Interview mit Tim Blackwell
UBS auf der Überholspur
Die UBS glänzt mit hervorragenden Zahlen. So erwirtschaftete die Bank 2003 einen Gewinn von knapp 4,1 Milliarden Euro. Weit besser als die meisten anderen Banken. Und im ersten Quartal diesen Jahres konnte die Bank ihren Reingewinn von umgerechnet 1,6 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr sogar verdoppeln. Ein Rekordergebnis. Allein bei der Vermögensverwaltung und dem Fondsgeschäft sammelten die Schweizer insgesamt 35 Milliarden Schweizer Franken an neuen Kundengeldern ein. FINANZWELT sprach mit Tim Blackwell, Deutschlandchef von UBS Global Asset Management.
FINANZWELT: Herr Blackwell, die UBS glänzt mit überdurchschnittlichen Bilanzen und Quartalsergebnissen. Was macht die UBS besser als andere Banken?Blackwell: Wir verfolgen ein klar fokussiertes Geschäftsmodell, achten auf die Kosten und stellen die Interessen unserer Kunden in den Mittelpunkt. Dies gilt für die anderen Geschäftsbereiche des Konzerns – das Wealth Management und das Investment Banking – wie auch für das Asset Management. Hier konzentrieren wir uns auf vier Geschäftsbereiche: das klassische Core Investment Management auf Basis von Research und Fundamentalanalyse; die Alternativen und Quantitativen Investments, eine Einheit, die sich u.a. mit Einzel- und Dach-Hedgefonds befasst; das Real Estate, unser globales Immobiliengeschäft und der UBS Fund Services, unsere globale Fondsadministration, die zunehmend auch externe Kunden betreut.
FINANZWELT: Welche Zielsetzungen haben Sie für das Asset Management, speziell in Deutschland?
Blackwell: Wir möchten sowohl im institutionellen Geschäft als auch im Vertrieb von Publikumsfonds zu den führenden ausländischen Anbietern gehören. Daher werden wir weiter gezielte Wachstumsinitiativen ergreifen. So haben wir zum Beispiel zum 1. Juli unser Rentenfondsmanagement nachhaltig ausgebaut. Mit dem vergrößerten Team können wir unseren Kunden innovative Lösungen für das gesamte Anleihespektrum anbieten, zu denen auch Produkte gehören, die selbst bei steigenden Zinsen positive Renditen versprechen.
FINANZWELT: In Deutschland entfallen zwei Drittel Ihres verwalteten Vermögens auf institutionelle Anleger, der Rest ist in Pubklikumsfonds angelegt. Weltweit liegt die Aufteilung bei ungefähr 50/50. Woher kommt das?
Blackwell: Beide Bereiche sind für uns von gleichrangiger Bedeutung, aber verschiedene Regionen weisen sehr unterschiedliche Schwerpunkte auf. Während in den USA das institutionelle Geschäft dominiert, ist in Europa das Publikumsgeschäft dominant - besonders im Heimatmarkt Schweiz. In Deutschland ist es für ausländische Anbieter inzwischen etwas einfacher, große institutionelle Mandate zu gewinnen, da immer mehr professionelle Anleger sich auf den Rat von Consultants verlassen, die Asset Manager nach objektiven Kriterien auswählen. Im Publikumsfondsgeschäft boten die großen Banken ihren Kunden bislang bevorzugt die Fonds der hauseigenen Fondsgesellschaft. Dies ändert sich jetzt glücklicherweise im Rahmen des Trends zur offenen Architektur – auch durch den Druck professionell arbeitender Maklerpools und Vertriebsorganisationen.
FINANZWELT: Ich habe gehört, Sie wollen Ihr Immobiliengeschäft ausbauen?
Blackwell: Ja, das Immobiliengeschäft ist für uns ein zentraler Eckpfeiler unserer Expansionsstrategie. Im Zuge der kürzlich formulierten Europastrategie wurden bereits die Geschäftsaktivitäten in Zürich, London und Madrid ausgebaut und personell verstärkt. Weltweit werden in dieser Anlageklasse mit 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an 13 Standorten über 15 Milliarden Euro Kundenvermögen betreut. Nun werden wir auch in Deutschland aktiv. UBS konzipiert aktuell zwei für die Lancierung im Herbst vorgesehene Produkte für institutionelle Kunden - einen Euro Value Added Real Estate Closed End Fund und einen Prime European Real Estate Open End Fund. Beide Fonds und weitere individuelle Kundenmandate werden europaweit investieren, wobei Deutschland einen der Anlageschwerpunkte bilden wird.
FINANZWELT: Wie sieht es bei den alternativen Investments aus?
Blackwell: UBS zählt zu den weltweit führenden Anbietern alternativer Investments. UBS Global Asset Management hat die gesamte Expertise im Bereich alternativer Investments auf einer eigenständigen globalen Investmentplattform gebündelt, die u.a. die sehr erfolgreichen UBS O’Connor Hedgefonds umfasst. Hier in Deutschland planen wir einen Dach-Hedgefonds, der über bereits existierende Single-Strategy Zielfonds mit nachweisbarem Erfolgsausweis wesentliche Hedgefonds-Strategien zugänglich macht. Der Fonds wird das Risiko dadurch streuen, dass unterschiedliche Hedgefonds-Strategien verfolgt werden. Ziel ist eine niedrige Korrelation mit traditionellen Anlageklassen, wobei bei vergleichsweise niedrigem Risiko ein absoluter Ertrag angestrebt wird.
FINANZWELT: Gibt es noch weitere Vorhaben für die Zukunft?
Blackwell: In Kürze werden wir ein Absolute-Return-Produkt in Deutschland zum Vertrieb zulassen. Dieser Fonds bietet deutschen Anlegern die Möglichkeit, nicht nur bei fallenden, sondern auch bei steigenden Zinsen positive Renditen zu erwirtschaften. Dies wird möglich durch den innovativen Einsatz von Zinsderivaten – ein in Deutschland einmaliges Konzept. Der Fonds ist in der Schweiz auf riesige Resonanz gestoßen und wird sicher auch in Deutschland ein Erfolg.







