Nervenstärke der Anleger kommt auf den Prüfstand
Schlechte Nachrichten für die Anleger des Leasingsfonds der Münchner Initiatorin DBVI
Dass das Finanzvermögen des Fonds zu einem Großteil verloren ist, ist nicht einmal das Unangenehmste, was Ge schäftsführer Alexander Grau seinen atypisch still beteiligten Anlegern jüngst in einem Schreiben beibringen musste.
Wirklich existenzbedrohend sind aber andere Umstände: Die Fremdfinanzierung des Fonds droht zusammenzu - brechen. Das ursprünglich von der AachenerMünchner Versicherung gestellte Darlehen für die Opel-Verwaltung wurde inzwischen durch die US-Investmentbank Lehman Brothers aufgekauft. Die Amerikaner verlangen eine Sondertilgung. Diese kann aber nach dem Ausfall von Reithinger nicht aus den Finanzanlagen geleistet werden. Zudem soll der zur Neufestsetzung anstehende Zins kräftig steigen. Die das Kölner Objekt finanzierende LBBW hat eine Verlängerung ihres Engagements über 2007 hinaus abgelehnt. Damit sind Grau und seine Mitstreiter in der wenig beneidenswerten Lage, mit einer Heuschrecke im Nacken auf die Suche nach neuen Darlehnsgebern gehen zu müssen, wobei sich die Person Klaus D. Thannhubers offenbar als zusätzlicher Belastungsfaktor bemerkbar macht. Eine Umschuldung dürfte sich als schwierig erweisen „in Anbetracht der negativen Historie des Initiators“, heißt es in dem Schreiben der Geschäftsführung an die Anleger. Eine so deutliche Sprache ist eher ungewöhnlich und spricht für sich selbst.
Neben dem schlechten Image kommt speziell beim Leasingfonds eine ganz massive weitere Verquickung zwischen dem früheren DBVI-Chef Thannhuber und seinem Produkt „Leasingfonds“ hinzu. Thannhuber ist offenbar nach wie vor der größte einzelne Gesellschafter des Fonds, der nach früheren DBVI-Angaben zwischen 15 und 20 % des Eigenkapitals ausgemacht hat. Das Problem daran: Der großen Beteiligung steht eine große Fremdfinanzierung gegenüber, die durch eine Grundschuld auf die WDR-Arkaden besichert ist. „Diese Finanzierung wurde vor einiger Zeit ebenfalls durch Lehman Brothers Inc. erworben und soll nun zur Abwicklung vorgelegt werden“, heißt es dazu in dem genannten Schreiben der Geschäftsführung. Sollte „Abwicklung“ am Ende tatsächlich „Verwertung der Sicherheit“ bedeuten, wäre die ganze Fondskonstruktion in ihrem Bestand gefährdet. Der Zusammenbruch des Fonds über die Sicherheit zugunsten Thannhubers wäre wohl nur zu verhindern, wenn der Fonds selbst oder irgendein potenter Investor Thannhubers Anteil samt Finanzierung übernehmen könnte, sofern dieser nicht selbst seinen Kredit zurückführen kann.
Indes scheinen sich die Lehman-Leute auf den ersten Blick vergaloppiert zu haben: Normalerweise zielen solche Forderungsaufkäufe auf die Verwertung der Objekte. Stellt man dem die letzte Version des Prospektes (2002) gegenüber, entsteht der Eindruck, dass es für Lehman Brothers zumindest nicht ganz einfach wird, an die Filetstücke des DBVI-Reichs heranzukommen. Für beide Objekte sind gemäß Prospekt nicht nur die Ankaufsmodalitäten und -preise zum regulären Ende der Leasingverträge (2016/2017) festgeschrieben, sondern auch starke Sonderrechte im Fall der Insolvenz der Objektgesellschaft: Opel kann dann demnach zum Barwert der ausstehenden Leasingraten zzgl. dem Barwert des ordentlichen Ankaufspreises (rund 48,6 Mio. Euro) das Objekt per Vorkaufsrecht sofort übernehmen. Für den WDR gilt abweichend, dass in diesem Fall eine Summe aus einer Art Grundpreis von rund 33,3 Mio. Euro zuzüglich rund 1,1 Mio. Euro für jedes Jahr der verbleibenden Restlaufzeit fällig wird, wenn das bestehende Vorkaufsrecht ausgeübt wird.
Da indes diese Vorkaufsrechte an die Insolvenz der jeweiligen Objektgesellschaften gebunden sind und nicht an die Fondsgesellschaft selbst, sind einige taktische Spielchen denkbar, die letztlich alle auf der Einschüchterung der Anleger basieren müssten mit dem Ziel, sie billig aus dem Fonds herauszudrängen (etwa mit dem Scheinangebot „keine Nachschüsse“) und danach an eine neu zu konzipierende Verwertung auf Grundlage der bestehenden Leasingverträge heranzugehen. Solange die Anleger die Nerven behalten, kann allerdings nicht viel passieren, Lehman selbst hätte bei einer Verwertung aus den aufgekauften Forderungen heraus immer mehr zu befürchten als die Anleger selbst: Solange der Schuldner stur bleibt, kann der Gläubiger nicht mehr als die Insolvenz erreichen. Mit der Insolvenz würde Lehman aber die Objekte Dank der Vorkaufsrechte aus der Hand geben und am Ende (gute Nerven der Anleger und ihres Geschäftsführers Grau immer vorausgesetzt) nur auf die festgelegten Ankaufspreise zugreifen können, nicht auf die Objekte. Nach derzeitigem Stand der Information ist es eher unwahrscheinlich, dass sich der Ehrgeiz bei Lehman auf die damit erzielbare Marge beschränkt. Als alternative Erklärung böte sich lediglich ein Zugriff auf das persönliche Vermögen Thannhubers an, in dem sich allerdings interessante Grundstücke in München befinden sollen.
(Martin Klingsporn)







