Prospektnachträge
Seid nachtragend, alle miteinander!

Sie reagierten genervt, wie Katzen, denen auf den Schwanz getreten wird. Ich spreche von Reaktionen auf eine Umfrage, die wir bei großen wie kleineren Emissionshäusern, die aktuell geschlossene Fonds platzieren, durchführten.
Gründe für die meist übellaunigen Reaktionen waren Fragen, die wir stellten. Darin ging es um Nachträge von Prospekten. Diese sind zu erstellen, den Emissionsprospekten beizulegen und im Beratungsgespräch mit dem Anleger zu thematisieren, wenn sich Veränderungen seit Platzierungsstart vom Fonds ergeben haben. Ich gebe ja zu, es ist äußerst lästig, wenn in Zeiten, in denen die Platzierungszahlen um 90 % (einige mir bekannte Fälle) zurückgegangen sind, auch noch an die Pflicht erinnert wird, Emissionsprospekte zu korrigieren. Das bedeutet nämlich, meist äußerst schlechte Nachrichten dem Anleger und Berater auch noch schriftlich vor die Nase zu halten. Ein solcher Nachtrag ist gleichbedeutend mit der Aufforderung, bloß nicht zu zeichnen, so denkt dann sicher mancher Initiator heute. Das kann ich nachvollziehen. Nützt aber nichts.
Das Problem ist die unscheinbare Vorschrift in einem Gesetz, von welchem die meisten Berater und wohl alle Anleger noch gar nichts gehört haben: das Verkaufsprospektgesetz. Dort gibt es einen Paragrafen 11, der solche Nachträge erzwingt (s. Kasten). Wenn wir uns heute mit dieser Vorschrift und dem bunten Leben draußen, das der Paragraf 11 verursacht hat, beschäftigen, dann deshalb, weil so viele Emissionshäuser die Nachtragspflicht irgendwie verdrängen, mindestens, so scheint es, sie nicht richtig ernst nehmen. Das kann aber zum Problem werden: Anlegerschutzanwälte, Wettbewerber und Anleger, die in ein paar Jahren unterschiedlich schnell merken werden, dass Emittenten es mit der Wahrheit im Zeichnungs- und Informationsmaterial nicht so genau genommen haben und diese laxe Interpretation des Paragrafen 11 nicht schlucken werden.
Auszug Verkaufsprospektgesetz |
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§ 11Veröffentlichung ergänzender Angaben Sind seit der Gestattung der Veröffentlichung des Verkaufsprospekts Veränderungen eingetreten, die für die Beurteilung des Emittenten oder der Vermögensanlagen im Sinne des § 8f Abs. 1 von wesentlicher Bedeutung sind, so hat der Anbieter die Veränderungen während der Dauer des öffentlichen Angebots unverzüglich in einem Nachtrag zum Verkaufsprospekt gemäß § 9 Abs. 2 Satz 1 und 2 zu veröffentlichen. |
Wie haben wir das Thema angepackt? Zunächst habe ich mich mit vielen deutschen aktuellen Fonds beschäftigt, um festzustellen, ob und wie viele und vor allem wann Nachträge zu Prospekten verfasst wurden. Der Auslöser war das Krisenszenario, das in unterschiedlicher Härte im letzten Jahr wichtige Anlagebereiche erwischte: Schiffe aller Arten, Flugzeuge, USA-Immobilien, Venture Capital und andere Branchen. Schnell war festzustellen, dass fast alle Fonds, die im Frühjahr und Sommer 2008 erschienen, von der Krise nicht wirklich Kenntnis nehmen. Da werden geradezu euphorisch Wachstumskurven aller Märkte ohne Bedenken fortgeschrieben. Irgendwie haben alle diese Prospekte nicht registriert, dass die Finanzkrise in ersten Ausläufern Ende 2007, spätestens Mitte 2008 da war. Ich erinnere: September 2007. Das Spektakel Northern Rock, England; März 2008: Die Investmentbank BearStearns schreibt 200 Mrd. Dollar ab. Zum gleichen Zeitpunkt hielt ich schon Vorträge über die Ausmaße der Subprime-Krise! Die Branche geschlossener Fonds aber bläst unverdrossen und unbeeinflusst zum Platzierungs Roundup 2009. Das ist kaum verständlich.
Ich zitiere mal aus ein paar Prospekten:
Im September 2008 ist in einem Container-Prospekt zu lesen: „Führende Logistik- Unternehmen prognostizieren für die Zukunft hohe Wachstumsraten ... Der Containermarkt wächst mit hoher Dynamik ..."
In einem Schiffsprospekt, der im November 2008 auf den Markt kam, lesen wir: „Der Welthandel wird weiter wachsen, z. B. gibt es ein weltweites Wirtschaftswachstum von 3,7 und 3,8 % in 2008 und 2009 ..."
Im Mai 2008 behauptet ein Schiffsprospekt „Die weltweiten Warenströme wachsen kontinuierlich. Eine Verdoppelung des Containermarktes erfolgt bis 2015."







