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Die Finanzkrise

Teil 2 – Das sagt der UNABHÄNGIGE

Interview mit Alexander Betz, Gründer und Vorstandsvorsitzender der eFonds Group, München. Sie bietet die führende Handelsplattform für geschlossene Fonds und ermöglicht mit einer Lizenz nach § 32 KWG freien Finanzvermittlern in Deutschland aufsichtspflichtige Anlageberatung.

FINANZWELT: Die Finanzkrise erschüttert auch die Anleger- und Beraterwelt. Was raten Sie ihren Vermittlern und Anlegern?

Betz: Die Botschaft an die Vermittler lautet: Verkauft das, was euren Kunden nutzt, dann nutzt es auf Dauer auch euch. Für Anleger gilt heute, sich umfassend beraten zu lassen und zwar von erfahrenen Kollegen, nicht von Verkäufern. Für die Produktanbieter gilt, dass die Risikoparameter der Geschäftsmodelle neu zu überdenken sind. Hier sind über Jahre zu hohe Risiken eingegangen worden.

FINANZWELT: Die Vermittler sind weiterhin die gleichen wie vor der Finanzkrise, sie stellen beim Kunden die gleichen Fragen und haben die gleichen Nicht- Antworten parat.

Betz: Der begrenzende Faktor ist die Qualifizierung der Anlageberater. Eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis es den Vermittler nach § 34 c GewO (diese Vorschrift der Gewerbeordnung regelt die Qualifikation der Vermittler) nur noch in ganz bestimmten Nischen gibt. Es geht jetzt um Qualifizierung und um die Frage, wie ein Anlageberater so ausgebildet werden kann, dass er in der Lage ist, dauerhaft erfolgreich zu agieren.

FINANZWELT: Ist das überhaupt machbar?

Betz: Fast alle Marktteilnehmer sind mittlerweile der Meinung, dass die Produktprüfungen der Ansatz ist, um Qualität herzustellen. Es komme also weniger auf die Beratung, sondern vielmehr auf die richtige Produktauswahl an. Wir dagegen sagen, das richtige Produkt gibt es nicht, es kommt darauf an, was der Anleger für Ziele hat. Die Produkte müssen nebeneinander gestellt werden und anhand objektiver Kriterien verglichen werden. Ich behaupte, dass es möglich ist, einen gut qualifizierten Anlageberater binnen fünf bis zehn Minuten in die Lage zu versetzen, die ein, zwei oder drei besten Lösungen für den Kunden herauszufinden.

FINANZWELT: Die Anleger wollen Sicherheit, aber die gibt es weder an der Börse noch bei geschlossenen Fonds.

Betz: Das ist der Vertrauenskrise geschuldet. Solange die Vertrauenskrise anhält, wird das Geld ebenso sicher wie möglich angelegt und derzeit kann mit keinem Produkt dieser Erde wirklich gepunktet werden. Sobald das Vertrauen seinen Bodensatz gefunden hat und die Lage sich wieder leicht aufhellt, werden die geschlossenen Fonds sehr gut positioniert sein. Wir beobachten jetzt in der verschärften Finanzmarktkrise, dass alle Kern-Asset-Klassen wie Immobilien und Schiffe stark zurückgehen, sich aber die Neben-Asset-Klassen wie Infrastruktur, Wald und regenerative Energien zwar auf geringem Niveau, aber dafür konstant halten.

FINANZWELT: Sind Konsequenzen aus der Finanzkrise jetzt schon, also nach kurzer Zeit, spürbar?

Betz: Die Konsequenzen sind derzeit so, dass kaum neue Produkte auf den Markt kommen. Wir haben in den letzten vier bis sechs Wochen einen Einbruch, was die Neuerscheinung von Produkten betrifft. Auch die Flugzeuge tun sich sehr schwer in der Platzierung.

FINANZWELT: Erwarten Sie denn eine Welle von Insolvenzen und Kurseinbrüchen?

Betz: Ich erwarte, dass es weniger Produkte geben wird, weil die Finanzierung nicht dargestellt werden kann. Trotz hoher Eigenkapitalquote wird nicht jedes Projekt, das vor der Krise hätte finanziert werden können, nach der Finanzmarktkrise noch finanziert werden können. Es gibt wohl eher leise Einbrüche, die durch weniger Neugeschäft verursacht werden. Ob Emissionshäuser in echte Probleme kommen werden, hängt davon ab, welche Verpflichtungen diese übernommen haben, die sie aber nicht erfüllen können.

FINANZWELT: Sehen wir heute nur eine vorübergehende Angstsituation, die irgendwann in einem halben Jahr wieder der Gier nach mehr Provision weichen wird?

Betz: Ich glaube weder, dass das nur eine kurze vorübergehende Situation ist, noch, dass dies nachhaltig sein wird. Die angesprochene Gier ist ein menschlicher Faktor, der sich demnächst wieder verstärken wird. Aber vielleicht sind Banken und freie Anlageberater in einem höheren Maße bereit, dem Anleger die Risiken vernünftig zu erklären. Wenn der Anleger dann sagt, ihm ist dieses Risiko recht, um eine höhere Renditechance zu haben, dann ist ja dagegen nichts zu sagen.

FINANZWELT: Wie viele Vermittler wird es in Deutschland in der Zukunft geben?

Betz: Das ist ganz klar zu beantworten. Der entscheidende Punkt ist der drohende Wegfall der Ausnahmeregelung für Investmentfonds. Noch basieren rund 350.000 Vermittler auf dieser Ausnahmeregelung, nach der sie nicht der MiFID unterliegen, solange sie nur Investmentfonds oder geschlossene Fonds vermitteln. Wenn diese Ausnahmeregelung wegfällt, dann sind diese 350.000 Vermittler von einem echten Problem betroffen.

FINANZWELT: Es gibt Experten, die glauben, dass es demnächst nur noch acht bis zehn große Pools geben wird.

Betz: Ich denke, dass die Experten Recht behalten.

FINANZWELT: Wir haben jetzt ca. 400 Vertriebe, wie viele davon haben wir noch in drei Jahren?

Betz: Ich erwarte eine erhebliche Konsolidierung von klein zu groß.

FINANZWELT: Konsolidierung Richtung Halbierung?

Betz: Wenn ich die Vermittler nach § 34c GewO nehme, würde ich von einer Dezimierung ausgehen. Wenn aus den 400.000 Vermittlern 40.000 Anlageberater mit Lizenz werden, wäre dies doch ein hervorragendes Ergebnis.

FINANZWELT: Wer überlebt in den Bereichen Vertriebe, Emissionshäuser und Banken mit dem besten Ruf? Haben insbesondere die Vermögensverwalter ihre Glaubwürdigkeit verloren, zumindest partiell?

Betz: Wenn sich die Vertrauenskrise ein wenig zum Besseren wandelt, werden die Banken einigermaßen normal weitermachen. Der Reputationsverlust wird sich eher auf das beziehen, was in Deutschland sowieso sehr beliebt ist, nämlich die Managerschelte, d. h. es geht mehr um die Frage, was Vorstände verdienen sollten, als um die wirklich globale Bedrohung durch diese Krise. Es wird viel mehr über diese in der Sache völlig unerheblichen Teilaspekte diskutiert als über die die Branche wirklich bedrohenden Fragen. Es ist auch ein großes Problem, dass sich in so einer großen Wirtschaftsnation wie Deutschland der Durchschnitt der Bevölkerung so schlecht mit Wirtschaft und den Finanzmärkten auskennt. Das kann jeden Abend in den Talkshows beobachtet werden. Ich glaube auch, dass sich der Normalbürger nicht bewusst ist, wie dramatisch diese Krise wirklich ist. Er unterschätzt sie noch gewaltig. So wird weiter über die Nebenkriegsschauplätze diskutiert, z. B. 8 % mehr Lohn, während die Arbeitgeber kurz vor dem Aus stehen.

(Das Interview führte Dieter E. Jansen und Kim Brodtmann)


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