Walter Gropius, Mies van der Rohe und - weniger bekannt - auch die Maler Paul Klee, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger, die Designer Marcel Breuer und Oskar Schlemmer haben unter dem Leitsatz „Die Form folgt der Funktion“ für eine neue Philosophie gesorgt, bei der nicht die Repräsentationswünsche des Erbauers, sondern konsequent die Bedürfnisse des Nutzers den Hausbau bestimmen. 1933 schlossen die Nazis das Bauhaus, die Gründer setzten ihre Arbeit in Amerika und später in der gesamten Welt fort. Beinahe alle Architekten der Neuzeit berufen sich mehr oder weniger in ihrem Stil auf die Grundsätze des Bauhauses. Ob Le Corbusier, der für Stalin in Moskau arbeitete, oder Philip Johnson mit seinen Skyscrapern, Frank Lloyd Wright und viele andere – sie alle beziehen sich in ihren Ursprüngen auf das Bauhaus. Die Begründer lebten und lehrten nach dem zweiten Weltkrieg erfolgreich in Harvard, New York und Chicago.
In der kurzen Zeit ihrer Arbeit in Deutschland entstanden in knapp 10 Jahren außerordentlich beachtenswerte Wohnungssiedlungen. Nicht zuletzt beeinflusst von der Nähe Dessaus zu Berlin befinden sich hier die überzeugendsten Beispiele konsequenter und puristischer Bauhausarchitektur. Die Ruhe im gesamten Ensemble, besonders jedoch in den parkartig ausgebildeten Grünanlagen zwischen den Häusern, ihre flexible Verwendungsmöglichkeit für die verschiedensten Nutzer und ihre Eignung für Familien mit Kindern und alte Leute gleichermaßen – grün und doch stadtnah – erfüllt auch heute noch und gerade heute wieder die Kriterien anspruchsvollen Wohnens: jedes Bad mit Fenster, ausgesprochen durchdachte Raumanordnungen, jede Wohnung mit Balkon und in der Regel nur zwei bis drei Geschosse sind auch die Eckdaten des Jahres 2000 für nutzergerechtes Wohnen. Die nur wenigen echten Beispiele dieser häufig verkannten, vom Stuckliebhaber manchmal als etwas spröde empfundenen Ensembles befinden sich als Original nur in Deutschland. Zurecht sind diese durchgängig in den Denkmal- oder Ensembleschutz aufgenommen worden.