Datum: 05.12.2011
Value-Investing – Kluge Entscheidung in volatilen Zeiten
Schwankungsintensive Zeiten erfordern eine richtungsweisende Strategie. Value Investing versteht sich als Anlagestrategie, bei welcher der Investor versucht, durch aktives Stock Picking Aktien zu kaufen, die er für unterbewertet hält. finanzwelt sprach mit Dr. Jürgen Meyer, Head of Euroland & German Equities bei SEB Asset Management.
Value-Investoren sind generell auf der Suche nach profitablen, gut geführten Unternehmen, deren Geschäftsfeld sich von Anfang an erschließt und die über längere Zeit das Potenzial haben, Gewinne zu realisieren. "Wir versuchen, den Euro für 50 Cent zu kaufen", sagt Dr. Jürgen Meyer. Tatsächlich gilt der Value-Ansatz gemeinhin eher als konservative Strategie, die sich in schwierigen und unsicheren Zeiten wie derzeit bezahlt macht. Signifikante Kursabschläge, die dem realen Unternehmenswert nicht entsprechen, bieten dann wiederum Kaufgelegenheiten. Viele Dax-Unternehmen sind derzeit gemessen an ihrem Gewinnpotential relativ günstig bewertet. Dabei verstehen wir uns als Stock-Picker, ergänzt Dr. Meyer. Das Abzielen auf ganze Branchen gehört nicht zur Anlagestrategie von Value-Investoren. „Wir sehen hier augenblicklich eine Nestlé, BMW oder Coca-Cola als interessante Zukäufe an. Premium-Anbieter im Automobilsektor werden auch künftig Potenzial haben; den Rest der Branche sehen wir skeptisch.“, so der SEB-Experte.
Large Caps überzeugen momentan mit ordentlichen Abschlägen gegenüber Small-Caps. Aber auch Aktientitel der 2./3. Reihe wie beispielsweise Heidelberger Druck erscheinen lukrativ. Die Zahlungsströme müssen überzeugen, nicht etwaiger Profit aus kurzfristigen Marktbewegungen. Wer sein Geld innerhalb kurzer Zeit verdoppeln will hat möglicherweise illusorische Ziele. Aktuelle Trends oder der Boom eines Marktsegments interessieren Value-Investoren eher nicht. Wir erinnern uns an die Erfahrungen mit der Internetblase Ende der 90er Jahre und die damit zusammenhängenden utopischen Bewertungen einiger Unternehmen, resümiert der Anlageexperte Meyer. Volatilität - sprich Schwankungsintensität der Kurse - ist zwar nervenaufreibend, aber letztlich gut für den langfristig agierenden Value-Investor.
Das Gespräch führte Alexander Heftrich








