Die neuen Leiden des Gesundheitssystems
Sparen – aber wie und wo?
Viele gesetzlich Versicherte merken seit Jahresbeginn die Belastung der zweiten Stufe der Gesundheitsreform. Neue Festbeträge, Fallpauschalen und ausgegliederte Leistungen treiben die Kosten für die Gesundheit auf ein neues Rekordniveau. Sparen ist angesagt.
FINANZWELT verrät, was sich ab 01. Juli 2005 ändert und...
Die versprochene Beitragskosmetik der Ulla S.
Gebühren und höhere Zuzahlungen sollen dafür sorgen, dass die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) entlastet und somit die Beiträge reduziert werden. Leider bislang ohne Erfolg, so dass der von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt für das Jahr 2006 angekündigte durchschnittliche Beitragssatz von 13 Prozent in weite Ferne gerückt ist. Derzeit zahlen Versicherte „brav” die neu eingeführten oder erhöhten Praxis-, Rezeptgebühren, Zuzahlungen etc. und bekommen zumeist keine Beitragsreduzierung.
Die Spitzenverbände der Krankenkassen erwarten zwar für das Jahr 2005 Überschüsse von zwei Milliarden Euro – diese werden aufgrund der belastenden Ausgabedynamik von rund 2,5 Milliarden Euro jedoch überkompensiert. Demnach ist bei den Beiträgen „keine Besserung in Sicht”.
Klein, aber mein!
Die gravierenden Einschnitte hören für die Versicherten damit jedoch noch nicht auf. Ab Juli 2005 müssen gesetzlich Versicherte fürs Krankengeld zudem einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,5 Prozent zahlen, nicht jedoch die Arbeitgeber. Des Weiteren wird zur Finanzierung des Zahnersatzes ein zusätzlicher Beitrag von 0,4 Prozent des Bruttoarbeitsentgeltes erhoben, den der Versicherte ebenfalls alleine tragen muss. Dieser Sonderbeitrag ist nicht gleichbedeutend mit Mehrleistung: Seit dem 01.01.2005 zahlen gesetzliche Krankenkassen bei Zahnersatz eh nur noch befundbezogene Festzuschüsse.
Die prozentuale Kostenbeteiligung gibt es nicht mehr. Summa summarum entspricht dies einem Sonderbeitrag von 0,9 Prozent, den der gesetzlich Versicherte alleine tragen muss – und dies Monat für Monat von seinem Bruttogehalt! Bei einem Bruttogehalt von 3.000 Euro bedeutet das im Jahr einen Mehrbeitrag von 162 Euro.
Viele Versicherte sind die ständigen Leistungskürzungen und Sonderzahlungen leid und überlegen, wie sie sparen können. Bringt ein Kassenwechsel innerhalb der gesetzlichen Krankenkassen – sofern man nicht die Möglichkeit hat, in die private Krankenversicherung zu wechseln – mehr, als Einsparung durch diverse Bonus- und Fitnessprogramme, die gesetzliche Kassen derzeit anbieten?
Fazit
Versicherte legen einen großen Wert auf ein ausgewogenes Preis-Leistungs- Verhältnis. Derzeit werden jedoch immer mehr Leistungen aus dem Katalog der Gesetzlichen gestrichen. Gut für die Privaten – denn dadurch kann den kundenspezifischen und individuellen Bedürfnissen der Versicherten u.a. durch Zusatzpolicen Rechnung getragen werden.
Ergebnisse einer Fallstudie: Wechselbereitschaft und die Wechselursachen von Versicherten
Im Rahmen einer empirischen Studie an der Fachhochschule Mainz – University of Applied Sciences – hat der hauptverantwortliche Projektleiter Marcus Driessler mit Unterstützung der Strategie- und Managementberatung 2hm & Associates GmbH das Verhalten der Versicherten untersucht. Bei der Befragung von Experten – Vertreter gesetzlicher und privater Krankenkassen – sowie von Versicherten selbst wurde deutlich, dass viele Gemeinsamkeiten zwischen den Aussagen der Krankenkassen und Versicherten zur Wechselbereitschaft festzustellen sind. Die Vertreter der Krankenkassen gingen dabei von einer sich in Zukunft beruhigenden Wechselbereitschaft der Versicherten aus. Vor allem in der GKV wurde die weitgehende Identität der angebotenen Leistungen als Grund für eine geringe Wechselbereitschaft aufgeführt. Als Ursache für die geringe Wechselrate innerhalb der privaten Krankenversicherung (PKV) nannten die Krankenkassen gesetzliche Bestimmungen, welche die Versicherten von einem Wechsel abhalten. Weiterhin trägt nach Ansicht der Krankenkassen die mit den gesetzlichen Reformen im Krankenversicherungswesen verbundene Unsicherheit der Versicherten zu einer geringen Wechselbereitschaft bei. Diese Aussagen wurden durch die Befragung der Versicherten bestätigt. 75,1 % der Befragten äußerten keine konkrete Wechselabsicht. Zudem fehlte der Hälfte der Befragten das Interesse an einem Krankenkassenwechsel.
Junge Versicherte an Wechsel interessiertert
Ein größeres Interesse an einem Krankenkassenwechsel räumten die Krankenkassen der Gruppe der Selbstständigen und Besserverdienenden ein. Diese Ansicht wurde durch die Umfrage nicht bestätigt. Die befragten Selbstständigen und Besserverdienenden äußerten keine erhöhte Wechselbereitschaft. Dagegen war bei jungen Versicherten im Alter von 18 bis 32 Jahren ein höheres Interesse an einem Krankenkassenwechsel auszumachen. Als einen weiteren Grund für die geringe Wechselbereitschaft führten die Krankenkassen die Zufriedenheit der Versicherten mit den angebotenen Leistungen auf. Die Befragung zur Zufriedenheit der Versicherten ergab eine Übereinstimmung mit dieser Ansicht. 87,7 % der privat Versicherten und 79,8 % der gesetzlich Versicherten äußerten ihre Zufriedenheit mit den Leistungen der Krankenkassen.
Knackpunkt Service!
Als hauptsächliche Ursachen für einen Wechsel der Krankenkasse nannten die Vertreter der GKV und PKV finanzielle Gründe sowie die Unzufriedenheit der Versicherten mit Serviceleistungen. Diese Ansicht konnte durch die Befragung nur teilweise bestätigt werden. So wurden als Ursache für bereits getätigte Wechsel finanzielle Gründe mit 39,2 % am häufigsten genannt. Im Gegensatz zur Meinung der Vertreter der GKV und PKV, macht ein geringer Beitragssatz aber nicht den entscheidenden Grund für die Wahl der Krankenkasse aus. So war ein großer Teil der Versicherten bereit, für einen besseren Service und ein breites Leistungsangebot finanzielle Mehrleistungen zu tragen. Zu den Wechselursachen innerhalb der PKV zählt laut Meinung der Krankenkassen eine Verbindung aus Kosten- und Leistungsgründen. Diese Meinung deckt sich mit den Aussagen der befragten Versicherten der PKV. Berufliche Ursachen wurden von den Befragten beider Versicherungssysteme häufig als Wechselgrund genannt. In den Expertengesprächen mit den Vertretern der GKV und PKV wurde diese Ursache allerdings nicht in Betracht gezogen.







