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Die Finanzkrise

Teil 4 – Das sagt der NEWCOMER

„Die Anleger haben begriffen, dass ohne Risiko keine hohen Renditen zu bekommen sind.“

Hans-Peter Wolter ist Direktor Kapitalanlagen bei der FORMAXX AG, die zu den unabhängigen Finanzdienstleistern in Deutschland zählt. m.kunde@hp.wolter@formaxx.de

FINANZWELT hat die Fragen, die wir an Banken und Vermögensberater gestellt haben, auch einem großen Vertrieb zur Beantwortung vorgelegt. Wir wollten die Möglichkeit schaffen, dass unsere Leser die Antworten der konservativen Branchenpartner relativiert oder bestätigt erhalten. Hier die Antworten von Hans-Peter Wolter von der FORMAXX AG in Hannover, die im Jahre 2007 gegründet wurde:

„Bei den Kapitalanlageprodukten hat sich nichts wirklich Grundlegendes verändert. Produkte, die in der Vergangenheit volatil waren, sind auch weiterhin volatil. Produkte, die nicht volatil waren, sind es auch weiterhin nicht. Diese Produkte können auch in der Zukunft nicht zu einem sinnvollen Vermögensaufbau beitragen. Tabu geworden sind undurchschaubare Kunstprodukte aus der Bankenwelt. Wichtigste Erkenntnis für die Berater und Produktmacher ist, dass die Welt der Ein-Produkt-Verkäufer vorbei ist.

In der Folge ergibt sich ein diversifizierender Portfolio-Ansatz. Man muss aus einem sinnvoll zusammengestellten Strauß an Produkten wählen können.

Die Risikoeinschätzungen der Marktteilnehmer haben sich verschärft. Hinsichtlich der Rendite-Erwartungshorizonte haben die Anleger begriffen, dass ohne Risiko keine hohen Renditen zu bekommen sind. Im Hinblick auf die Beratungsgespräche sind die Anleger zurückhaltender geworden und die Berater reflektierter. Die Berater sind sich ihrer Endlichkeit in einem hohen Maße bewusst geworden.

Änderungen der Provisionssätze der Berater durch die Finanzkrise sind kaum zu erwarten. Die Anreizsysteme werden allerdings mehr als in der Vergangenheit den Kunden in den Mittelpunkt stellen. Bei den Beratungsgesprächen und in den Beratungsprotokollen wird darauf hinzuweisen sein, dass eine Kapitalmarktsituation wie diese auch in der Zukunft nicht ausgeschlossen werden kann.

Die Glaubwürdigkeit der Banken ist erschüttert. Die Erschütterung wird mittelfristig sein. Irgendwann ist aber auch diese Phase überwunden. Wichtig im Hinblick auf die Vermeidung zukünftiger Finanzkrisen ist, dass die marktwirtschaftlichen Kräfte nicht gänzlich verteufelt werden. Sie müssen sich im Rahmen einer verbindlichen Neuordnung entfalten können. Das Eigenkapital muss in einem vernünftigen Maße zu den eingegangenen Risiken stehen. Konsequenz der Finanzkrise für das Ausbildungsprofil der Anlageberater ist, dass der Ein- Produkt-Vertrieb faktisch in der Zukunft nicht mehr existieren wird. Der Ein-Produkt-Vermittler impliziert, dass er ein Produkt hat, das als Allheilmittel für alle Krisen zukünftiger Art geeignet ist. Es gibt aber kein Produkt, das über alle Zeiten seine prognostizierten Renditen wie geplant erwirtschaftet. Insoweit gibt es zum Portfolio-Ansatz über das gesamte Vermögen eines Kunden keine Alternative.”

(Das Interview führte Dieter E. Jansen und Kim Brodtmann)


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