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Rohstoffe

Stark metalllastig

© Foto: Jörg Vollmer - Fotolia.com

Die Rohstoffpreise haben seit ihrem letzten Tief Anfang 2009 um gut ein Drittel zugelegt. Hauptantreiber waren die Industriemetalle und Energierohstoffe. Entsprechend positionierte Fonds wie der VCH Expert Natural Resources haben davon voll profitiert. Allerdings rückt langsam die Frage in den Mittelpunkt, wie viel Raum die Preise noch nach oben haben und wie sich die Aktien der Rohstoffproduzenten im zukünftigen Umfeld bewegen werden.

Der Chart (Rohstoffe) zeigt es unmissverständlich: Die Metall- Komponente des CRB-Spot-Index hat den gewichtigsten Beitrag zum steilen Wiederaufstieg der Rohstoffe nach dem Einbruch Mitte 2008 geliefert. Ihre Preise haben sich in diesem Zeitraum in etwa verdoppelt. Der Chart zeigt freilich ebenso den Preis dafür: Auch die Abwärtsbewegungen der Metalle sind im Vergleich zum Gesamtindex überproportional groß, größere Gewinne mussten auch hier mit höheren Risiken bezahlt werden. Ein Vergleich mit der Lebensmittel-Komponente zeigt einen enormen Unterschied auf, die Schwankungsbreite der Metalle ist gut doppelt so groß.
Ute Speidel, die Managerin des Fonds VCH Natural Resources (LU0184391075), hat also soweit alles richtig gemacht, als sie ihren Fonds vorwiegend auf die beiden Sektoren Metalle und Energie konzentrierte. Die Top-Five ihres Portfolios mit etwas über 30 % des Gesamtvolumens lesen sich wie ein Who-is-Who der Minenbranche, angeführt von den Kohle- und Erzriesen BHP Billiton, Rio Tinto und Vale. Die von ihren Vorgängern mit etwa einem Drittel des Fondsvolumens berücksichtigten Titel aus dem Geschäft mit den so genannten soft commodities der Agrarbranche sind dagegen derzeit aus dem Depot verschwunden.

Hintergrund: Speidels Strategie ist darauf ausgerichtet, strukturelle Knappheiten zu identifizieren, die sich nicht kurzfristig beheben lassen. „Bei den Agrarprodukten haben wir aber schnelle Anpassungen, weil die Produzenten von Saison zu Saison auf veränderte Preisverhältnisse reagieren können. Dann werden eben beispielsweise Sojabohnen statt Mais oder Weizen angebaut. Die Produktionsflächen können durch Bewässerung und Dünger intensiver genutzt werden. Das ist etwa beim Erzabbau oder der Erdölförderung schwieriger, teurer und zeitaufwändiger“, begründet Speidel ihre Positionierung.

Die aktuelle Konsequenz ist aus dem zweiten Chart ersichtlich: Der VCH Natural Resources ist seit dem letzten Jahr ziemlich exakt genauso gelaufen wie ein reiner Bergbaufonds, wie der Vergleich mit dem Leitfossil dieser Gruppe, dem BGF World Mining (ISIN LU0408222593) zeigt. Dieser Fonds ging aus der nur nominell überlebenden US-Investmentbank Merrill Lynch hervor und wird jetzt bei BlackRock gemanagt. Und dennoch liegt zwischen den beiden Fonds ein klarer Unterschied: Der BlackRock Fonds ist per Statut auf diese Anlagestrategie festgelegt, während Ute Speidel hier frei eine strategische Entscheidung getroffen hat, die bei veränderter Lage entsprechend revidiert werden wird. Damit zeigt dieser Fonds die von der Redaktion der finanzwelt hoch geschätzte Bereitschaft, eher von den eigenen Analyseergebnissen und Überzeugungen zu klaren Positionierungen zu kommen, statt sich auf die Benchmarks der Durchschnitts- Allokation „des“ Marktes zurückzuziehen.

Nur mit solcher Risikobereitschaft kann man den Markt schlagen. Hier kommt natürlich auch Speidels langjährige Erfahrung zum Tragen, die sie als Fondsmanagerin bei Cominvest und Allianz Global Investors erworben hat. „Das erlaubt mir einen gewissen Abstand zu den kurzfristigen Aufgeregtheiten des Marktes“, wie sie betont. Sie gehört unbestritten zu den deutschen Top-Experten für die Rohstoffmärkte.

Die aktuelle Lage an den Rohstoffmärkten ist von großer Unsicherheit geprägt, es sind starke gegenläufige Tendenzen erkennbar: Die globale Konjunktur kommt Dank des Schubs aus China wieder ins Laufen, was für einen deutlich steigenden Metallverbrauch sorgt, dem ein zuletzt eher geringer Ausbau der Kapazitäten gegenübersteht. Das sollte die Preise stützen. Allerdings sind die Preise auf einem sehr hohen Niveau aufgrund der starken Nachfrage Portfolio-orientierter Investoren, die Rohstoffe zur Diversifikation ins Portfolio genommen haben und dabei direkt oder indirekt (durch ETFs) auf den Terminmarkt gegangen sind – mit der Konsequenz erheblicher Verwerfungen: Allein der Vorsprung der Termin- vor den Kassapreisen („Contango“) ist ein Indiz für den verzerrenden Einfluss der Portfolio-Investoren. Gleichzeitig ergibt sich aus dieser Konstellation ein laufender liquider Verlust für alle auf Derivaten beruhenden Strategien, durch den laufenden Tausch der teureren länger laufenden gegen die billigeren nahe an den Ausübungstermin gerückten Terminkontrakte.
Die meisten Investoren sichern sich dort in erster Linie gegen einen schwachen Dollar ab, was derzeit an Bedeutung verliert. Zudem sind mit dem Anziehen der globalen Konjunktur entsprechende Anlagestrategien aufgegangen, von daher ist es Zeit, bei den direkten oder auf Derivate gestützten reinen Rohstoffanlagen Kasse zu machen. Das drückt mittlerweile auf den Markt.

Allerdings zeigt der weiter auf Rekordniveau laufende Goldpreis, dass die Anleger alles andere als ungebrochen optimistisch sind: Das Metall gilt als die klassische Absicherung gegen alle Arten von Krisen und die sind an vielen Stellen weiter erkennbar: Die Europäer blamieren sich nach Kräften beim Management ihrer Schulden, wobei vor allem Kanzlerin Merkel eine schwache Figur abgibt und durch ihre Zweideutigkeiten ihren persönlichen Einfluss innerhalb der EU komplett verspielt hat. In den USA werden mittlerweile die Umrisse einer Schuldenkrise sichtbar, die weit über alles hinausgeht, was sich Europa bisher geleistet hat. Und in China taucht wieder die alte Überhitzungsdiskussion auf.

Unterm Strich ergibt sich daraus eine Konstellation, bei der eher auf hohem Niveau weiter seitwärts gehende Rohstoffpreise zu erwarten sind anstelle weiterer Sprünge. Von daher dürfte sich die Strategie Speidels, sich auf Aktien von Rohstoffproduzenten mit erkennbaren Gewinnpotenzialen zu konzentrieren, als der aussichtsreichste Weg erweisen, weiter gute Erträge aus dieser Asset-Klasse zu ziehen.

(Martin Klingsporn)


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