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Photovoltaik

Stille Reserven zum Schluss? Stille Reserven zum Schluss!

© Foto: Thaut Images - Fotolia.com

„Es könnte sein, dass unsere Photovoltaikanlagen am Ende der Fondslaufzeit in 12 Jahren noch einen erheblichen Wert darstellen, den wir an unsere Anleger zusätzlich zu den prospektierten Ausschüttungen verteilen können.“ Dieser Satz von Peter Heidecker, Chef des Münchener Emissionshauses Chorus GmbH, brachte Unruhe in ein Dinner, welches Jürgen Braatz, Ratingwissen, zum Thema Photovoltaik in Hamburg veranstaltete.

Sieben führende Mitarbeiter von Emittenten solcher Angebote waren anwesend und gaben ihre Einschätzung zu dem Heidecker-Statement ab. Im Ergebnis aber blieben die am Dinner beteiligten Fachjournalisten ratlos. Sind nun Photovoltaikanlagen wertvoll oder Ramsch? finanzwelt hat Experten befragt.

Wir wollten wissen, wie lange die Photovoltaikanlagen, die heute
ans Netz gehen, einsatzfähig sind.

Die übliche Lebensdauer einer Photovoltaikanlage liegt laut Bundesverband Solarwirtschaft e. V. (BSW Solar) bei 25 bis 30 Jahren. Eine Zeitspanne, die auch die Hersteller Phoenix Solar AG und IBC Solar AG bestätigen. „Zu beachten ist allerdings, dass die Wechselrichter, welche für die Umwandlung des durch die Solarmodule erzeugten Gleichstroms in Wechselstrom verantwortlich sind, in der Regel nach 10 bis 12 Jahren ausgetauscht werden müssen“, ergänzt die Meteocontrol GmbH.

Photovoltaikanlagen sind laut IBC Solar nicht nur für die Dauer der gesetzlich garantierten Einspeisevergütung wirtschaftlich nutzbar, sondern bis zum Ende ihrer Betriebszeit. „Nach 20 Jahren wird der Strom voraussichtlich zu aktuellen Preisen von den Energieversorgern abgenommen. In Abhängigkeit zu dem dann zu erzielenden Strompreis kann es wirtschaftlich sinnvoll sein, die Anlage auch deutlich über die zunächst angesetzten 20 Jahre zu betreiben oder ggf. für den Eigenverbrauch nachzurüsten“, bestätigt Meteocontrol.

Doch wie werden sich die jährlichen Unterhaltskosten für solche
Anlagen in dieser Zeit entwickeln?

Hier könnte aufgrund zunehmenden Verschleißes ein erheblicher Kostenfaktor lauern. Laut Meteocontrol hängen die Unterhaltskosten von Art und Größe der Anlage ab. „Bei kleinen Hausdachanlagen sind die Unterhaltskosten gering. Bei großen Flachdach- oder Freiflächenanlagen im Megawattbereich müssen höhere Unterhaltskosten einkalkuliert werden, z. B. für Landschaftspflege, Modulreinigung, Sicherheitsdienstleistungen“, so das Unternehmen. IBC Solar geht davon aus, dass 1 bis 1,5 % als Betriebskosten über 20 Jahre in die Kalkulation einzuplanen sind. Laut BSW Solar gibt es dagegen typischerweise kaum Unterhaltskosten. Die Anlagen würden weitgehend wartungsfrei arbeiten. Insbesondere der technische Wirkungsgrad der Anlagen habe sich in den letzten Jahren immer mehr verbessert.

Meteocontrol beziffert die Steigerung des jährlichen Wirkungsgrades: „Durch die technischen Weiterentwicklungen bei Modulen und Wechselrichtern ist der Wirkungsgrad von neu errichteten Photovoltaikanlagen pro Jahr um bis zu 1 % gestiegen.“ „An der Wirkungsgradsteigerung von Modulen wird weiterhin geforscht und wir werden neben neuen technologischen Herstellungsverfahren auch neue Modultypen sehen“, sieht Phoenix Solar Potenzial weitere Verbesserungen. IBC Solar geht davon aus, dass es Weiterentwicklungen nicht nur im Bereich der Module geben wird, sondern auch im Bereich der Montagesysteme.

Eine entscheidende Frage für Investoren ist, wie sich die Werte
solcher Anlagen nach 10, 15 oder 20 Jahren entwickeln werden.

Meteocontrol nennt Zahlen: „Bereits errichtete Photovoltaikanlagen weisen eine langsame Degradation auf, d. h. die Leistungsfähigkeit der gesamten Anlage geht während der Betriebszeit zurück. Innerhalb von 10 Jahren reduziert sich die Leistungsfähigkeit von Photovoltaikanlagen abhängig von der verwendeten Modultechnologie um 3 % bei kristallinen Modulen bzw. um bis zu 7 % bei Dünnschichttechnologien.“ Nach 20 Jahren sollte laut Meteocontrol mit einer Degradation von 5 % bei kristallinen Modulen bzw. bis zu 14 % bei Dünnschichtmodulen gerechnet werden. Laut BSW Solar hängt die wirtschaftliche Amortisationszeit von der Einzelfallbetrachtung ab. „Einflussnehmende Faktoren sind der Standort, die Kosten der Anlage, die Ausrichtung, mögliche Verschattungen und natürlich die Qualität und der Wirkungsgrad der eingesetzten Module. In der Regel haben sich solche Anlagen nach 15 bis 20 Jahren wirtschaftlich amortisiert.“

Einen Markt für gebrauchte Anlagen gibt es den Herstellern
zufolge bisher nicht.

 „Natürlich wechseln Photovoltaikanlagen auch heute schon den Besitzer, z. B. im Todesfall des Eigentümers. Ein wirklicher Markt dafür ist aber aktuell nicht erkennbar“, so IBC Solar. Laut Phoenix Solar ist aber damit zu rechnen, dass es zu einem Markt für gebrauchte Anlagen oder Komponenten kommen wird, nachdem bei den ersten Anlagen die Projektdauer von 20 Jahren abgelaufen ist. Sind installierte Anlagen denn überhaupt mit wirtschaftlich vertretbaren Kosten abbaubar und woanders aufbaubar? „Solange es keinen Mangel an Komponenten für Solaranlagen gibt, ist es nicht wirtschaftlich, insbesondere Großanlagen zu demontieren und an anderer Stelle wieder zu montieren“, ist Meteocontrol skeptisch. Die Kosten für Ab- und Neuaufbau seien nicht unerheblich.

finanzwelt wollte von den Experten außerdem wissen, wie sich die
Preise für neue Anlagen entwickeln werden.

Meteocontrol rechnet damit, dass „durch die Professionalisierung der Branche, die technologischen Weiterentwicklungen sowie die Vergrößerung von Produktionskapazitäten die Preise für Komponenten und Anlagen zurückgehen werden“. „Der technische Fortschritt kommt nie zum Erliegen“, stellt BSW Solar fest. Gerade bei der noch jungen Solarstromtechnologie gebe es noch viele Kostensenkungspotenziale und Möglichkeiten zur Steigerung des Wirkungsgrades. „Die Tendenz muss dahin gehen, dass Solarstrom im Vergleich zur fossilen oder atomaren Stromerzeugung wettbewerbsfähig wird. Daher gehen wir davon aus, dass die Anlagen-Preise künftig weiter fallen werden“, sagt auch IBC Solar.

Doch wie groß ist das Risiko, dass die Solaranlage aus
technischen Gründen die geplante Lebensdauer nicht erreicht?

„Eine Investition in Photovoltaik ist eine sehr sichere Angelegenheit, das Risiko, dass Anlagen die Lebensdauer nicht erreichen, ist äußerst gering. Solarmodule arbeiten nahezu verschleiß- und wartungsfrei. Die Reklamationsquote liegt im Promillebereich“, so IBC Solar. „Das Risiko ist aus technischen Gründen relativ gering, da alle Komponenten einer Photovoltaikanlage leicht ausgetauscht werden können und die Technologie ausgereift ist“, ergänzt Meteocontrol. Sind Leistungseinbußen aus Produktionsfehlern vorhanden, werden diese laut Meteocontrol in der Regel innerhalb der ersten fünf Jahre identifiziert und über Garantien abgedeckt.

Allerdings gibt es bisher kaum Erfahrungswerte für den Verkauf
oder Rückbau von Solarkraftwerken. Wie groß ist das Risiko,
dass die in den Prognosen angegebenen Veräußerungserlöse 
nicht erzielt werden können?

Die Hersteller halten sich bedeckt. „Aktuell besteht kein Markt für gebrauchte Photovoltaikanlagen, eine Diskussion über mögliche Veräußerungserlöse beobachten wir im Moment nicht. Es wäre jedoch denkbar, dass künftige Eigentümer von älteren Solaranlagen diese verkaufen, um kurzfristig über Kapital zu verfügen“, sagt IBC Solar. „In Ertragsgutachten und Finanzierungskonzepten für Photovoltaikanlagen wird von einer 20-jährigen Laufzeit ausgegangen, während dieser die staatlich garantierte Einspeisevergütung für die Stromerträge gezahlt wird. Veräußerungserlöse werden in Ertragsprognosen nicht einkalkuliert, so dass ein Risiko extrem gering ist“, sagt auch Meteocontrol.

Aus der Sicht von Phoenix Solar gibt es nach Ablauf der Projektdauer drei wesentliche Konzepte:

  1. Das Projekt selbst weiter betreiben und den Strom zu Marktpreisen verkaufen, entweder an den Netzbetreiber oder an einen direkten Abnehmer
  2. Das gesamte Projekt an einen anderen Investor zum Restwert veräußern
  3. Das Projekt abbauen und die Komponenten recyceln bzw. verkaufen

Fazit: Die Experten rechnen damit, dass durch technische Weiterentwicklung die Wirkungsgrade der Solaranlagen in den nächsten Jahren weiter gesteigert werden können. Außerdem arbeiten die Anlagen nach ihrer Einschätzung weitgehend wartungsfrei. Ob Photovoltaikanlagen aber wirklich in 15 oder 20 Jahren gewinnbringend veräußert werden können, wagen auch sie nicht abschließend zu sagen. Deutlich herausgekommen ist aber, dass künftige Solarfonds bei gleicher wirtschaftlicher Leistung preiswerter investieren und damit rentabler sein werden. In welchem Umfang ist aber offen. Hierzu sollten sich die Emissionshäuser bei neuen Projektierungen deutlich äußern.

Die Experten

Der Bundesverband Solarwirtschaft e. V. (BSW-Solar), Berlin, ist mit rund 800 Solarunternehmen die Interessenvertretung der deutschen Solarbranche. Der Verband agiert als Informant, Berater und Vermittler im Aktionsfeld zwischen Wirtschaft, Politik und Verbrauchern.

IBC Solar AG, Bad Staffelstein, hat an der Erstellung von mehr als 100.000 Solaranlagen weltweit mitgewirkt. Das Unternehmen bietet Leistungen von der Installation einer Eigenheimanlage bis zur schlüsselfertigen Übergabe ganzer Solarparks.

Phoenix Solar AG, Sulzemoos, bietet Service von der Planung, Entwicklung, Errichtung und Wartung von Solarkraftwerken und die Beratung in Investmentfragen bis hin zum Verkauf von Solarsystemen und Komponenten an ein Netzwerk eigener Vertriebspartner.

meteocontrol GmbH, Augsburg, ist in den Bereichen Bauüberwachung, Qualitätskontrolle und Anlagenüberwachung tätig. Außerdem erstellt sie vor Errichtung einer Solaranlage Ertragsgutachten zur finanziellen Absicherung der Investition.

(Dieter E. Jansen, Kim Brodtmann)


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