Eigentümergeführte Unternehmen
Solidität in Krisenzeiten
© Foto: Anhees - Fotolia.comDas Thema Familienunternehmen erlebte in den vergangenen Jahren einen messbaren Aufschwung. Insbesondere in Zeiten größerer Wirtschafts- und Finanzkrisen war und ist eine erhöhte Aufmerksamkeit für die spezifischen Leistungen und Werthaltungen der Familienunternehmen zu beobachten. Über ein Entrepreneur-Konzept lässt sich eine entsprechende Mehrrendite generieren.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen ist gemeinhin unbestritten. Eigentümergeführte Konzerne machen laut einer Studie der Stiftung „Familienunternehmen in Deutschland“ einen Großteil aller Unternehmen aus (über 90 %), verzeichnen rund 49 % aller Umsätze und beschäftigen über 60 % aller Mitarbeiter. Der oftmals nicht korrekt dargestellte Vorteil liegt in ihrem Geschäftsmodell begründet: Viele Familienunternehmen sind in vermeintlich kleinen Marktnischen unterwegs, verzeichnen dort aber große Erfolge und sind zum Teil sogar globale Marktführer. Ein hohes Forschungsengagement dieser „Hidden Champions“ sorgt zudem für beste Zukunftsperspektiven. Grob umrissen lässt sich sagen, dass das Unternehmertum Passion, Leidenschaft und Handwerk verkörpert. Unternehmer (Entrepreneure) sind Innovatoren und tragen zu einem wesentlichen Teil der Wirtschaftsleistung bei. Macher neuer Ideen stecken viel Herzblut in ihr Geschäft – Liquiditätssorgen und Größenwahn sind leider die Kehrseiten der Medaille.
Verantwortungsbewusstsein gepaart mit Nachhaltigkeit. Für Birgitte Olsen, Fondsmanagerin des BB Entrepreneur Europe bei Bellevue Asset Management AG, verkörpern eigentümergeführte Unternehmen eine besondere Unternehmensklasse, die sich durch spezifische Eigenschaften von managergeführten Firmen abhebt. „Sie richten ihre Unternehmensentscheide meist an längerfristigen Zielen aus, nach dem Motto ‚Denken in Generationen, nicht in Quartalen‘. Damit verfügen sie über eine starke Unternehmenskultur, die in großem Maße vom Eigentümer geprägt ist“, konstatiert die Fondsmanagerin. „Darüber hinaus konzentrieren sich die Entrepreneure auf die jeweiligen Kernkompetenzen und bilden effiziente Führungsstrukturen“, ergänzt in diesem Zusammenhang Friedrich Diel, Fondsmanager des FT UnternehmerWerte bei FRANKFURT-TRUST. Natürlich dürfen Großkonzerne nicht fehlen. Wichtig sind das Zusammenspiel, die Ausgewogenheit und die Mischung. Rainer Lemm, Geschäftsführer GS&P Kapitalanlagegesellschaft S.A., sieht einen entscheidenden Vorteil der eigentümergeführten Unternehmen im Fehlen des klassischen Prinzipal-Agent-Problems. Dies legt zugrunde, dass „eingekaufte“ Manager andere Ziele verfolgen als Gründer. „Es herrscht die gleiche Denkart vor“, bemerkt Lemm.
Um überhaupt am Markt nachhaltig erfolgreich zu sein, benötigt das Unternehmertum eine Reihe wichtiger Voraussetzungen. Aus Überlegungen, Strategien und potenziellen künftigen Trends entstehen schließlich Businesspläne und neue Produkte. Stetiger Begleiter ist das Risiko. Wer dieses nicht eingehen möchte oder will, der hat mit Entrepreneurship eindeutig nichts zu tun. Eine weitere hinreichende Voraussetzung ist eine solide Unternehmensfinanzierung. Die meisten Studien kämen zum Schluss, dass Familien unternehmen meist deutlich solider eigenfinanziert seien als Nicht-Familienunternehmen, führt Birgitte Olsen aus.
Pluspunkt: überdurchschnittliche Renditen. Stimmt das Geschäftsmodell, stellt sich die Frage, ob eigentümergeführte Unternehmen eine höhere Rendite generieren. Fazit der empirischen Studien und Fonds: „Ja, prinzipiell ist die Performance der inhaberkontrollierten AGs sehr gut.“ Auf Familienunternehmen ausgerichtete Aktienindizes wie der DAXplus Family oder der CS Family Index haben in den vergangenen Jahren eine Outperformance gegenüber den Standardindizes wie dem DAX aufzuweisen, stellt Diel fest. Das liegt zum Teil aber auch daran, dass die meisten Familienunternehmen tendenziell eher in Small- und Mid Caps investieren. „Der HAFixD (Hauck & Aufhäuser Familienindex Deutschland) lieferte im Betrachtungszeitraum Juni 1992 bis Juni 2007 eine Performance von 25,1 % p. a. – der DAX als Benchmark lediglich 10,6 %“, bemerkt Volker Riehm, Fondsmanager bei Hauck & Aufhäuser Asset Management. Der BB Entrepreneur Europe hat seit dem Lancierungsdatum Ende April 2009 bis zum Stichtag August 2011 eine Wertsteigerung von satten 50,6 % zu verzeichnen und lässt den STOXX Europe 600 weiter hinter sich.
Diese Outperformance gegenüber Leitindizes erreichen die Fondsmanager in der Regel über einen Bottom-Up-Ansatz – d. h., die fundamentale Bewertung der einzelnen Aktien steht im Vordergrund. Im Anlagestil unterscheiden sich die entsprechenden Fondsangebote. „Wir finden unterbewertete Unternehmen sowohl im Value wie auch im Growth Segment, wobei letzteres zurzeit etwas dominiert“, erläutert Frau Olsen. Einen rein quantitativen value-orientierten Ansatz verfolgen die Initiatoren des Kapitalfonds L.K. Family Business, dessen Fondsmanager Lemm das Ziel im Auge hat, eine Outperformance von 300 Basispunkten p. a. gegenüber Benchmark (STOXX Europe 600 Net Return) über einen rollierenden 3-Jahres-Zeitraum zu generieren. „Im Ergebnis entsteht ein Portfolio aus etwa 60 Werten, wobei wir zusätzlich darauf achten, nicht mehr als 25 % eines Portfolios in einem Land oder einer Branche zu investieren“, resümiert Diel.
Auffällig ist, dass neben Deutschland insbesondere unser Nachbarland Schweiz in der Ländergewichtung einen Spitzenplatz einnimmt. Dies hat zwangsläufig etwas mit den Bedingungen vor Ort zu tun, die es dem Unternehmer ermöglichen, ein eigenes und ertragreiches Geschäft aufzubauen. Insofern sind die politischen Entscheidungsträger gefordert, die Rahmenbedingungen des Entrepreneurships zu stärken.
Nachfolgeregelung als mögliches Risiko. Das Institut für Mittelstandsforschung hat in einer aktuellen Studie festgestellt, dass bis zum Jahre 2014 jährlich für rund 22.000 familiengeführte Betriebe eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gefunden werden muss. „Nachfolgeregelung ist in der Tat sehr wichtig und kniffliger als bei managergeführten AGs“, bemerkt Riehm. Etwas gelassener sieht es Birgitte Olsen und verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass das Nachfolgerisiko auch bei manchen DAX 30 Unternehmen schwierig zu regeln ist.
Fazit. Der gute und erfolgreiche Unternehmer gleicht per se einem Künstler. Er hat keine Angst vor Kreativität, kennt keine gedanklichen Fesseln und verfügt über ein Gespür für Trends. Unternehmertum als solches schafft Arbeitsplätze und baut neue Märkte auf. Entrepreneurship hat für viele Sexappeal, wobei oft vergessen wird, dass nicht jeder dafür geschaffen ist und der Weg verdammt lang ist oder zumindest lang sein kann. Es zeigt sich aber, dass eigentümergeführte Unternehmen (mindestens 20 % der Stimmrechte werden durch eine(n) Unternehmer/Unternehmerfamilie kontrolliert) einen Mehrwert in Krisenzeiten produzieren. Die Fondsmanager führen bis zu 200 Gespräche im Jahr mit Unternehmen, um sich ein Bild von den Managementqualitäten der Entscheidungsträger zu machen.
(Alexander Heftrich)
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