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Nur schlechte Optionen?

VIP 4

Schachspieler kennen dieses unangenehme Gefühl, wenn eine Partie fast verloren ist: Beim Blick aufs Brett zeigen sich nur noch schlechte Möglichkeiten, die allesamt nur weiterführen auf dem Weg in die Niederlage.

So ähnlich dürften sich die Anleger des Medienfonds VIP 4 fühlen: Konfrontiert mit schmerzhaften Steuernachforderungen durch das Finanzamt liegt vor ihnen das Angebot der Finanzgruppe Abadi, die Anteile am Fonds gegen eine Barabfindung von mindestens 18 %, bei mehrheitlicher Übertragung auch 23 % der nominalen Einlage abgeben zu können. Der Charme des Angebots: Die Anleger erhalten in einer Drucksituation Bargeld und werden die mit dem Anteil verbundenen Verpflichtungen aus der endfälligen Fremdfinanzierung von 45 % der Zeichnungssumme los. Unterm Strich bewertet die Abadi-Truppe den Fonds immer noch mit gut zwei Dritteln des Einstandswertes. Die Anleger haben davon wenig, sie erhielten auf ihren Einstand von 55 % des Nominalwertes mit Sicherheit weniger als die Hälfte und im schlechteren Fall (18 %) kaum ein Drittel ihres Geldes zurück. „Rechnet man die bereits gezahlten Zinsen auf die Fremdfinanzierung und die Steuern ein, bewegt man sich schon im Bereich des Totalverlustes“, stellt denn auch Medard Fuchsgruber als Sprecher der Interessengemeinschaft Medienfondsanleger fest. Dieser Ausstieg ist wohl allenfalls als Notausgang zu werten. Entsprechend negativ äußerte sich auch eine Reihe der anwesenden Anlegeranwälte.

Die Alternative, den Fonds trotz des zweiten Wechsels in der Geschäftsführung von Dirk Specht zu Peter Riedel prospektgemäß weiterzuführen, scheint den Anlegern jedenfalls nicht sonderlich attraktiv. Jedenfalls lehnte die Gesellschafterversammlung im Dezember ein Programm mit Ersatzinvestitionen ab, mit denen schon verplante Mittel des Fonds in neue Verwendungen fließen sollten. Dieser herbe Schlag für den neuen Mann an der Spitze – letztlich ein offenes Misstrauensvotum – zeigt die schwierige Lage der Anleger. Peter Riedel hatte mit Formulierungen um Vertrauen geworben, die sein Vorgänger Dirk Specht fast wortgleich nicht einmal 12 Monate zuvor benutzt hatte. Das kann niemanden zuversichtlich stimmen. Zumal die Gründe für den Austausch auf der Geschäftsführerposition ebenfalls Misstrauen erwecken: Anlass der Entlassung Spechts war offenbar ein Vertrag, den Letzterer ohne Rückendeckung durch die Gremien der VIP mit der britischen Filmfirma Brass Hat Ltd. abgeschlossen hatte. Diesem Vertrag zufolge hätte Brass Hat allein den Marktauftritt besorgt, der Fonds VIP 4 wäre als Finanzier im Hintergrund praktisch nicht mehr nach außen erkennbar gewesen. Im Wesentlichen hätten Brass Hat und VIP nur noch parallel in die gleichen Projekte investiert, wobei die unternehmerische Führung bei den Briten gelegen hätte. Aus Sicht der VIP-Verantwortlichen handelte es sich um eine Schädigung der VIP-Interessen, Specht musste umgehend seinen Hut nehmen.

Welche Rolle diese Vorgänge auch immer bei der Meinungsbildung der Anleger gespielt haben mögen, das von Riedel vorgestellte Investitionsprogramm wurde danach jedenfalls im Verhältnis 30:70 glatt abgeschmettert – womit die Diskussion erst richtig losging. Und in der wendete sich die Stimmung der anwesenden Anleger so deutlich, dass der negative Beschluss im Verhältnis 95:5 aufgehoben und durch die Formel ersetzt wurde, dass die Geschäftsführung im Benehmen mit dem neu gewählten Beirat über die Investitionen entscheiden könne. Grundlage des Stimmungswandels waren offenbar zwei Punkte: Zunächst wurden zusätzliche steuerliche Belastungen genannt, die dem Fonds drohten, falls nicht investiert würde. Zum Zweiten aber präsentierte Geschäftsführer Riedel die Nachricht, dass sich die HVB, die die Absicherung des Fonds durch die umstrittene Schuldübernahme liefert, auf den ablehnenden Beschluss der Anleger über die Investitionen mit dem Hinweis meldete, dass damit die Struktur aufgebrochen sei. Damit standen als Konsequenz im Raum die teilweise Rückführung der sichernden Schuldübernahme proportional zum verringerten Investitionsvolumen und die entsprechende Fälligstellung von Teilen der Anteilsfinanzierung wiederum proportional zum verringerten Investitionsvolumen. Dieser Fall ist auch mittlerweile eingetreten, da der Anlegerbeirat die von Riedel vorgeschlagenen Projekte wiederum abgelehnt hat und somit keine Investition mehr zustande kam.

Ein großer Teil der Anleger dürfte sich durch diese Entwicklung düpiert fühlen, weil die Stimmung der Gesellschafterversammlung sehr deutlich pro Investition gedreht hatte. Zu diesem Zeitpunkt war der neue Beirat allerdings schon gewählt, unter der Voraussetzung einer sehr viel kritischeren Haltung gegenüber der Geschäftsführung. Von daher ist die Ablehnung der neuen Beiräte keine Überraschung, schließlich standen sie von vornherein ganz offen im Zusammenhang mit der Interessengemeinschaft Medienfonds. Problematisch bleibt sie dennoch, weil diese Haltung bislang nur negativ ist: Keine weiteren Investitionen in weitere Filmprojekte und Ablehnung des Abadi-Angebots – das ergibt noch keinen erkennbaren positiven Plan, wie es weitergehen soll. Informationen aus dem Umkreis der Anlegeranwälte gehen dahin, dass zunächst eine Prüfung der vorhandenen Verträge nötig ist, vor allem vor dem Hintergrund der Verwicklungen mit Brass Hat Ltd., die immerhin einen Vertrag in Händen hält, den ein zweifellos alleinvertretungsberechtigter VIP-Geschäftsführer unterschrieben hat. Dass man sich den darauf folgenden Pflichten entziehen kann, scheint tatsächlich fraglich. Möglicherweise ist Brass Hat der richtige Partner für die angepeilte Strategie, die in der Fondskonzeption vorgesehene Re- Investition fallenzulassen und stattdessen die Investments einfach auslaufen zu lassen. Diese Variante (ob nun mit oder ohne Brass Hat) zeichnet sich derzeit als die von den Anwälten angezielte und angesichts der derzeitigen Stimmverhältnisse auch als wahrscheinlichste Lösung ab.

(Martin Klingsporn)


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