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Die Frösche im Sumpf

VGF-Standards

„Wenn man den Sumpf trockenlegen will, darf man nicht die Frösche um Rat fragen“, weiß der Volksmund.

Was würde der aber zu einer Bürgerinitiative der Frösche sagen, die den Sumpf regulieren will? Diese Bürgerinitiative der Frösche gibt es tatsächlich, sie segelt unter dem Kürzel VGF. Der Initiatorenclub hantiert mal wieder an den Standards der Leistungsbilanz herum. Den Anlass für den neuen Anlauf lieferte das Institut der Wirtschaftsprüfer (IdW), bei dem der Prüfungsstandard für Prospekte überarbeitet wird. Dabei soll auch die bislang ohne weitere Präzisierung im IdW S4 enthaltene Leistungsbilanz genauer gefasst werden. Die Ernst&Young-Berater Andreas Luecke und Michael Kohl signalisierten bei der Vorstellung des VGF-Entwurfs, dass auch die Wirtschaftsprüfer dringend eine klarere Regelung im Hinblick auf die Leistungsbilanz-Testate wünschen. Die unklaren Bedingungen und Voraussetzungen schaffen Unsicherheit und daraus könnten Haftungsansprüche entstehen, was von den Wirtschaftsprüfern
bekanntermaßen überhaupt nicht geschätzt wird. Bei Ernst&Young gebe es daher derzeit jedenfalls keine Testate mehr für Leistungsbilanzen.

Es bleibt allerdings unklar, warum der VGF nicht an dem bereits vorliegenden eigenen Standard grundsätzlich festhält und sich auf die notwendigen Anpassungen konzentriert. Diese noch unter der Firmierung VGI (Verband Geschlossener Immobilienfonds) erarbeiteten Vorgaben mündeten in ein nachvollziehbares Schema, das jene Angaben der Initiatoren formularartig aufbereitete, die der ursprüngliche DFIFragebogen bereits forderte. Die seinerzeit von Claus Hermuth (DCM) angeführten Macher des VGI hatten die Angaben der Initiatoren in ein übersichtliches und einheitliches Schema gebracht. Damit konnten am Ende alle leben, weil der durch den DFI-Katalog abgesteckte Umfang der Information durch das VGI-Schema weithin unangetastet blieb.

Neben überschaubaren technischen Problemen gibt es nur 2 Punkte, in denen die VGI-Version des DFI-Standards echten Verbesserungsbedarf aufweist: DFI wie VGI hatten lediglich die Immobilienfonds im Blick, die anderen Produktlinien blieben weitgehend außer Acht. Nun lassen sich aber Schiffe, Filme oder Windmühlen vielleicht noch in das für die Immobilien entwickelte Schema pressen, spätestens bei Private Equity wird es dann wirklich schwierig. Genau diese Anpassungen liefert der VGF leider aber gerade nicht, sondern fängt stattdessen mit allgemeinen Grundsätzen von vorne an. Diese Grundsätze sind
allerdings so deutlich und klar formuliert, dass ihre konsequente Umsetzung durch das IdW wieder zu einem allseits akzeptablen Ergebnis führen müsste.

Der zweite Knackpunkt ist die Verbindlichkeit der Standards wenigstens für die VGF-Mitglieder. Bekanntermaßen hat sich der Verband, schon als VGI noch unter der Ägide des Gründungsvorsitzenden Wolfgang Görlich, darauf festgelegt, die Vorlage einer ordentlichen Leistungsbilanz zu den Pflichten der Mitglieder zu machen. In der Praxis wurde dieser Anspruch nicht ganz so hoch gehängt. Nicht jedes VGF/VGIMitglied legte bislang überhaupt Leistungsbilanzen vor und das, was auf den Tisch kam, entsprach nicht immer unbedingt den Vorgaben des Verbandes. Der heutige VGF-Geschäftsführer Eric Romba machte deutlich, dass sich daran zumindest vorläufig auch nichts ändern wird. Seinen Aussagen bei der Vorstellung des neuen Entwurfs zufolge brauchen Mitglieder in diesem Zusammenhang jedenfalls keine Sanktionen zu fürchten.

Hinter dieser Fassade der Gemütlichkeit dürfte es dennoch auch innerhalb des VGF einen Trend zu mehr Härte gegenüber mangelnder Transparenz und Täuschung geben: Wenn das IdW die vom Verband formulierten allgemeinen Grundsätze konsequent umsetzt und zum Teil der Prospektprüfung macht, dürften die Zeiten für Initiatoren mit schwacher oder fehlender Leistungsbilanz deutlich schwieriger werden. Das Prospektgutachten der Wirtschaftsprüfer ist für viele Vertriebe eine unumgängliche Voraussetzung geworden, ohne das sie sich nicht für ein Produkt engagieren. Wer da wegen mangelhafter oder fehlender Leistungsbilanz passen muss, wird zunehmende Probleme mit dem Absatz bekommen, die auch nicht durch irgendwelche Ratings zu beheben sind. Zudem kann der Verband in diesem Zusammenhang kaum mehr als Vorschläge machen, die Entscheidungen, auf die es ankommt, fallen woanders: Eine kleine, informelle Umfrage unter den Journalisten und Analysten, die regelmäßig mit der Leistungsbilanz arbeiten, ergab ein eindeutiges Meinungsbild. Aus diesem Kreis würde es niemand akzeptieren, wenn der VGF oder das IdW den gewohnten Informationsgehalt verkürzen würde. Unverzichtbar bleiben daher folgende Kernpunkte:

• vollständiger Soll-Ist-Vergleich zwischen Prospektvorgaben und Ergebnissen für Entstehung und Verwendung der laufenden Einnahmeüberschüsse (Einnahmüberschuss, Ausschüttung,
Entwicklung von Liq ui ditätsreserve, Fremdkapital)
• Dokumentation der Investitionsphase mit Soll-Ist-Vergleich für die Positionen von Aufkommen und Verwendung der Mittel
• vollständig dokumentierte Emissionshistorie mit sämtlichen auf den Markt gebrachten Angeboten einschließlich Rückabwicklungen
• vollständige Angaben zum Initiator und seiner Firmengruppe mit Angaben zu allen relevanten Personen

Wer immer dahinter zurückgeht, muss damit rechnen, wegen mangelnder Transparenz öffentliche Kritik auf sich und seine Produkte zu ziehen. Die droht langsam auch dem VGF selbst - wegen mangelhafter Standards bei der Lieferung versprochener Standards: Beim Start der Bemühungen des Initiatorenverbands, Transparenz in die Branche zu bringen, wurde auch ein Standard für die Jahresabschlüsse der Initiatoren Teil der Agenda. Die immense Bedeutung dieser Informationen liegt auf der Hand: Die wirtschaftliche Lage des Initiators beeinflusst das Verhalten in der Bewirtschaftung der laufenden Fonds sehr stark. Der Plan hat also sehr viel Sinn und die Berichterstattung durch die börsennotierten Initiatoren beweist, dass hier keine prinzipiellen Probleme im Wege stehen. Leider fällt der Soll-Ist- Vergleich für den VGF an dieser Stelle stark negativ aus. Passiert ist nämlich nichts. Dafür haben wir nun schon den zweiten Leistungsbilanz-Standard. Frösche haben halt immer was zu quaken.


(MARTIN KLINGSPORN)


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