BVI-Jahresbilanz 2008
Sparbuch wäre besser gewesen

Wertverluste um 40 % in den einzelnen Gruppen der Aktienfonds.
Der Branchenverband der Investmentgesellschaften (BVI) hat die Ergebnisse des letzten Jahres vorgelegt und die sind schlecht. Einfach ein Desaster. Abgesehen von den Euro-Rentenfonds (Wertzuwachs immerhin 3,7 %) haben alle anderen Wertpapierfonds gefloppt. Wie der Vergleich mit den Zahlen über 10 Jahre zeigt, liegen die Euro- Rentenfonds mit ihrem Ergebnis im längerfristigen Trend. Trotzdem dürften auch hier die extremen Marktentwicklungen tiefe Spuren hinterlassen haben: Der starke Rückgang der Benchmarkrenditen ergab für entsprechend schlicht auf Bundesanleihen aufgebaute Portfolios nämlich Renditen von etwa 6 %. Die schwächeren Zahlen dürften daher in erster Linie von den Fonds kommen, die von der gewaltigen Ausweitung der Risikoprämien betroffen waren: Schon in der Ratingklasse BBB hat der Anstieg der Risikoprämien den Fall der Benchmarkrenditen klar übertroffen, so dass es unterm Strich kaum Gewinne, etwa in den Segmenten Unternehmensanleihen oder Emerging Markets, geben konnte. Zudem sind hier auch ziemlich problematische Fondsgruppen eingeordnet: Die letzthin sogar mit der Aussetzung der Anteilsrücknahme glänzenden Fonds mit Genussscheinen oder Verbriefungspapieren (abs).
Selbst die allerdings sehr heterogene Gruppe der Mischfonds, die im letzten Jahr ihre theoretisch vorhandenen Qualitäten hätten ausspielen können, liefert einen satten Wertverlust von knapp 22 %. Deutlich schlimmer sieht es bei den Aktien aus, die in allen großen Gruppen Verluste von über 40 % verzeichnen. Das Ergebnis der Geldmarktfonds mit einem Plus von rund 1 % spiegelt die rasante Talfahrt der Leit- und Geldmarktzinsen wieder.
So seltsam es klingen mag, die in den einzelnen Gruppen der Aktienfonds zu verzeichnenden Wertverluste um 40 % sind immer noch ein ordentliches Ergebnis, es entspricht ziemlich genau dem Markttrend. Zumindest hat das Management hier keine zusätzlichen Verluste produziert, was durchaus das Normale ist. Möglicherweise macht sich hier schon ein stabilisierender Einfluss der ETFs bemerkbar, also jener Fondskonstruktion, die explizit auf ein aktives Management verzichtet und mehr oder weniger gelungenen Indizes folgt.
Regelrecht peinlich wird die BVI-Darstellung bei den Offenen Immobilienfonds: Wer immer auf die Idee kam, ausgerechnet den schwierigsten Problemfall der Branche zum „Stabilitätsanker" in der Krise auszurufen, hat der Branche Schaden zugefügt. Jeder halbwegs Kundige kann auf ein Anwendungsschreiben der BAFin (WA 42-Wp 2136-2009/0081) verweisen, um die massiven Zweifel an den Ergebniszahlen der Immobilienverwalter zu untermauern. Die amtliche Aufforderung, über Abwertungen nachzudenken, darf als unmissverständlicher Hinweis gewertet werden, dass die vom BVI genannten 4,7 % Wertzuwachs zu wesentlichen Teilen auf kreative Buchführung und heiße Luft zurückzuführen sind. Selbst wenn es in gutem Glauben an die Qualität der Zahlen geschah (die BAFIn meldete sich erst 2 Tage später zu Wort), ist es eine haarsträubende Dummheit, ausgerechnet solch fragwürdige und umstrittene Zahlen öffentlich in den Mittelpunkt zu stellen. Das ist ein sicherer Weg, das Image der Investmentbranche herunterzubringen.
Dieses Image dürfte noch weiter leiden, weil die teilweise enttäuschende Performance der Fonds für eine wachsende Zahl von betroffenen Anlegern und Sparern zu einem ernsten Problem werden wird. Immer da, wo die private, kapitalgedeckte Alterssicherung auf die Investmentfonds zurückgreift, mehren sich die Probleme.
Wenn die Aktienfonds als typische Vehikel der frühen Ansparjahre der Altersversorgung selbst über längere Zeiträume wie den in der Tabelle aufgeführten Horizont über 10 Jahre negative Ergebnisse einfahren, wird ihre Eignung zur Konstruktion von AS-Modellen fraglich: Wer bitte soll dann noch das minimale Erfordernis für ein AS-Produkt (die Auszahlung der eingezahlten Sparbeiträge) dauerhaft sicherstellen können, wenn die Anlage der laufenden Einzahlungen langfristig nur Verluste erbringt? Auf die Dauer gilt doch auch hier wie bei den offenen Immobilienfonds: Geld, das nicht erwirtschaftet wurde, kann auch nicht ausgezahlt werden.
Noch schärfer stellt sich mittlerweile die Frage, wie in diesem Zusammenhang mit der Aussetzung der Anteilsrücknahme und ihren Konsequenzen im Rahmen von AS-Produkten umzugehen ist. Das klar negative Ergebnis im Hinblick auf die Auszahlungspläne stellt die Tauglichkeit der Investmentfonds grundsätzlich infrage. Daneben ist die Frage noch völlig ungeklärt, wie mit den Einzahlungen aus laufenden Sparplänen oder Fondspolicen umgegangen werden soll, wenn zumindest bei den Wertpapierfonds bei einer Schließung auch die Ausgabe neuer Anteile explizit verboten ist. Die Fonds dürfen dann kein frisches Geld annehmen.
Ein vielleicht auch für die offenen Immobilienfonds akzeptablerer Weg, mit diesen Schwierigkeiten fertig zu werden, ist bei den Wertpapierfonds vorgezeichnet worden. Bei Frankfurt Trust hat sich bei dem betroffenen ABS-Rentenfonds FT ABS plus Fonds (LU0121186786) nach Aussagen der Investmentgesellschaft die Einführung einer Art Kündigungsfrist von 30 Tagen bewährt: Seit der Wiederaufnahme der Anteilsrücknahme vor einigen Wochen müssen die Anleger einen Monat warten, bevor sie ihr Geld auf dem Konto sehen. Mit dieser Frist wird dem Fondsmanagement ein ausreichender zeitlicher Puffer zur Verfügung gestellt, der die Beschaffung der nötigen Liquidität entscheidend erleichtert.
(Martin Klingsporn)







