DBVI-Leasingfonds
Thannhuber kommt teuer
© Foto: MaFiFo - Fotolia.comDie Kette schlechter Nachrichten reißt nicht ab für Anleger des Leasingfonds der mittlerweile verblichenen Münchener Initiatorin DBVI. Sie musste mit den WDR-Arkaden ein Objekt abgeben, um genügend Liquidität zum Überleben des Fonds zu beschaffen.
Die Objekte des Fonds dienen als Sicherheit für persönliche Darlehen des früheren DBVI-Vorstands Klaus Thannhuber, mit denen er seine persönliche Beteiligung finanzierte. Diese Darlehen wurden an eine Lehman-Tochter verkauft, die vor dem Hintergrund der Lehman-Pleite selbst dringend Geld braucht.
Der Entscheidungsdruck war zweifellos gegeben. Die Forderung, für den säumigen Zahler Klaus Thannhuber mit einem zweistelligen Millionenbetrag einzutreten, kam unabweisbar auf den Leasingfonds der DBVI zu: Die Platzierung der Fondsanteile war Ende der 90er zunächst schleppend gelaufen, Thannhuber war daher persönlich eingesprungen, allerdings nicht mit eigenem Geld, sondern mithilfe eines großen Darlehens der BW-Bank, besichert durch Pfandrechte auf die Objekte des Fonds. Diese Position wurde in den Folgejahren verkleinert, etwa 20 bis 25% waren es zum Vertriebsschluss immer noch. Damit war das Wohl und Wehe des Fonds besonders eng mit dem persönlichen Geschick Thannhubers verbunden. Das wurde 2006/2007 deutlich, als die Ausschüttung (aus bis heute nicht völlig nachvollziehbaren Gründen) von 5 % auf 3 % herabgesetzt wurde und Thannhuber damit Schwierigkeiten bekam, seine Kredite zu bedienen. Seitdem hing ein Damoklesschwert über dem Fonds. Das besserte sich natürlich auch nicht, als die BW-Bank die angeschlagenen Kreditengagements an eine Tochter der mittlerweile ebenfalls insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers verkaufte. Die Lehman-Pleite dürfte die Notoperation noch verzögert haben, aber im letzten Jahr wurde es unausweichlich: Der Fonds musste restrukturiert und die Finanzierung auf eine neue Basis gestellt werden.
Das Konzept ist übersichtlich: Die Objektgesellschaft wurde vom Baukonzern Züblin für knapp 54 Mio. Euro übernommen, das Objekt jetzt für 40,79 Mio. Euro an den WDR verkauft, der zum Ende der Leasinglaufzeit 2016 ohnehin als Käufer zum Festpreis (dann 33,24 Mio. Euro) feststand und im Übrigen wohl auch ein Vorkaufsrecht hatte. Mit diesen Einnahmen kann zunächst der noch ausstehende Kredit bei der BW-Bank über rund 13,6 Mio. Euro zurückgeführt werden. Den größeren Brocken schnappen sich die Lehman-Insolvenzverwalter, die 22,5 Mio. Euro für die Freistellung von den Verpflichtungen zur Absicherung des Thannhuber-Kredits erhalten. Unterm Strich bleiben daher von dem 54 Mio. Investment knapp 5 Mio. Euro in der Kasse, von denen 2,5 Mio. dieser Tage als Sonderausschüttung an die Anleger geht. Und so ist das Kapitel WDR-Arkaden und Verpflichtungen Klaus Thannhuber für die Anleger insoweit beendet.
Damit ist der Fonds DBVI & atypisch still noch nicht aus dem Schneider, denn auch die Finanzierung der in einer Objektgesellschaft namens Selene KG gehaltene Opelhauptverwaltung wackelt auch: Hier hatte die Fondsgesellschaft drei Darlehen aufgenommen, die per Ende 2008 einen Stand von 80 Mio. Euro hatten, inzwischen aber auch notleidend sind, weil vereinbarte Sondertilgungen nicht geleistet werden konnten. Die Mittel dafür sollten aus der Liquiditätsreserve kommen, die überwiegend in Schuldverschreibungen des Bankhauses Reithinger angelegt waren. Mit der Reithinger-Insolvenz fielen diese Beträge aus. Daher sind auch diese Kredite bereits gekündigt und ebenfalls an die Lehman-Tochter Florian3 verkauft.
Das Problem wird am Sanierungsplan (Sanierungswunsch wäre wohl zutreffender) von Geschäftsführer Alexander Grau und Treuhänder Dieter Pape deutlich: Um die anstehende Kreditvaluta bis zum Ende der Leasinglaufzeit 2017 auf den festgeschriebenen Abgabepreis von 48,56 Mio. Euro zu bringen bei einem Zinssatz von 5 %, müsste die bestehende Schuld zunächst um 3,71 Mio. auf 75 Mio. Euro herabgesetzt werden. Damit ergäbe sich eine Annuität von rund 6,4 Mio. Euro, die sich aus dem laufenden Bewirtschaftungsergebnis von 6,76 Mio. Euro bestreiten ließe. Unter diesen Voraussetzungen ließe sich eine Insolvenz vermeiden. Die Anleger hätten dann aber wohl das Meiste gesehen. Zum Ende der Laufzeit saldieren sich Objekterlös und Kredit zu null. Daher können die Anleger keine nennenswerte Schlusszahlung erwarten. Ausschüttungen sind in den verbleibenden 6 Jahren auch nur begrenzt vorstellbar: Selbst wenn der rechnerische Überschuss von etwa 360.000 Euro jährlich nur für die Ausschüttungen zur Verfügung stände, käme weniger als ein halbes Prozent auf die 81 Mio. Euro Nominalkapital heraus. Und dann müssten die Fondsverwaltung, der Treuhänder und die anderen Dienstleister umsonst arbeiten. Die Anleger werden also selbst dann keinen nennenswerten Betrag mehr sehen, wenn das Sanierungskonzept aufgeht und die Lehman-Insolvenzverwalter die angestrebten Nachlässe gewähren.
Spätestens hier kommt die Frage: Ist das alles noch sinnvoll? Allenfalls drohende Steuernachforderungen gegen die Anleger könnten es noch rechtfertigen, die tote Kuh „Leasingfonds“ weiter zu füttern. Damit ist das Undenkbare fast schon Realität: Thannhubers Tricksereien haben selbst den unpleitbar erscheinenden Leasingfonds praktisch in die Pleite getrieben.
Zwischen diesen Katastrophen gibt es aber auch eine gute Nachricht: Der Versuch der zum Konzern der Münchener Initiatorin Hannover Leasing gehörenden Geschäftsbesorgerin, den Fonds aus der Selene KG, der Objektgesellschaft für die Opel-Hauptverwaltung, zu drängen, ist vom Tisch. Im Nachhinein erscheint er allerdings umso verständlicher: Wie gesehen, steht der Fonds wirtschaftlich bei null, die Anleger können die Bücher einfach zuklappen. Insofern lagen die Selene-Leute in gewisser Hinsicht völlig richtig damit, den Fonds als nicht mehr existent anzusehen. Er hat seinen Sinn verloren.
(Martin Klingsporn)







