”Story ”wegen ihrer Vertragsdauer mehr Sicherheit. So manches Mal täuscht diese Lesart allerdings über gravierende Risiken hinweg, die seriös konzipierte andere, kleinere Schiffe ohne langjährige Bindung an einen Charterer nicht haben. Ohne Einzelfall-Analyse lässt sich eben über Bewertungen von Schiffsfonds nicht urteilen.







