Persönlichkeiten
Titus Dittmann: Durchgeknallt mit Herz!
Titus DittmannHeute kennt fast jeder, der etwas mit Skateboarding zu tun hat, den 61jährigen Unternehmer und Skateboard-Pionier Titus Dittmann. finanzwelt durfte diesen bemerkenswerten Menschen kennen lernen!
Als ich in der Scheibenstraße 121 in Münster ankam, der Stadt, der Titus Dittmann immer treu blieb und in der er vor über 30 Jahren das Skateboard in Deutschland so populär gemacht hat, wurde mir schon mit dem ersten Eindruck klar: Marc, willkommen in einer völlig anderen Welt! Mitten hinein in das große ehemalige Industriewerksgelände, vorbei an (noch funktionierenden) Kränen aus der Vorzeit, modern gestalteten Lagerräumen der Titus GmbH und einer großen Halle voll mit Half-Pipes und einer riesigen Spielwiese für Skateboardfahrer, steuerte ich direkt auf den Titus-Hauptsitz. Eine sehr freundliche Mitarbeiterin erklärte mir hier zugleich, dass Titus auf dem Weg sei und ich ihn (sprich das Auto von Titus Dittmann) bestimmt gleich hören würde. Ein wenig beeindruckend wartete ich im Innenhof, nicht ohne mir ein Bild von den Mitarbeitern des Unternehmens zu machen. Jung und Alt liefen mir über den Weg, viele mit Tätowierungen und lockerer Kleidung, alle superfreundlich. Und dann kam der Chef persönlich, wie angekündigt mit großem Getöse – seinem Mustang. Als er mir freundlich mit seinem skate-aid T-Shirt entgegentrat und wir uns danach für das Gespräch in die Sonne setzten, wurde mir schnell klar, mit was für einem Menschen ich es hier zu tun habe: Ich sprach mit diesem Typ „cooler Lehrer“, den man sich als Schüler immer gewünscht hat, weil er es ehrlich mit einem meint. Und genau der Beruf Lehrer war es, der ihn seinerzeit zum Skateboard brachte. So hat alles mit einem engagierten Lehrer begonnen, der zunächst auf Druck der Schüler das Skateboarding zum Selbstkostenpreis mittels Sportgemeinschaft in die Schule brachte. Mit der Zeit wurde er zum Unternehmer, einer Spezies, die er eigentlich verachtete. So steckte er auch aus diesem Grund schon in jungen Unternehmerjahren sehr viel Geld in Jugendprojekte und in den Aufbau von großen Skateboard-Veranstaltungen.
Klar, das Leben ist kein Wunschkonzert, und wenn Titus seine dunkle Skater- Brille abnimmt, kommt der Geschäftsmann und Unternehmer unverkennbar zum Vorschein.
Nicht ohne Grund schaffte er es, aus einem kleinen „Tante Emma Skateboardladen“ ein riesiges Skate-Imperium aufzubauen. So ist die Marke „Titus“ europaweit führend im Einzelhandel von Skateboards & Streetwear, wobei in den 80er Jahren der Umsatz fast ausschließlich mit der Hardware (Boards, Materialien) gemacht wurde. „Heute wird 90 % des Umsatzes aus dem Verkauf von Schuhen und Mode erzielt“, erklärt mir Titus. Und die Tendenz ist steigend. Schnell und zudem unglaublich betriebswirtschaftlich erzählt mir Titus, wie er diverse Marken hervorgerufen und erfolgreich platzierte (u. a. Homeboy), wie er das Rock am Ring Festival mit Werbeträgern versorgte oder die Just in Time Produktion in seinem Unternehmen eingeführt hat, bevor diese theoretisch in den Lehrbüchern zu finden war.
Auch bei der Fehlentscheidung seines Lebens sucht er nicht die Schuld bei anderen.
So war es sein gekränktes Ego, das ihn Ende der 90er Jahre dazu trieb, sein Glück an der Börse zu suchen. „Als ehemalige Partner von mir mit meiner Geschäftsidee an die Börse wollten, dachte ich nur daran, wie ich mit Hilfe von Investoren denen eins auswischen konnte. Ich wandelte mein Unternehmen in eine AG um, steckte viel Geld in die Vorbereitung des Börsengangs, durchlief wie ein Popstar eine Talkshow nach der anderen und merkte fast zu spät, wie die fachfremden Manager fatale Fehlentscheidungen trafen. Als dann noch der Börsengang platzte und mein Lebenswerk wegbröckelte, da die AG immer weiter in die Miesen geriet, entschlossen sich meine Frau und ich, das Unternehmen vor der Insolvenz zu retten.“ So unterhielt die titus AG Holding zu ihren besten (oder eigentlich schlechtesten) Zeiten 17 Töchterunternehmen, 550 Mitarbeiter und 75 Mio. Euro Eigenumsatz, plus 25 Mio. Euro Umsatz von Franchisenehmern. Ende 2006 beschließt Dittmann, alles auf eine Karte zu setzen, verpfändet Haus und Lebensversicherung und kauft die Firma wieder zurück. Und heute schreibt er wieder schwarze Zahlen – auch wenn sein Unternehmen nun kleiner aufgestellt ist. Ob er keine Angst hatte, frage ich ihn. Titus lächelt und meint: „Meine Frau und ich haben uns nach den Konsequenzen gefragt, die entstehen würden, wenn wir finanziell abstürzen, und haben festgestellt, dass wir auch mit wenig Mitteln im Leben zurechtkommen. Weißt du, ab diesem Augenblick hast du keine Angst mehr, und dies gibt dir dann unglaubliche Kraft.“ Es ist die Betonung dieser Worte, die mir schnell klarmacht, dass dieser Typ zwar völlig durchgedreht ist, aber eine außerordentliche Kraft in sich trägt und vor allem unglaublich authentisch ist.







