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Datum: 15.08.2011

Verbot von Leerverkäufen - Probates Mittel in der Krise?

Dr. Oliver RollDr. Oliver RollAnsicht vergrößern

Vier europäische Länder (Frankreich, Italien, Spanien und Belgien) wollen die Märkte beruhigen und haben sogenannte Leerverkäufe verboten. Zumindest soll das Verbot für zwei Wochen gelten. Ist dies ein wirksames Mittel, um die Märkte zu beruhigen? finanzwelt sprach mit Dr. Oliver Roll, Managing Director bei der max.xs financial services AG in Frankfurt.

finanzwelt: Ist das Verbot von Leerverkäufen ein wirksames Mittel, um die Märkte zu beruhigen?

Dr. Roll: Allenfalls sehr kurzfristig. Die derzeitigen Turbulenzen sind Ausdruck viel tiefgehender Probleme, die sich durch "interventionistische" Maßnahmen immer nur wie das sprichwörtliche "Kurieren an Symptomen" nicht wirklich lösen lassen. Darüber hinaus muss natürlich im Detail unterschieden werden, ob über ein Verbot von Leerverkäufen oder nur von sogenannten ungedeckten Leerverkäufen gesprochen wird. Eine Reihe von Finanzplätzen unterscheidet dabei und hat teilweise entsprechende Verbote bereits seit mehreren Jahren verankert.

 

finanzwelt: Was gilt es bei diesem Verbot zu beachten? Nutzt hier ein Alleingang einzelner Staaten?

Dr. Roll: Nein. Weder Leerverkäufe, noch Derivate, noch Hedge-Fonds sind schuld am Auf und Ab an den Märkten. Allen ist gemeinsam, dass sie unter Umständen von den "Unruhen", also dem schnellen Auf und Ab der Märkte, profitieren wollen. Gerade in solchen schwierigen Zeiten kommt daher immer wieder der Ruf nach stärkerer Regulierung oder dem Verbot bestimmter Geschäfts- oder Handelspraktiken auf. Eine starke Marktdynamik "nach unten" wird z.B. auch durch Stopp-Loss-Limits angetrieben: Wird über deren Verbot diskutiert? Außerdem müsste genauso über Maßnahmen zur Vermeidung von Blasenbildungen diskutiert werden. Entscheidend wäre, dass Großinvestoren nicht durch die Dynamik nach unten auch noch veranlasst werden, prozyklisch - also in fallende Märkte - zu verkaufen.

 

finanzwelt: Gibt es effizientere Methoden, die in der momentanen Situation angebracht wären, um heftige Kursausschläge zu vermeiden?

Dr. Roll: Die Frage nach "effizienteren" Methoden, um die "Effizienz" der Märkte abzubremsen, wenn es stark nach unten (oder nach oben!) geht, ist so alt wie die erste Markblase und die anschließende Panik beim Absturz. Ohne die Wirksamkeit der jetzt diskutierten Maßnahmen in Frage zu stellen: Weniger Abhängigkeit von oft quasi willkürlichen und sehr kurzfristigen Betrachtungen wäre mittel- und langfristig jedoch die beste Remedur. Genannt sei für Großinvestoren die Notwendigkeit, sich an Rating-Einstufungen und Bilanzstichtage zu halten. Diese verhindern oft genug eine sollvolle Allokation von Kapital in wirklich langfristig lohnende Investitionen.

 

Das Interview führte Alexander Heftrich

 

 


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