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Produktpalette der Emissionshäuser

Tiefwurzler oder Flachwurzler – wer fällt eher um?

© Foto: Leiftryn - Fotolia.com

Welche Konsequenz ziehen Emissionshäuser, die sich als „Gemischtwarenhäuser“ aufgestellt haben, aus der Erkenntnis, dass sie besonders hart von der Krise getroffen wurden? Geht das Geschäftsmodell der Emissionshäuser zukünftig in Richtung Multi Asset-Haus oder Spezialist? Wird es zu einer Straffung der Produktpalette kommen? finanzwelt wollte es genau wissen.

Die Kurse der börsennotierten Emissionshäuser stürzen in den Keller, wo die Charterraten fast aller Schiffskategorien schon angekommen waren. Es drohte ein flächendeckendes Pleiteszenario der deutschen Schiffsfonds. Die Subprime-Krise, aus der eine weltweite Wirtschaftskrise wurde, war dafür verantwortlich. Die letzten zwei Jahre waren vor allem für Schiffsfondsemittenten kein Honigschlecken. Heute ist festzustellen, dass die Schäden zwar überall groß, aber der Flächenbrand ausgeblieben ist.

finanzwelt hat vor einem Jahr die Branche befragt, ob die betroffenen Häuser Konsequenzen ziehen – vor allem, was die Produktpalette betrifft. Unsere Beobachtung war, dass die Spezialisten, also die Emissionshäuser, deren Know-how auf einer, zwei oder maximal drei Branchen basiert, besser aus der Krise kamen als die breit aufgestellten Fondsanbieter, die fünf oder mehr Branchen bedienen. Wie es mit der Produktstrategie weitergeht, wollten wir auch wissen.

MPC, der ehemalige Marktführer deutscher Fondshäuser, hat schon Probleme mit unserer Ausgangsbehauptung. „Diese Erkenntnis teilen wir nicht. Die Krise hat Spezialisten und Multi-Asset-Häuser grundsätzlich gleichermaßen getroffen. Allerdings werden die Auswirkungen bei den börsennotierten Häusern, die ja alle breit aufgestellt sind, besonders deutlich, da sie schon allein aufgrund des Börsenrechts wesentlich transparenter sind und ihre Geschäftszahlen offenlegen müssen.“

Diese Argumentation ist so ungewöhnlich wie alleinstehend. MPC hat selbstverständlich Recht mit der Darstellung, dass Spezialisten und Multi-Asset-Häuser von der Krise gleichermaßen betroffen sind, aber die Spezialisten sind mit ihr offenbar (so die Umfrageergebnisse und die Beobachtung der Szene) besser fertig geworden. Was die größere Transparenzpflicht der börsennotierten Häuser in dem Zusammenhang bedeutet, verschließt sich dem Betrachter allerdings.

Doric Asset Finance, Offenbach, will weiterhin auf die Kerngeschäftsfelder setzen und daneben keine weiteren Produkte anbieten. Auch das Fondshaus Hamburg beabsichtigt nicht, die Produktpalette durch weitere Fondsklassen zu erweitern. Das Unternehmen hat sich dafür entschieden, Schiffsfonds zu emittieren sowie in Ergänzung die Sparte Immobilienfonds. „Spezialisten schlagen sich insbesondere in schwierigen Märkten besser als Generalisten, denn sie sind am ehesten in der Lage, die Wertentwicklung der Assets für den Anleger positiv zu beeinflussen“, sagt Jamestown. Eigene Assetkompetenz werde sich daher sowohl bei den Anbietern als auch bei der Nachfrage nach den jeweiligen geschlossenen Fonds niederschlagen. Das Unternehmen selbst will weiterhin auf seine Expertise in den USA setzen und ist der Überzeugung, dadurch erfolgreicher zu sein als Generalisten.

Die Hamburger Hansa Treuhand sieht einen Trend zur Fokussierung auf wenige Assetklassen: „Am Markt ist zu beobachten, dass die Mehrzahl der bislang als Multi- Asset-Häuser agierenden Emissionshäuser ihre Produktpalette straffen und sich auf einzelne Segmente spezialisieren.“ Dies beobachtet auch die Wölbern Invest KG aus Hamburg: „Die Finanzmarktkrise mit ihren Auswirkungen auf die Wirtschaft und das Anlegerverhalten hat dazu geführt, dass eine Rückbesinnung auf eine Assetklasse erfolgt, dies sind in der Regel Immobilien.“ Das Unternehmen will sich weiterhin auf diese Assetklasse fokussieren.

Die Dr. Peters-Gruppe schreibt, dass bei einigen Multi-Asset-Anbietern erfolglose Investitionsstrategien eingestellt und sich diese Häuser auf erfolgreich vermarktbare Segmente konzentrieren werden. „Mittelfristig erwarten wir, dass sich Spezialisten durchsetzen werden“, bestätigt HGA Capital GmbH. Dabei wird nach Einschätzung des Unternehmens der Schwerpunkt vor allem auf den Assetklassen Immobilien, Flugzeuge und Schiffe liegen. Auch die Assetklasse Solar zählt HGA zu dieser Produktpalette. „Das Zeitalter der Multi-Asset-Häuser als ‚Gemischtwarenladen’ ist unserer Meinung nach vorbei“, so HGA. Auch nach Ansicht von Buss Capital wird es zu einer Straffung der Produktpalette kommen. „Nur diejenigen Emissionshäuser werden sich langfristig halten können, die Fonds in Märkten auflegen, von denen sie etwas verstehen – und die fair mit ihren Anlegern umgehen.“

Die Antworten deuten auf ein einheitliches Meinungsbild in der Branche. Doch der Eindruck täuscht. Es gibt durchaus Emissionshäuser, die dem „Multi-Asset“- Gedanken weiterhin positiv gegenüberstehen. Zu ihnen gehört die Münchener DCM Deutsche Capital Management AG. Aus der Sicht von DCM wurde das Geschäftsmodell „Multi-Asset-Haus“ gerade in Krisenzeiten bestätigt. „Auf diese Weise konnten wir unsere Produkt-Schwerpunkte flexibel dahingehend ausrichten, welche Assetklassen jeweils einen günstigeren Akquisitionszeitpunkt oder eine höhere Marktakzeptanz aufweisen“, erklärte das Unternehmen. Deshalb will DCM das Geschäftsmodell fortführen und seine Produktpalette nicht straffen. Auch HCI Capital AG bezweifelt, dass die breit aufgestellten Emissionshäuser stärker von der Krise betroffen waren als Spezialanbieter: „Wir sind der Überzeugung, dass eine Produktdiversifikation nach Assetklassen helfen kann, die unterschiedlichen Zyklen verschiedener Märkte auszugleichen.“

Fazit: Die Mehrzahl der Emissionshäuser geht von einer Straffung der Produktpalette aus und will sich auf einzelne Assetklassen konzentrieren. Wie lange dieser (krisenbedingte) Vorsatz anhalten wird, bleibt abzuwarten. Für den Berater oder Anleger ist das Wissen, wozu das von ihm gerade favorisierte Haus zählt, entscheidend. Allerdings sollte er sich vorher überlegen: Ist Multi-Asset- Strategie schlau oder die Spezialistenlogik? Aus der Erfahrung wäre zu konstatieren: Der Spezialist ist die bessere Strategie. Ausnahmen bestätigen diese Regel aber.

(Dieter E. Jansen, Kim Brodtmann)


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