Die Finanzkrise
Teil 3 – Das sagen die KONSERVATIVEN - Banken und Vermögensverwalter
Das sagen die KONSERVATIVEN zu …
(1) Fugger, (2) FIDUKA, (3) VHV, (4) Postbank
... den heute richtigen Kapitalanlageprodukten
(1) Sichere Kapitalanlageformen sind derzeit Staatsanleihen, Industrieanleihen und Pfandbriefe. Voraussetzung ist beste Bonität der Emittenten. Alternativ Festgeld
(2) Geldmarktfonds, kurz laufende Staatsanleihen
(3) Die Nachfrage nach Tagesgeld, Termineinlagen, Produkten mit Sparbuchcharakter und Anleihen von Bund und Ländern hat zugenommen. Dies gilt auch für Sachwerteinlagen wie physisches Gold und Waldinvestments
(4) Spareinlagen und Investmentfondssondervermögen
… den tabu gewordenen Anlagen
(1) Die durch die Finanzkrise in Verruf geratenen Anlageprodukte waren für uns aufgrund unserer konservativen Grundhaltung noch nie ein Thema
(2) Hedge Fonds
(3) Das Interesse an Zertifikatlösungen aller Art ist stark zurückgegangen. Auch lang laufende Sachwertanlagen wie Immobilienfonds und Schiffsfonds haben deutlich geringere Nachfragen
(4) Es ist ein differenzierter Umgang mit bestimmten Anlageprodukten wie z. B. Zertifikaten hinsichtlich der Emittentenqualität zu beobachten
… den wichtigsten Erkenntnissen für Berater und Produktmacher
(1) Für unsere Berater gilt, dass nur Produkte ausgewählt werden, die unseren Ansprüchen genügen
(2) Berater sollten intransparente Produkte meiden, Produktmacher sollten keine intransparenten Produkte emittieren
(3) Die Lehre für den Berater ist zu erkennen, dass nirgends aus dem Nichts tolle Renditen geschaffen werden können. Für unsere Berater ist dies eine Selbstverständlichkeit, auf die in den Kundengesprächen schon immer hingewiesen wurde. Ziel der Produktmanager sollte nicht eine ständige Neuerfindung immer noch komplexerer Anlagen sein, sondern die Verbesserung und Optimierung bestehender Anlageformen
(4) Für die Berater: Verstärkte Aufklärung bezüglich des Emittentenrisikos. Für die Produktmacher: Entwicklung transparenterer Produkte
… den sich verändernden Risikoeinschätzungen
(1) Eine deutliche Veränderung der Risikoeinschätzung der Anlagefonds hin zu wertgesicherten Produkten hat bereits stattgefunden und wird sich kurzfristig nicht verändern
(2) Liquide und konservativ konstruierte Produkte werden ein besseres Pricing erhalten als illiquide Produkte mit geringer Transparenz
(3) Aufgrund der aktuellen Unsicherheit ist die neutrale Risikowahrnehmung stark in Richtung Risikoaversion verschoben
(4) Neubewertung von Vehikeln, insbesondere bezüglich des Einsatzes von Derivaten zur Umsetzung bestimmter Anlagestrategien
… den neuen Rendite-Erwartungshorizonten
(1) Die Renditeerwartung der klassischen Anlageinstrumente wie Aktien und Renten wird sich nicht verändern, deutliche Veränderungen ergeben sich bei alternativen Anlageprodukten
(2) Renditeerwartungen werden im Interesse einer höheren Sicherheit nach unten angepasst werden
… den heute neuen Beratungsinhalten
(1) Unser Beratungsverhalten war stets konservativ und langfristig ausgerichtet, insofern hat sich auch nichts verändert
(2) Die Langfristigkeit bestimmter Anlagekategorien (z. B. Aktien) tritt stärker in den Vordergrund. Die Risikotragfähigkeit des Anlegers wird vom Berater intensiv hinterfragt
(3) Unser Beratungsverhalten hat sich nicht wesentlich verändert, da schon in der Vergangenheit immer eng mit dem Kunden erst die Risikobereitschaft und Anlageziele abgesteckt wurden
(4) Skepsis bei Kunden und zum Teil auch bei Beratern hinsichtlich der Emittentenqualität und der Beurteilung von weniger transparenten Anlageprodukten
… Konsequenzen auf die Eigenkapitalstruktur von Banken, die Anlagen anbieten
(1) Die Kapitalstruktur wird sicher stärker in den Mittelpunkt gerückt werden und wird als Qualitätskriterium gelten
(2) Die Kapitalausstattung, die derzeit starkem Stress ausgesetzt ist, wird üppiger kalkuliert werden müssen. Dadurch sinkt die Rentabilität der Banken
(3) Die Auswirkungen sind momentan nur sehr schwer einzuschätzen
(4) Für primäre Emittenten von Schuldverschreibungen „versiegt“ eine wesentliche Refinanzierungsquelle
… Konsequenzen für Beraterprovisionen
(1) Keine Veränderungen bei uns im Hause
(2) Die Provisionen werden tendenziell sinken oder stärker erfolgsabhängig vereinbart werden
(3) Banken, die einen großen Anteil ihrer Provisionen aus dem Kundengeschäft durch den Verkauf von Produkten generieren, werden auf dieser Ebene Probleme bekommen, die rasant gestiegenen Einnahmen der letzten Jahre halten zu können. Aufgrund unseres Honorarmodells erwarten wir für uns keine Auswirkungen
… Konsequenzen für Ablauf und Inhalt von Beratungen
(1) Bei unseren Beratungsgesprächen wurde schon bisher deutlich auf Risiken hingewiesen, sorgfältige Dokumentation ist selbstverständlich. Andere Banken werden da Nachholbedarf haben
(2) Sicherheit und langfristiger Anlagehorizont treten stärker in den Vordergrund. Schwer zu haltende Renditeperspektiven werden nicht gegeben
(3) In unserem Haus werden sich daraus keine wesentlichen Änderungen ergeben, da bisher bereits die Risikobereitschaft des Kunden im Vordergrund steht und darauf aufbauend gemeinsam mit ihm ein Anlagekonzept erstellt wird
(4) Die Gespräche verlaufen weiter konform der Vorgaben nach WpHG. Ein besonderes Augenmerk wird man jedoch auf die Aufklärung und Dokumentation des Emittentenrisikos richten
… Konsequenzen für die Beratungsprotokolle
(1) Unser Beratungsprotokoll hat einen sehr hohen Standard, der sich als ausreichend erwiesen hat
(2) Die Beratung wird so detailliert wie möglich erfolgen
(3) Bei Beratungsmandanten wird bereits jetzt eine vorschriftsmäßige und umfassende Dokumentation vorgenommen, deren Art und Weise sich aufgrund der aktuellen Lage grundsätzlich nicht ändert
… zur künftigen Glaubwürdigkeit der Banken als Beratungsinstitutionen
(1) Die Glaubwürdigkeit vieler anderer Banken hat stark gelitten, zukünftig wird dieses Vertrauen wieder verdient werden
(2) Die Reputation der Banken hat erheblichen Schaden genommen. Viele Kunden halten sich nicht länger für objektiv beraten und werden sich zunehmend freien Vermögensverwaltern und Vermögensberatern zuwenden
(3) In der Wahrnehmung der Kunden ist die Glaubwürdigkeit schwer angeschlagen. Viele Kunden machen sich Gedanken über die Seriosität und Verlässlichkeit der Banken bzgl. Anlageempfehlungen für ihre Kunden
(4) Die Glaubwürdigkeit kann nur durch verstärkte Aufklärung durch die Berater und durch die Entwicklung transparenterer Produkte wiederhergestellt werden
… den öffentlich gemachten Vorschlägen zur Vermeidung künftiger Finanzkrisen
(1) Mehr Transparenz in allen Bereichen
(2) Höhere Eigenkapitalunterlegungen aller risikobehafteten Engagements. Koppelung von Bonus-Zahlungen an mittelfristige Erfolgsfaktoren statt kurzfristiger Ertragsmaximierung, welche Risiken nicht hinreichend berücksichtigt
(3) Die derzeitigen Maßnahmen zur Unterstützung der Banken mit staatlichen Hilfen und Garantien sind ein erster richtiger Weg
(4) Anwendung / Ausweitung der mit Basel II festgeschriebenen Regularien auf den Finanzmärkten weltweit; Etablierung einer überregionalen Bankenaufsicht; „Liquiditätsfonds“/ staatl. Liquiditätsgarantien
… den Konsequenzen für das Ausbildungsprofil von Anlageberatern
(1) Die Anforderungen waren ausreichend, sie wurden meist nur nicht eingehalten
(2) Der Berater muss beweisen, dass er in schwierigen Situationen nah am Kunden ist. Er muss auch in Krisenzeiten Kompetenz beweisen
(3) Man konnte den Eindruck gewinnen, dass bei Banken die tiefe und umfassende Ausbildung der Berater im Anlagegeschäft, die vor Jahren die Grundlage einer soliden Anlageberatung darstellte, durch viele Produktschulungen ersetzt wurde. Das wird sich hoffentlich ändern.
(4) Anhebung des Beratungs- und Produkt-Know-hows, d. h. Bedarfsanalyse, Risikoaufklärung, Produktverständnis
Die Deutsche Postbank AG mit Sitz in Bonn ist einer der größten deutschen Finanzdienstleister. Ihr Schwerpunkt ist das Retailgeschäft mit Privatkunden. Daneben ist sie im Geschäft mit Firmenkunden aktiv.
Die Serviceleistungen der Fürst Fugger Privatbank KG, Augsburg, reichen von strategischer Finanzplanung über individuelle Vermögensberatung und - verwaltung bis zum Family Office mit dem Ziel einer optimalen Steuerung.
Die FIDUKA Depotverwaltung GmbH, München, ist eine unabhängige Vermögensverwaltung und bietet professionelles Wertpapier- und Depotmanagement für Privatkunden, Unternehmen und Stiftungen.
Value Holdings Vermögensmanagement GmbH (VHV), München, ist ein zugelassener Finanzportfolioverwalter. Die VHV verwaltet und betreut Vermögen nach Bedürfnissen der Kunden und setzt dabei das eigene Anlagekonzept „Value-Investing“ ein. Die VHV legt Wert auf die Feststellung, dass die Antworten von der Geschäftsführung gegeben wurden.
(Das Interview führte Dieter E. Jansen und Kim Brodtmann)







