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Nur jedes zweite Angebot empfehlenswert?

Schiffsfonds

Seit Jahren boomt der Markt für Schiffsbeteiligungen, und Jahr für Jahr vermuten die Skeptiker, der Gipfel sei endgültig erreicht. Es ist gut möglich, dass die Pessimisten auch diesmal wieder eines Besseren belehrt werden.

Wenn man von dem leichten Rückgang 2006 absieht, bewegen sich die Absatzzahlen für Schiffsfonds seit Jahren auf Rekordniveau. „Die Nachfrage nach Schiffsfonds ist ungebrochen hoch“, konstatiert Jan Bäumler, Vorstand der Vertriebsplattform BIT AG. „Aber es ist nach wie vor schwierig, attraktive Schiffsfonds zu bekommen.“ Eine Einschätzung, die Steffen Möller, Chefanalyst bei Scope, offenbar teilt: „Nur jeder zweite Schiffsfonds ist empfehlenswert“. Allerdings: Solche Klagen sind seit Jahren zu hören. Gleichwohl gab es im letzten Jahr mit 3,58 Mrd. und einem Plus von über 1 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr wieder einen neuen Absatzrekord, wie schon 2004 und 2005.

Zu Beginn des Jahres hatte Feri Rating & Research für das Jahr 2008 einen Rückgang auf 3,3 Mrd. Euro prognostiziert. Aber mittlerweile wird sogar wieder ein neuer Rekord von 4 Mrd. Euro für möglich gehalten. Vergessen sind offenbar Befürchtungen (Thema auf dem Hansa-Schiffsforum im November 2006), ob denn das deutsche KG-Modell mit Kosten von bis zu 25 % noch wettbewerbsfähig sei im Vergleich zu ausländischen Alternativen wie Koreanischer SIC, norwegischer KS und Singapur-Trust. Seit 2006 sind die durchschnittlichen Weichkosten nach Feststellung von Scope nur leicht um ein Prozent auf 23,42 % zurückgegangen. Aber Kapital ist inzwischen wieder knapp geworden.

Die Banken sind seit Beginn der Subprimekrise vor etwas mehr als einem Jahr zurückhaltender bei der Kreditvergabe. Jürgen Salamon, der Chef des Dortmunder Emissionshauses Dr. Peters, konstatiert: „Die Banken brauchen länger für eine Kreditzusage und prüfen strenger als früher.“

Das Kapital deutscher Kommanditisten ist (wieder) sehr gefragt. Auch, weil die Reeder Wert darauf legen, ihre Eigenkapitalquote zu stärken und Mittel für andere Investitionen frei bekommen wollen. Hier setzt Maritim Equity an. Der Fonds Maritim Equity I beteiligt sich mit 25 bis maximal 75 % an neuen oder bereits in Fahrt befindlichen Schiffen, das restliche Eigenkapital muss der Reeder zur Verfügung stellen, wenn Maritim Equity sich engagieren soll. Bei den herkömmlichen Schiffsfonds hat der Reeder lediglich die Funktion eines Verwalters und ist kapitalmäßig nur mit 50.000 bis maximal 200.000 Euro beteiligt. „Weil er mit Eigenkapital engagiert ist, trägt er höhere Risiken, wird zum Reeder im eigentlichen Sinne“, erläutert Werner Großekämper, Geschäftsführer von Maritim Invest. Anleger und Reeder sitzen also im wahrsten Sinne des Wortes in einem Boot.

Diese Idee verwirklicht zum Teil auch der Zweitmarktfonds HTB Zehnte. HTB, wie die Maritim Equtiy-Schwestergesellschaft Maritim Invest ein Spezialist für Zweitmarktfonds, kombiniert in seinem „Hybridfonds“ HTB Zehnte die Investition in Secondhand-Anteilen mit direkten Reederbeteiligungen. „Mindestens 30 % bis maximal 60 % des Investitionsvolumens soll auf Reederbeteiligungen entfallen“, meint Lars Clasen, Geschäftführer der HTB.

Auf gebrauchte Schiffe, aber nicht auf Secondhand-Schiffsanteile spezialisiert sich mit Ocean Partners Shipping ein neuer Anbieter, hinter dem ein alter Bekannter steckt: Hans-Jürgen Kaiser-Blum, früher Geschäftsführer bei Nordcapital. Der erste Fonds, der Ocean Partners Shipping Invest, investiert in bis zu vier Containerschiffe in der Größenklasse von 1.000 TEU (Feeder) bis 3.500 TEU, die nicht älter als 10 Jahre sind. Es werden nur Schiffe erworben, die auf Grund bestehender Charterverträge eine Ausschüttung von 8 % ermöglichen. Die angestrebte Laufzeit beträgt 5 bis maximal 10 Jahre. Der Fonds wird keinen Ausgabeaufschlag haben. „Bezogen auf die kürzere Laufzeit ist die Provision für den Vertrieb aber auch ohne Agio sehr attraktiv“, meint Kaiser-Blum.

Bei den Provisionen setzt auch GHF den Hebel an. Vermittler erhalten bei dem Global Bulker EK 1, einem reinen Eigenkapitalfonds, anfangs eine geringere Provision, allerdings das volle Agio, haben aber Aussicht auf eine höhere laufende Entlohnung. „Ein Teil der Vertriebsvergütung wird erst dann fällig, wenn der Anleger vorweg respektable Mindestauszahlungen erhalten hat“, erläutert Fondskonzeptionär Guenter Barth. Hier wird nicht der Reeder mit ins Boot genommen, sondern der Vertriebspartner.

Der vermeintliche Mangel an attraktiven Schiffen steht im Gegensatz zu der Tatsache, dass immer wieder neue Emissionshäuser in den Markt drängen. Neben Ocean Partners Shipping stellt sich Buss Capital, Marktführer bei Containerfonds, erstmals als Emittent eines Containerschiffsfonds vor, nachdem das Unternehmen unlängst mit einem Kreuzfahrtfonds sein Debüt gegeben hatte. Der Buss-Fonds investiert in zwei baugleiche 1.083-TEUContainerschiffe der Feederkategorie. Der Schritt vom Containerfonds zum Containerschiffsfonds hat bisher noch kein Anbieter vollzogen, aber auch nicht umgekehrt. Für das Emissionshaus macht der Schritt offenbar Sinn. Marc Nagel, Geschäftsführer Buss Capital: „Die Märkte haben zwar recht unterschiedliche Mechanismen, aber in beiden Assetklassen profitiert der Anleger letztlich vom boomenden Containermarkt. Mit dem exzellenten Know-how aus der Hafenlogistik-Gruppe Buss haben wir beste Verbindungen in beide Märkte.“

Sinn macht es auch, auf Feederschiffe zu setzen. Zahlreiche Riesenschiffe von 12.000 und 13.000 TEU sind bestellt. Diese können aber nur ganz wenige Häfen anfahren. „Die Feederschiffe passen in alle Häfen und sind für die Zubringerdienste zu den Großen unentbehrlich“, erläutert Thomas Wenzel, einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter von Ownership. Gerade für kleinere Emissionshäuser bilden Feederschiffe eine attraktive Marktnische. Aber auch die Großen sehen hier gute Chancen. In den nächsten Wochen kommt Dr. Peters mit zwei neuen Containerschiffen von 1.080 TEU auf den Markt.

(Dr. Leo Fischer)


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