Die Zeit der Schnäppchen ist allerdings vorbei
US-Policenfonds – Nach einem guten Jahr heißt noch nicht vor einem guten Jahr
Totgesagte leben länger, diese alte Weisheit hat für die US-Policenfonds doppelte Bedeutung. Weil die „Frühsterblichkeiten“ nicht so eingetreten waren wie auf Basis der medizinischen Gutachten zu erwarten war, entschloss sich BVT – „First mover“ bei den US-Policenfonds – zu einer Art Gewinnwarnung: Die Rendite könnte möglicherweise beim BVT Life Bond Fund hinter der Prognose zurückbleiben, wurden die Anleger gewarnt. Der Grund: Die Versicherten, die laut medizinischen Gutachten in den ersten beiden Jahren hätten versterben müssen, lebten länger.
Diese und andere Negativ-Nachrichten der Branche haben die Anleger indes nicht entscheidend abschrecken können. Prognosen, die bereits vom langsamen Tod der Produktlinie sprachen, weil der Markt eng sei und die Renditen auf Grund steigender Preise zurückgingen, verfehlten ihre Wirkung. Zum ersten Mal konnten die Initiatoren von US-Policenfonds nach der Statistik von Stefan Loipfinger mehr als eine Milliarde Euro bei den Anlegern einsammeln. Allerdings: „Es wäre wahrscheinlich wesentlich mehr gewesen, wenn die Fonds nicht eine Reihe schlechter Nachrichten hätten verdauen müssen“, glaubt Michael Pirgmann, geschäftsführender Gesellschafter der HPC.Möglicherweise verstehen die Anleger auch etwas von Wahrscheinlichkeitstheorie. Dass die Frühsterblichkeiten nicht wie kalkuliert eingetreten sind, besagt noch nichts über die Chancen, dass die prognostiziere Rendite doch noch erreicht wird. Der BVT II kann immer noch eine Punktlandung hinlegen. Das gilt für alle US-Policenfonds, die seit 2002 auf den Markt kamen: Ein Urteil über die Treffsicherheit der medizinischen Gutachten ist heute noch nicht möglich, weder ein negatives noch ein positives. Meldungen, dass die kalkulierten Frühsterblichkeiten sogar von der Wirklichkeit übertroffen wurden, lassen auch keine Rückschlüsse auf die Qualität der medizinischen Gutachten zu. Ob die kalkulierten Einkaufsrenditen erzielt werden – nach Berechnungen von TKL-Fonds in der Spanne zwischen 12 und 16 Prozent – hängt davon ab, wie genau die medizinischen Gutachten die Lebenserwartung der Versicherten vorausgesagt haben. Qualität der medizinischen Gutachten. Hierüber hat es auch Auseinandersetzungen zwischen den Settlementgesellschaften, die die Policen für die Fonds kaufen, und den Medical Underwritern, den medizinischen Gutachtern, gegeben. Der Vorwurf der Settlementgesellschaften: Die Gutachten waren teilweise zu optimistisch. Die Streitfälle endeten allesamt mit Vergleichen, aber die Konsequenz war, dass die medizinischen Gutachten sehr viel konservativer geworden sind: „Die Medical Underwriter gehen heute von einer längeren Lebenserwartung aus“, meint Mihail Topalov, Geschäftsführer von TKL-Fonds. „Und das bedeutet, dass die kalkulierten Einkaufsrenditen zurückgehen.“
Dr. Jochen Ruß, Geschäftsführer des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften stellt fest: „Die Qualität der medizinischen Gutachten ist mit Abstand der größte Risikofaktor für Investoren.“ Dieses lässt sich auf verschiedenen Wegen eingrenzen. Früher standen von den vier Medical Underwritern, die vor mehr als fünf Jahren von Lloyd‘s of London zertifiziert worden waren – weil die Londoner als Rückversicherer ein Interesse an zuverlässigen Gutachten hatten – AVS und Fasano im Ruf, sehr konservativ zu schätzen, während 21st Services und EMSI als die etwas optimistischeren galten. „Inzwischen sind die Unterschiede in den Gutachten sehr gering geworden“, meint Dr. André Küster Simic, Geschäftsführer des EH1 Emissionshauses. Gleichwohl können in Einzelfällen immer noch erhebliche Abweichungen auftreten. HPC gibt aus Sicherheitsgründen drei Gutachten in Auftrag, „obwohl wir laut Prospekt und Anlagerichtlinien nur verpflichtet sind, zwei heranzuziehen“, meint Geschäftsführer Pirgmann. „In der Regel haben wir uns in der Vergangenheit für das konservativere, also das mit der längeren Lebenserwartung entschieden“, fügt er hinzu. Christian-Oscar Geyer, geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Peters Gruppe, erläutert: „Die Investitionsparameter des Life Value I schreiben ein medizinisches Gutachten vor, die des Life Value II zwei.“ Im Einkaufsprozess wurden für beide Fonds jedoch immer zwei Gutachten von den als konservativ eingeschätzten Gutachtern herangezogen. „Daraus wird der Durchschnitt zur Grundlage genommen“, so Geyer. „Zwei Gutachten sind bei uns ein wichtiges Auswahlkriterium“, erklärt Manfred Nohr, bei der Postbank Vermögensberatung für die Fondsauswahl verantwortlich.
Langlebigkeitsrisiko absichern. „Um den Fonds und den Anleger gegen das Langlebigkeitsrisiko abzusichern, haben wir beim VCH Expert US-Life 2 eine Rückversicherung bei Partner Re abgeschlossen“, erläutert Dr. Achim Lutz, Leiter Geschlossene Fonds bei VCH. BVT hatte sich bei seinem ersten Fonds, dem BVT Life Bond Fund, bei dem zum Syndikat Lloyd‘s of London gehörenden Versicherer Goshawk 102 gegen das Langlebigkeitsrisiko rückversichert. Die Firma wurde inzwischen insolvent. In solchen Fällen tritt der Lloyd Central Fund für die durch den Rückversicherer übernommenen Zahlungsverpflichtungen ein. „Mit einer pauschalierten Versicherungsleistung von 4,8 Millionen Dollar wurde die Rückversicherung inzwischen durch den Lloyds Central Fund abgelöst“, erläu- tert BVT-Geschäftsführer Andreas Graf von Rittberg. „Das entspricht bezogen auf die gezahlten Prämien von zwei Millionen Dollar und einer Kapitalbindung von zwei Jahren einer Nettorendite von 36 Prozent p.a.” Eine andere Art der Rückversicherung wendet der CLC US Life 2012 an. Der Fonds erwirbt zusammen mit den Policen einen Guarantee Bond, der die Auszahlung der Versicherungssumme zu dem vom Medical Underwriter geschätzten Todeszeitpunkt in voller Höhe garantiert. „Institutionelle Anleger wenden diese Art der Rückversicherung über gebondete Policen sehr häufig an“, erläutert Werner Lang, Vorstand der mit dem Vertrieb beauftragten fair in finance AG, die das Konzept entwickelt hat.
US-Policen, aber in Deutschland? Unter den derzeitigen Angeboten an USPolicenfonds überwiegen die gewerblich konzipierten Fonds mit deutscher Betriebsstätte. Damit ist der Anleger zwar auf der fiskalisch sicheren Seite, hat aber die höchste Steuerbelastung. BVT hatte den Fonds bereits vor dem Schreiben der Finanzverwaltung von September 2005 konzipiert, das nach allgemeiner Auffassung einen Schlussstrich unter die steuerliche Diskussion (ob gewerblich oder vermögensverwaltend) ziehen sollte. Daher wurde der BVT Fonds vermögensverwaltend konzipiert, ist aber aus Vorsichtsgründen gewerblich kalkuliert. Aber auch der Transparent Life Plus wollte sich die Option Vermögensverwaltung, die dem Anleger steuerfreie Erträge bringen würde, offen halten. „Der Fonds ist so gestaltet, dass er ohne Weiteres zur vermögensverwaltenden Gesellschaft umgewandelt werden könnte, wenn der Fiskus diese doch noch anerkennen sollte“, erläutert Gerald H. Hörhan, Geschäftsführer der Transparent Life Plus. Vorsichtshalber wurde der Fonds im (relativ) steuermilden Eschborn angesiedelt, das für die geringen Gewerbesteuerhebesätze bekannt ist und auf diese Weise der Bankenmetropole manches Unternehmen abjagt.
Es wird bald zum Schwur kommen, wenn die Fiktion des vermögensverwaltenden Status aufrecht erhalten werden soll. Die betroffenen Fonds müssen etwas tun, was manchen Anleger gerade nach den langen Auseinandersetzungen um den §15 b Einkommensteuergesetz in große Verwirrung stürzen wird: Sie müssen gegen eine Veranlagung, die den Kommanditisten Anfangsverluste zuweist, Widerspruch einlegen, um die Chance zu wahren, auf dem Klageweg die Anerkennung als vermögensverwaltend durchzusetzen. Manchem sträuben sich da die Haare. Die steuerliche Diskussion wird auch durch die Einführung einer Veräußerungssteuer, die Anfang 2008 in Kraft treten soll, nicht obsolet. Das vermögensverwaltende Konzept, wenn es denn anerkannt würde, und die Zertifikatelösung würden etwas an Attraktivität einbüßen, bei den gewerblichen Fonds bliebe alles beim Alten. Hierzu Jürgen Schünemann, Geschäftsführer der Vevis, die für den Vertrieb des Helios III Premium zuständig ist: „Die Rendite des Helios III Premium würde von 10,0 auf 8,4 Prozent sinken, wenn man einen Veräußerungssteuersatz von 20 Prozent unterstellen würde.“ Dabei wurde von einem mittleren Szenario ausgegangen. Auch die Dr. Peters Gruppe hat die Auswirkungen der Veräußerungssteuer berechnet und kommt zu einer ähnlichen Rendite (acht Prozent). „Sollten wir einen neuen USLebensversicherungsfonds auflegen, werden wir voraussichtlich wieder die Zertifikatelösung wählen, behalten uns die endgültige Entscheidung darüber aber noch vor“, erklärt Dr. Peters-Geschäftsführer Geyer. Derzeit ist nur ein Fonds auf dem Markt, der mit einer Betriebsstätte in den USA arbeitet. Das liegt auch daran, dass zwei Initiatoren (Realis und HVB), die in der Vergangenheit diese Lösung gewählt haben, um dem deutschen Fiskus ein Schnippchen zu schlagen, derzeit keine aktuellen Produkte mit US-Lebensversicherungen auf dem Markt haben. „Wir prüfen alle Optionen, auch Zertifikate oder Betriebsstätte in Deutschland oder in den USA“, erläutert Thomas Laumont, Executive Vice President der HVB FondsFinance GmbH. „Dies tun wir vor allem im Hinblick auf die veränderten Marktgegebenheiten in den USA, die mit niedrigeren Einstandsrenditen verbunden sind.“
Keine Schnäppchen mehr! Mit den gesunkenen Einkaufsrenditen haben im letzten Jahr HPC und Sachsenfonds den Rückzug ihrer Fonds begründet. Michael Hoesch, Geschäftsführer der Life Bond Management, die für die BVT-Fonds die Policen prüft und kauft, hat aus diesem Grund monatelang keine Policen gekauft, vertraut aber darauf, dass es wieder günstige Kaufgelegenheiten gibt. „Die Zeit der Schnäppchen ist allerdings vorbei“, konstatiert Hoesch. Das weiß auch Vevis-Geschäftsführer Schünemann. Für den Helios II wurden bislang rund 40 Prozent der zur Verfügung stehenden Mittel investiert – mit einer durchschnittlichen Einkaufsrendite von 18,5 Prozent. Die Extremwerte lagen aber zwischen sieben und 38,2 Prozent. „Das Erfolgsgeheimnis liegt im Paketkauf”, meint Schünemann.
(Dr. Leo Fischer)







