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Rating schafft Transparenz

Teil III der Serie “Fondsrating”

Eine Anlage in einen geschlossenen Fonds ist ein unternehmerisches Engagement und naturgemäß mit Risiken behaftet. Risiken lassen sich durch verschiedene Methoden reduzieren z.B. Portfoliobildung (Risikostreuung) oder Risikobegrenzung (Garantien oder Verkauf bei Unterschreitung von Limits). Voraussetzung zur Handhabung von Risiken ist Transparenz (siehe auch FINANZWELT 1/04 und 2/04).

>Reduzierung von Intransparenz

Zur Reduzierung des Risikos sind Fonds i.R. als Portfolio, d.h. mit einer Vielzahl von Einzelengagements z.T. in unterschiedlichen Anlageklassen (Immobilien, Beteiligungen, Wertpapiere usw.), angelegt. Dadurch werden aber die Fonds-Produkte weniger transparent. Es ist infolgedessen eine wichtige Aufgabe der Berater, komplexe und für den Anleger intransparente Produkte soweit vereinfacht zu kommunizieren, dass der interessierte Anleger versteht, worum es geht und so seine Entscheidung auf einer belastbaren Informationsbasis treffen kann. Fehlende Transparenz und mangelndes Verständnis stören die Bildung von Vertrauen und sind damit für den Vertriebsprozess äußerst gefährlich.
Auf der Suche nach Lösungen hat die Branche das Rating entdeckt, nicht zuletzt deswegen, weil dieser Begriff dank Basel II fast täglich in den Wirtschaftsteilen der Presse auftaucht. Jedoch entsteht eine neue Gefahr der zunehmenden Verwirrung bei der Unterscheidung zwischen unterschiedlichen Bewertungssystemen z.B. Stern-Ranking-Systemen oder Fonds-Rating-Systemen und deren Aussagen. Die Frage nach den Zielgrößen und den so genannten „Rating-Kriterien“ wird von der Szene und den Fachmedien viel zu wenig beachtet.
Die großen Agenturen S&P, Moody´s und FITCH, die international agieren, haben in ihrer Bewertungspraxis eine nicht einholbare 100-jährige Erfahrung. Von den Marktführern wird sehr ausführlich auf Kriterien, Zielgröße und Gegenstand des Ratings (Terminology, Definitions, Criteria) eingegangen. Hier Anleihen für die eigene Arbeit zu nehmen, lohnt sich in jedem Fall. Schließlich setzen die Marktführer auch bei der Bewertung von Unternehmen die Standards, nicht etwa staatliche oder sonstige Regulierer. Die Marktdisziplin entsteht dadurch, dass auf Dauer nur fachlich einwandfreie Analysen und Bewertungen vom Publikum akzeptiert werden und so über die Daseinsberechtigung der Agenturen entscheiden.

>Zielgröße für Fondsrating: Wertentwicklungspotenziale

Soweit es sich um die Bewertung des Fonds als Anlageprodukt handelt, ist die Bezeichnung „Wertentwicklungspotenziale“ eine sinnvolle Zielgröße. In diesem Begriff ist ausgedrückt, dass die Potenziale - d.h. die Voraussetzungen - geprüft und bewertet werden, die erfahrungsgemäß erfüllt sein müssen, damit sich der Wert eines Anlageproduktes zumindest vergleichbar zu einer zweckmäßigen Benchmark entwickelt. Die Frage, was eine zweckmäßige Benchmark ist, wird für Wertpapiere (Aktien, Anleihen) typischerweise durch spezielle Indices beantwortet (DAX, Dow Jones, Eurostocks usw.). Bei Fonds kann man sich unter Umständen ebenfalls daran orientieren und zwar unter Hinweis darauf, was für derartige Indices als Anlageprodukte am Markt verfügbar sind. Allerdings sind die Fonds in ihrer Anlagekonzeption in der Regel sehr individuell, so dass man schwerlich einen unmittelbaren Benchmark finden wird.
Dass es eine große Leistung ist, wenn das Fondsmanagement die zutreffenden Indices in der Wertentwicklung dauerhaft schlagen kann, ist unter professionellen Fondsmanagern eine ausgemachte Sache. Es müssen also noch weitere Aspekte hinzukommen, die Fondsprodukte für das Publikum attraktiv machen. Das können z.B. steuerliche Effekte oder die Erwartung von attraktiven Schlusszahlungen bei Beendigung der Fonds sein. Dazu kommt die Frage der Beratung in der Platzierungsphase. Wenn das „anlageungeübte“ Publikum von Experten beraten wird, die sein Vertrauen haben und es so den Zugang zu Anlageprodukten erhält, die ansonsten nicht erreichbar wären, dann ist dies eine Chance an Wertentwicklungen teilzuhaben, die sonst verschlossen blieben. Entscheidend sind letztlich die Expertise und das Vertrauen. Ein weiterer Aspekt ist die i.R. lange Laufzeit im Sinne der Anlagedauer, verbunden mit der fehlenden Fungibilität (Handelbarkeit). Was in der Regel z.B. bei Aktienanlagen nicht zuletzt wegen der Risikobegrenzung als Nachteil anzusehen ist, wird häufig bei geschlossenen Fonds als Vorteil dargestellt. Der Anleger braucht sich während der Laufzeit nicht um seine Anlage zu kümmern, er kann sich stattdessen über den Geldeingang laufender Ausschüttung freuen. Dieses „Nicht-Kümmern“ wird möglich durch ein jährlich aktualisiertes Rating seiner Anlage. Dadurch erhält er von neutraler unabhängiger Stelle Auskunft darüber, wie die Potenziale für die weitere Wertentwicklung einzuschätzen sind.
Fazit: wenn die prospektierte Wertentwicklung vom Anleger als attraktiv angesehen wird und die Wertentwicklungspotenziale durch das Fondsrating z.B. durch ein BB oder BBB als gut oder sehr gut bewertet wurden, hat der Anleger zum Zeitpunkt der Anlageentscheidung alle zweckmäßigen Voraussetzungen für eine gute Anlage getroffen.

(Hans J. Loges)


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