Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

Games laufen Hollywood den Rang ab

Spielefonds

Fonds, die in Computer- und Videospiele – kurz Games genannt – investieren, sind an den Fingern einer Hand abzuzählen. Dabei handelt es sich bei Games um einen Riesenmarkt.


Spielefonds standen in den Zeiten der Verlustzuweisungen im Schatten der Filmfonds. Doch auch nachdem diese durch die Einführung des § 15b Einkommensteuergesetz praktisch von der Bildfläche verschwunden sind, bilden die Spielefonds einen Nischenmarkt. „Das ist unverständlich“, meint Graf von Rittberg, Geschäftsführer bei der BVT, dem Marktführer von Spielefonds. „Denn Computer und Videospiele stellen die Filmindustrie längst in den Schatten.“ In der Tat: Mit einem weltweiten Umsatz von 40 Mrd. Dollar in 2007 wurden mit Spielen doppelt so hohe Einnahmen erzielt wie an den Kinokassen. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2000 kamen Games auf einen weltweiten Umsatz von nur 18 Mrd. Dollar.

Computer- und Videospiele sind ein wahrer Wachstumsmarkt. Bei durchschnittlichen Zuwächsen von 10,3 % jährlich ist 2012 sogar ein Marktvolumen von 68,3 Mrd. Dollar zu erwarten. Damit wird nicht nur die Filmwelt deutlich übertroffen. Das Marktvolumen entspricht nach Einschätzung von BVT dem Wert von 250 Flugzeugen des Typs A 380-800 oder 485 Containerschiffen von jeweils 8.000 TEU. Die Gamesfonds entwickeln und vertreiben mit dem eingeworbenen Eigenkapital der Anleger Computer- und Videospiele, verwerten diese und beteiligen die Anleger an den Erlösen.utzende von Initiatoren bieten geschlossene Fonds in den Segmenten Flugzeug und Schiffe an. Dagegen sind es bei den Spielefonds gerade einmal vier Emissionshäuser. „Vielleicht liegt die vergleichsweise geringe Resonanz bei den Emissionshäusern am Negativ-Image, das Computerspielen früher an haftete“, meint Rudolf G. Wiesmeier, Vorstand der Playland Games Fonds. Allerdings gäbe es heute Trendforscher, die in den Usern die Elite von morgen sehen.

Als Marktführer gilt die Münchner BVT, die im Jahr 2003 mit der Privatplatzierung Private BVT Production Fund die erste Spieleproduktion realisierte, der 2004 mit dem BVT Games Production Fund I Dynamic der erste Publikumsfonds folgte. Seit dem Frühjahr ist BVT mit ihrem 4. Publikumsfonds dieser Serie, dem BVT Games Fund IV Dynamic, auf dem Markt. In den nächsten Wochen wird United Investors seinen zweiten Fonds, den dtp Game Portfolio 2007, schließen. „Hier bietet sich den Anlegern die Chance, sich an einem Fonds zu beteiligen, der bereits nach Abrechnung der Erlöse für das erste Quartal 2008 den im Prospekt prognostizierten Ertrag für das gesamte Kalenderjahr in der Kasse hat“, freut sich Hauke Bruhn, der Chef des Initiators United Investors. Es handelt sich um den zweiten Spielefonds des 2005 gegründeten Emissionshauses. Einen weiteren Publikumsfonds, den AAA Capital Game Fonds Nr. 1, hat Bruhn zusammen mit seinem jetzigen Partner Thomas Schwer 2004 unter dem Dach der Atlantic vertrieben. Im Jahr 2005 erschien Playland neu auf dem Markt, derzeit bietet das Unternehmen seinen zweiten Spielefonds an. In diesem Jahr debütiert das Emissionshaus Midnight mit einem Gamesfonds. Playland und Midnight sind aber wegen des noch fehlenden Track Records von der Vetriebsplattform BIT AG mit einem Warnhinweis versehen worden.

Noch vor den ersten Spielefonds war der United-Investors Partner dtp entertainment AG auf dem Markt. Das Hamburger Unternehmen existiert bereits seit mehr als 10 Jahren. Die dtp-Gruppe ist ein Software-Verlag, der sowohl Games als auch Non-Games vermarktet. „Im Bereich der ‚klassischen Adventures‘ sowie im Bereich der Kinder-Spiele hat sich die dtp entertainment AG mit Abstand die Marktführerschaft im deutschsprachigen Raum gesichert“, meint Bruhn.

Dagegen investiert der BVT Games Fund IV Dynamic bevorzugt in Spiele, die international verwertet werden können. Für die Auswahl der Projekte ist als Executive Producer die Attaction GmbH zuständig, eine Gesellschaft, die 2008 in Zug gegründet wurde. Der Geschäftsführer Siggi Kögl ist aber Partner bei allen Spielefonds, die BVT seit 2003 aufgelegt hat. „Mit den von uns ausgewählten Projekten Roller-Coaster Tycoon 3 und Neverwinter Nights 2 erreichten bereits zwei Spiele der BVT Games Funds Serie Platz 1 der US-Charts“, unterstreicht BVT-Geschäftsführer Graf von Rittberg.

Für Gamesfonds sprechen die kurzen Vermarktungsphasen, die bereits nach ein bis zwei Jahren erste Ausschüttungen ermöglichen. Anders als die Filmfonds, die lediglich mit steuerlichen Verlusten Spitzenwerte erreichten, können die Spielefonds auch gute wirtschaftliche Ergebnisse vorweisen. Der Private BVT Production Fund, die Privatplatzierung aus dem Jahr 2003, konnte mit einer IRR-Rendite (IRR= interne Zinsfußmethode) von 16,5 % liquidiert werden. Der erste Publikumsfonds hat bereits 95 % des eingezahlten Kommanditkapitals ausgeschüttet. Die kurzen Laufzeiten (s. Tabelle) kommen vielen Anlegern entgegen, die sich nicht mehr so lang binden wollen wie in früheren Jahren.

Es gibt aber auch Risiken. Zum Teil lassen sich diese durch Mindestumsatzgarantien, Fertigstellungsgarantien und durch Investition in Sequals (in der Vergangenheit bereits erfolgreiche Spiele) reduzieren. Auch die Streuung auf mehrere Spiele senkt die Risiken, dabei kommen der Assetklasse die im Vergleich zu Filmfonds niedrigen Herstellungskosten zugute.

Die Gamesfonds sind überwiegend gewerblich konzipiert, die Anleger erzielen gewerbliche Einkünfte, die nach dem persönlichen Steuersatz zu versteuern sind. Lediglich der Playland-Games-Fonds ist eine vermögensverwaltende Personengesellschaft und stellt den Anlegern steuerfreie Erträge in Aussicht. Das operative Geschäft (Entwicklung und Vermarktung von Spielen) betreibt eine 100-prozentige Fondstochter in Dubai, die Playland FZ-LLC. Die muss in Dubai keine Ertragssteuern zahlen, und in Deutschland fällt auch keine Steuer an, weil die Beteiligungsgesellschaft am Ende als Ganzes verkauft werden soll. Anleger dürfen aber nicht zu mehr als 1 % am Fonds beteiligt sein. Zudem ist Dubai für die Gamesindustrie das Tor zu den interessanten Absatzmärkten in Asien. Jährliche Ausschüttungen lassen sich bei Spielefonds nicht prognostizieren, die Anbieter beschränken sich auf eine Prognose des gesamten Mittelrückflusses.

(Dr. Leo Fischer)


Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: