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FINANZWELT sprach mit Daniel Velte, ...

Schiffsfonds

Geschäftsführer des FHH Fondshaus Hamburg, über die Perspektiven der Schiffsmärkte.

Das Unternehmen gehört zu den jüngeren Emissionshäusern, kann als Mitglied der Ahrenkiel-Gruppe aber auf mehr als 50 Jahre Schifffahrts-Know-How verweisen.

FINANZWELT: Der Verkauf von Schiffsfonds boomt. Was macht Schiffe als Anlage so attraktiv?

Velte: Schiffe sind als Anlage kein Neuland. Investoren haben es mit einem überschaubaren Initiatorenkreis zu tun, die ihr Handwerk verstehen. Die Investition in den Sachwert Schiff hat, wohl auch aus Mangel an Alternativen, eine Renaissance erlebt. Ein wesentlicher Faktor für den Umsatzschub in 2004 war aber auch die positive Entwicklung der Schifffahrtsmärkte.

Die Containerschifffahrt profitierte von den strukturellen Veränderungen in Fernost, allen voran in China. Gegenüber dem Vorjahr wurden in China 15 Millionen Container mehr be- und entladen. Weltweit hat der Containerumschlag um 10,4 Prozent angezogen. Die Flotte ist hingegen nur um 7,3 Prozent gewachsen, daher das Ratenwachstum.
Die Tankschifffahrt profitiert durch den Ersatzzwang von Einhüllentonnage, die noch knapp die Hälfte der Flotte ausmacht und mittelfristig aus dem Markt ausscheiden muss.

FINANZWELT: Gibt es genügend attraktive Schiffe?
Velte: Die Verfügbarkeit an Schiffen ist nicht das Problem. 2003 war ein Rekordjahr, was Ablieferungen angeht. Auch in 2004 stehen wieder eine Vielzahl von Ablieferungen an. Dazu kommt die Möglichkeit, sich mit Second-Hand-Tonnage einzudecken. Der Markt hat sich dahingehend verändert, dass mit dem Ratenanstieg der vergangenen Monate leider auch die Kaufpreise für Tonnage gestiegen sind. Solange sich sowohl Raten als auch Kaufpreise auf hohem Niveau befinden, ist dies unproblematisch. Mittel- bis langfristig müssen wir unsere Fonds mit niedrigeren Raten rechnen, d.h. einen Ratenrückgang vorwegnehmen. Nicht jede Offerte die wir erhalten, passt da in unser Raster.

FINANZWELT: Besteht bei den Sale-and Lease-Back-Schiffen nicht die Gefahr, dass die Anleger zu teuer kaufen?
Velte: Ein solches Geschäft hat den Vorteil, dass für den Zeitraum der vereinbarten Festcharter Marktschwankungen geglättet werden. Nach Ablauf der Festcharter muss man sich in der Kalkulation der Anschlusscharter an den Gegebenheiten des Marktes orientieren. Dies wurde in der Vergangenheit in der Tat nicht immer berücksichtigt.

FINANZWELT: Wegen der hohen Preise für Schiffe halten sich einzelne Initiatoren mit der Auflegung von Schiffsfonds bewusst zurück. Werden auch Sie in diesem Jahr kürzer treten?
Velte: Wie gesagt, so lange man langfristig von einem geringeren Ratenniveau ausgeht, können Sie sich auch heute eindecken. Wir haben aktuell drei Schiffe zur Platzierung in 2004 vorgesehen. Eins sollte man bei aller Vorsicht nicht vergessen: Unsere Containerschiffe, die wir 2003 als Fonds aufgelegt haben, profitieren in 2004 und 2005 von höheren Raten, d.h. sie laufen deutlich über Plan. Solche Sondereffekte nimmt man gern mit, sollte diese aber nicht zur Messlatte für zukünftige Fonds machen.

FINANZWELT: Die Möglichkeiten Steuervorteile zu nutzen, wurden weiter eingeschränkt. Lohnt es sich überhaupt noch, Fonds mit negativem Steuerergebnis aufzulegen oder ist es sinnvoll, gleich Tonnagesteuerfonds auf den Markt zu bringen?
Velte: Der Schiffsfonds hat sich durch das Wegschmelzen der Verlustzuweisungen über die Jahre hinweg schon lange zu einem Renditefonds entwickelt. Trotzdem erkennen wir keinen Sinn darin, die Verlustphase als willkommene Dreingabe nicht mitzunehmen. So lange dies noch möglich ist, sollte man dies tun. Diese Modelle sind - finanzmathematisch leicht zu erkennen - immer noch im Vorteil.

FINANZWELT: Sie haben Anleger in Österreich und der Schweiz. Die können Steuervorteile überhaupt nicht nutzen? Halten Sie für diese reine Tonnagesteuerfonds bereit?
Velte: In der Schweiz wurden Kommanditbeteiligungen von Fonds mit anfänglichen Steuereffekten platziert. Durch den negativen Progressionsvorbehalt entstehen, wenn auch in abgeschwächter Form, auch Vorteile für den Schweizer Anleger. In Österreich haben wir eine Stille Beteiligung platziert, d.h. ohne anfängliche steuerliche Effekte. In beiden Ländern war mit Sicherheit die Erzielung von quasi steuerfreien Ausschüttungen aufgrund der Tonnagesteuer sehr verlockend.

FINANZWELT: Bei reinen Tonnagesteuerfonds ersparen Sie sich und dem Anleger Streit mit dem Finanzamt. Mit steigenden Schiffspreisen gibt es höhere Unterschiedsbeträge. Holt sich der Fiskus auf diese Weise die anfänglich gewährten Steuervorteile nicht ohnehin zurück?
Velte: Sollten die Kaufpreise zukünftig wieder sinken, kämen somit ein geringerer Unterschiedsbetrag heraus.

FINANZWELT: Die Charterraten in der Containerschifffahrt haben ein langjähriges Höchstniveau erreicht. Aber die Schifffahrtsmärkte gelten als volatil. Wie lange werden sich die Raten auf dem hohen Niveau behaupten?
Velte: Für die Jahre 2004 und 2005 rechnet man mit einem ausgeglichenem Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Die Werften sind bis 2006 voll ausgelastet und liefern ein jährliches Flottenwachstum von acht Prozent ab.Hier kann es die nächsten drei Jahre keine Überraschungen geben. Die Nachfrage, gemessen am Containerumschlag, soll in den nächsten zwei Jahren um neun Prozent wachsen. Die Marktlage ist also mittelfristig stabil, sogar mit etwas Luft nach oben. Längerfristige Prognosen halten wir aus Erfahrung für schwer. Das macht Schifffahrt vielleicht ja auch so interessant.

FINANZWELT: Die Containerschifffahrt profitiert vom starken Wachstum in China. Woher kommt die Fantasie für die Tankermärkte?
Velte: Der „China- Faktor” hat auch einen positiven Einfluss auf die Tankschifffahrt. Der Ölkonsum Chinas soll bis 2010 den von Japan überholt haben. Ein deutliches Signal hierfür: Die Erdölreserven haben die Chinesen bis Ende 2005 auf 100 Millionen Barrel erhöht. Dies dürfte auch der Tankschifffahrt Nachfrageimpulse geben. Der interessanteste Faktor bleibt aber der einmalige Ersatzzwang von Einhüllentankern, die durch Doppelhüllentanker mittelfristig ersetzt werden müssen. Ein Beispiel: Von 1051 mittelgroßen Tankern sind per Ende 2003 noch 462 Schiffe ohne Doppelhülle, die sukzessive ersetzt werden müssen. In den Orderbüchern befanden sich zum gleichen Zeitpunkt 345 Schiffe.

FINANZWELT: Schiffe sind ein Dollarinvestment. Welche Risiken bringt die Dollarschwäche für die Anleger? Sollte man nicht gleich einen Dollarfonds auflegen, so wie dies die Initiatoren von geschlossenen US-Immobilienfonds tun?
Velte: Dollarschwäche bedeutet zunächst, dass man aktuell für weniger Euro-Kommanditkapital das gleiche Schiff bekommt. Die aktuelle Konzeption von Fonds wird mit diesem schwachen Dollar langfristig kalkuliert. Ein erstarkter Dollar ließe die Fonds in der Realität dann besser als im Prospekt werden.

FINANZWELT: Mit welchen Auschüttungen kann ein Anleger realistischerweise längerfristig rechnen?
Velte: Zwischen sieben und zehn Prozent jährlich.

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