Der große Renner?
Verdienen mit Rohstoffen
Mit Rohstoff-Investments war in den letzten Jahren ordentlich Geld zu verdienen: Der Rohstoff- Index (ohne Rohöl) des Weltwährungsfonds IWF stieg seit 2002 um 60 Prozent. Zum Vergleich: Der DAX als Leitindex der deutschen Börse schaffte im gleichen Zeitraum etwa 20 Prozent und der Eurostoxx blieb dahinter noch leicht zurück mit rund 16 Prozent.
Führend beim Auftrieb waren die Metalle und der Motor dahinter der ernorme Rohstoffhunger der Schwellenländer Asiens, allen voran China und Indien. Diese relativ und absolut gute Performance der Rohstoffe hat natürlich längst das Interesse der Anlageprofis geweckt. Trotz der technischen Schwierigkeiten sind Rohstoffinvestments mittlerweile ein so großer Renner, dass der Weltwährungsfonds IWF der Frage nachging, ob nicht diese als „spekulativ“ aufgefasste Nachfrage zu einer Verzerrung der Preise geführt habe. Die Antwort ist negativ: Noch werden die Preise überwiegend durch die effektive Nachfrage der tatsächlichen Verbraucher im Verhältnis zu den Produktionsmöglichkeiten der Lieferanten bestimmt. Selbst beim Öl oder beim Gold hat demnach diese spekulative Nachfrage keinen nachweisbaren Einfluss auf die Preisbildung.Allerdings verweisen die IWF-Ökonomen auch auf die begrenzte Aussagekraft ihrer Tests. Die Qualität der verfügbaren Daten ist schwach. Der Boom scheint also in der Tat in erster Linie dem stürmischen Wachstum Asiens geschuldet. Und das ist eine gute Nachricht für Anleger, weil die fundamentalen Faktoren hinter diesem Trend wohl noch länger intakt bleiben: Der stürmische Aufwärtstrend Indiens und Chinas ist nicht einfach als gute Konjunktur zu fassen. Hier finden massive Wachstumsschübe statt, die nicht nur etwas länger anhalten, sondern auch veränderte Strukturen hinterlassen werden: Der Aufbau von Industrien erzeugt ein bleibendes Potenzial direkter Nachfrage nach Rohstoffen (die Fabriken wollen gefüttert sein) und zugleich ein steigendes Handelsvolumen, weil mit den zusätzlich generierten Einkommen auch die lokale Konsumnachfrage steigt. Kurzum: Das aktuelle Wirtschaftswunder findet in Asien statt. Ein genauerer Blick auf die einzelnen Märkte zeigt denn auch, dass die Rohstoff- Hausse stark industrieorientiert ist: Die großen Sprünge liefern vor allem Metalle und Energie, die Agrarprodukte (die so genannten soft commodities) profitieren längst nicht im gleichen Ausmaß:
Bei der Frage „Wie daran verdienen?“ stoßen private Anleger allerdings sehr schnell auf Punkte, die zunächst einen (sehr gesunden!) Vorsichtsreflex hervorrufen sollten: Schließlich sind Terminkontrakte auf Schweinebäuche, Gold oder Weizen schon zum Grab ansehnlicher Vermögen geworden. Das Rohstoff-Investment via Warentermingeschäft taugt in der Regel nicht viel für den privaten Anleger, dieses Geschäft sollte den Profis überlassen bleiben, die immer auch einen wirtschaftlich relevanten Bezug zur Produktion oder zum Verbrauch haben. Der Rat kann nur lauten: Finger weg!
Die richtige Strategie. Der traditionelle Weg des Rohstoffengagements ist die Anlage in Aktien von Unternehmen, die im Rohstoffgeschäft tätig sind, sei es als Erzeuger wie etwa Bergbaugesellschaften, oder Händler und Verarbeiter auf den ersten Produktionsstufen, wie sie bei agrarischen Rohstoffen dominieren. Allerdings ist diese Strategie nicht ohne Tücken: Die Aktienkurse geben den Wert der Unternehmen wieder, nicht direkt den Wert der Rohstoffe. Bei den großen südafrikanischen Goldminen muss man daher etwa die Dollar- Rand-Parität im Blick behalten: Das Gold wird in US-Dollar bewertet, die Kosten fallen in Rand an. Ein schwacher Dollar (relativ zum Rand) kann sehr schnell auch eine gelungene Spekulation auf steigende Goldpreise aushebeln. Hinzu kommen alle üblichen Fragen der Unternehmensbewertung. Aktuell etwa sieht die Anlagegesellschaft DWS die Rohstoffaktien vor allem unter dem Gesichtspunkt „Übernahmefieber“: Der Boom bei Metallen und Rohöl hat so viel Geld in die Unternehmenskassen gespült, dass an vielen Stellen über Zukäufe nachgedacht wird. So soll aus dem Zusammengehen russischer Aluminiumhersteller der weltweit größte Anbieter entstehen und auch unter den Goldminen sind Fusionen im Gespräch.
Leichter wird´s dann schon, wenn sich die Anleger auf einen speziellen Aktienfonds konzentrieren. Davon sind eine ganze Reihe auf dem Markt – und einige auch schon so lange, dass die Vergleichzahlen durchaus aussagekräftig sind: Der Rohstofffonds der DIT zählt mit gut 16 Prozent im jährlichen Durchschnitt (bezogen auf die letzten 5 Jahre) ebenso zu den besten Fonds deutscher Herkunft wie der Adig Fondiro und die Activest Aktien-Rohstoffe. Stark in diesem Feld ist auch die US-Firma Merrill Lynch, die aber anders als die bereits genannten deutschen Fondsgesellschaften auf stärkere Spezialisierung setzt: Hier gibt es Möglichkeiten gezielter Investments vor allem im Energiesektor oder in Minenwerte. Im deutschen Markt überraschend schwach präsentiert sich die normalerweise als Branchenprimus fungierende Deutsche Bank Tochter DWS, deren Rohstoffaktienfonds vergleichsweise schlecht performen – gemessen an den Zahlen des Branchenverbandes BVI.
Zertifikate als Alternative für Kleinanleger. Gerade für private Anleger stellen Zertifikate auf Rohstoffe eine außerordentlich interessante Alternative dar. Damit können auch Kleinanleger Rohstoffe praktisch direkt als Wertpapier ins Depot nehmen, weil die emittierenden Banken die gesamte technische Abwicklung übernehmen. Zertifikate auf einzelne Rohstoffe, Körbe oder ganze Indize sind in allen gängigen Varianten auf dem Markt: Ob mit Discount oder Kapitalgarantie, erhöhter Partizipation oder Knock-Out-Barrieren, inzwischen bieten fast alle Banken solche Papiere an.
Die breite Auswahl an existierenden Rohstoff-Indize erzeugt strategische Möglichkeiten, weil die Konstrukteure höchst unterschiedliche Gewichtungen liefern: So gilt der von Goldman Sachs entwickelte GSCI als stark an Rohöl und Ölprodukten orientiert, die etwa 75 Prozent des Gesamtwertes ausmachen. Der Index von Merrill Lynch ist (ML Commodity Index) dagegen relativ stark an den Metallpreisen orientiert, die zur Hälfte den Index bestimmen. Die andere Hälfte wird vom Mineralölbereich gestellt. Die landwirtschaftlichen Güter fehlen völlig. Daneben werden auch Zertifikate auf der Basis von Indize gehandelt, die handels- oder verbrauchsgewichtet sind. Die Auswahl des Basis-Index ist also auch dann schon eine wichtige Entscheidung, wenn nur ganz allgemein in „Rohstoffe“ und nicht in irgendwelche speziellen Segmente investiert werden soll.
Die praktischen Vorteile des Instrumentes „Zertifikat“ schlagen sich auch im Volumen nieder: Die Statistik des Derivateforums weist allein für die ersten sieben Monate des laufenden Jahres einen Anstieg des Volumens der ausstehenden Zertifikate auf Rohstoffe und Währungen von knapp 610 Mio. auf rund 1,2 Mrd. Euro aus. Wobei diese Zahlen sich lediglich auf die meldenden Unternehmen beziehen, die nach Schätzung des Forums etwa 70 Prozent des Marktes abdecken. Der Anteil reiner Währungszertifikate ist dabei gering, weil Devisenspekulationen eher über die klassischen Optionen und Terminkontrakte abgewickelt wird, seltener über Zertifikate.
Banken schalten Risiko aus. In der Regel decken die emittierenden Banken ihre Verpflichtungen gegenüber den Anlegern durch entsprechende Positionen am Terminmarkt: Geht die Bank mit einem Zertifikat eine Verpflichtung etwa in Bezug auf den Preis von Kupfer ein, wird sie in aller Regel auch an der Warenterminbörse selbst in entsprechendem Umfang per Termin kaufen und so ihr Risiko ausschalten: Die Verpflichtungen aus dem Zertifikat und den Terminkäufen saldieren sich zu Null, die Banker gehen normalerweise kein Risiko ein. Statt zu spekulieren verdienen sie an den Margen bei der Emission. Diese Strategie hat allerdings einen Haken: Aus Sicht der Zertifikat-Emittenten ist es völlig uninteressant, ob die Preise des Basiswertes fundamental gerechtfertigt sind oder nicht, denn sie spekulieren nicht, sondern sichern lediglich die eigene Verpflichtung ab. Konsequenz: Die 1,2 Mrd. Euro aus den allein am deutschen Markt umlaufenden Zertifikaten etwa werden unabhängig von der Marktlage immer nur als Nachfrage (long Positionen) auf den Terminmärkten wirksam. Anders als die Hedgefonds können sie bei entsprechender Einschätzung einer Preisübertreibung nicht „shorten“, also durch Terminverkäufe auf sinkende Preise wetten und damit zur Stabilisierung der Märkte beitragen.
Insofern steckt in dieser Schwemme von Zertifikaten durchaus ein gewisses Risiko, so dass die Basis-Märkte unabhängig von Kosten und effektivem Verbrauch von hierher konstant nur in eine Richtung getrieben werden. Sollte tatsächlich die Situation eintreten, dass die Preise etwa von Kupfer, Aluminium oder Weizen vom Bedarf der Anleger nach „Rohstoffkomponenten“ in ihren Portfolios bestimmt werden, wären gefährliche Verwerfungen unausbleiblich, die Bildung von Spekulationsblasen würde dann auch auf den Gütermärkten stattfinden. Allerdings deuten bislang alle Anzeichen darauf, dass solche Verhältnisse noch längst nicht erreicht sind. Insofern bleibt die Kategorie „Rohstoff“ für die privaten Anleger eine interessante Sache.
Keine Eintagsfliege
Metallpreise sind auf Höhenflug. Für Evy Hambro, Manager des Merrill Lynch International Investment Funds World Mining Fund, bietet die aktuelle Korrektur eine gute Einstiegschance.
FINANZWELT: In den vergangenen drei Jahren schossen die Preise für Aluminium, Kupfer oder Zink in die Höhe. Im Mai korrigierten sie scharf. Ist eine spekulative Blase geplatzt?
HAMBRO: Von einer Blase kann keine Rede sein. Während der Technologierallye Ende der 90er Jahre wurden Unternehmen ohne erfolgreiches Geschäftsmodell zu astronomischen Kursen gehandelt. Bei Metallen ist die Situation anders: Die weltweite Nachfrage steigt rasant und die Anbieter können den Bedarf nicht decken. Minengesellschaften rund um den Globus erzielen hohe Gewinne, zahlen satte Dividenden und werden trotzdem mit einem starken Abschlag an der Börse gehandelt. Die hohen Preise bei Kupfer, Nickel & Co. sind nicht in den Kursen enthalten.
FINANZWELT: Wer ist der größte Preistreiber?
HAMBRO: Es gibt einen zentralen Grund: die Industrialisierung Chinas. Diese Volkswirtschaft wächst im Schnitt um 10 % pro Jahr. Mittlerweile ist das Land die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Ob für den Bau von Brücken, Straßen oder Häusern – die Nachfrage nach fast allen wichtigen Rohstoffen ist sehr groß. Das Reich der Mitte ist der größte Konsument von Rohmaterial rund um den Globus: China verbraucht 40 % der Eisenerze sowie ein Fünftel der weltweiten Aluminium- und Kupferproduktion. Die hohe Nachfrage nach Rohstoffen ist real und nicht durch Spekulation getrieben.
FINANZWELT: Wie können Anleger vom Boom der Minenwerte profitieren?
HAMBRO: Breit aufgestellte Minengesellschaften bieten die besten Chancen. Dazu zählen Häuser wie BHP Billiton oder Rio Tinto. Beide Konzerne fördern die wichtigsten Metalle und bieten so ein hohes Maß an Streuung. Sie erzielen hohe Gewinne und werden derzeit an der Börse mit einem Kurs- Gewinn-Verhältnis von zehn bewertet. Selbst wenn die Preise für Kupfer, Nickel oder Eisenerz nachgeben, tangiert das ihre Gewinne kaum. Denn sie haben zu den hohen Preisen längerfristige Lieferverträge abgeschlossen. Zudem sind die hohen Metallnotierungen nicht in den Aktienkursen eingepreist.
FINANZWELT: Für Anleger spielt Gold eine größere Rolle als Kupfer oder Zink. Sehen Sie hier noch Spielraum nach oben?
HAMBRO: Wir sind sehr optimistisch für Gold. Im Vergleich zu den Industriemetallen hat sich sein Preis vergleichsweise schlecht entwickelt. Während sich die Notierung für Platin in den vergangenen zwei Jahren verdreifachte und die Kupferpreise sogar um das Sechsfache stiegen, legte Gold nur um das Anderthalbfache zu. Zum Potenzial trägt auch hier die stärkere Nachfrage der Schwellenländer bei. Vor allem in Indien und den Golfstaaten steigt der Konsum stetig. Zudem schichten die asiatischen Notenbanken ihre hohen Dollar-Bestände langsam in Gold um.
FINANZWELT: Was ist attraktiver – der direkte Kauf von Gold oder ein Investment in Goldminenaktien?
HAMBRO: Wir halten die Aktien für eine sehr gute Investmentidee. Aus historischer Sicht reagiert der Aktienkurs der Gesellschaften mit einem Hebel von eins zu drei auf höhere Goldpreise. Steigt also die Notierung des Edelmetalls um ein Prozent, legten Goldaktien oft um drei Prozent zu. Im vergangenen Jahr war das aber nicht der Fall. Bei gut aufgestellten Gesellschaften sehen wir ausgezeichnete Kursperspektiven. Die Chancen stehen gut, dass sie ihre Gewinne steigern und an der Börse überdurchschnittlich abschneiden. Ein gutes Beispiel, auch aus dem MLIIF World Gold Fund ist derzeit der US-Produzent Barrick Gold.
FINANZWELT: Wie lange kann die Preisrallye bei Metallen noch anhalten?
HAMBRO: Der Preisanstieg ist keine Eintagsfliege, sondern eine langfristige Entwicklung. Wir sehen einen Zyklus, der mehrere Jahre anhält. Der Aufstieg Chinas zur wirtschaftlichen Supermacht lässt sich vergleichen mit dem Wiederaufbau Europas nach dem zweiten Weltkrieg oder der industriellen Revolution. Das sind historische Ausnahmesituationen.
(Dr. Martin Klingsporn)







