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Mein Erfahrungsbericht (Teil 3)

Von der Managerin zur Tai Chi Lehrerin

... Und so fand ich mich am nächsten Tag bei einem chinesischen Arzt in der Praxis wieder... Die Erfahrungen, die ich in dieser Zeit machte, konnte ich nicht einordnen und mein Verständnis von Wissenschaftlichkeit wurde hart auf die Probe gestellt. Heute bin ich überzeugt, dass, wenn ich damals nicht meinem Körpergefühl, meiner Intuition, sondern meinem westlich geschulten Verstand gefolgt wäre, würde ich diese Zeilen heute wohl nicht schreiben.

Meine Mentorin schickte mich dann ebenso resolut auch noch zu ihrem Tai Chi Meister zu einem Wochenendseminar nach Wien. Und auch hier wiederholte sich etwas Ähnliches. Als ich sah, wie sich Meister Zhang Xiao Ping im Tai Chi bewegte, wusste ich, dass ein Körper, der diese wunderschönen, kontrollierten, eleganten, geschmeidigen und dennoch so kraftvoll wirkenden Bewegungen macht, nicht krank sein kann!!! Während des Wochenendseminars spürte ich die heilsame Wirkung. Mein linker Arm, den ich fast nicht mehr heben konnte, war nach nur einem Wochenende wieder beweglich. Es lösten sich Blockaden, Schmerzen ließen nach und kamen, oh Wunder, nicht wieder. Ich spürte, dass die ständigen Schmerzen sehr viel positives Potenzial überdeckten und dass diese Übungen mir helfen würden, es zu regenerieren. Und wieder war mein Verstand überfordert. Und doch, ich, ein absoluter Bewegungsmensch, war mir 100%-ig sicher, ein Instrumentarium gefunden zu haben, mit dem ich mir selbst helfen konnte und das so anders war, als meine Sportarten, die ich sonst betrieben hatte und die mir so lieb und teuer waren. Die Lösung schien mir sehr einfach: Wenn falsche oder gar keine Bewegung krank machen kann, muss dieser Prozess umkehrbar sein. „Richtige" Bewegungen müssen gesund machen können, dessen war ich mir sicher. Anders als bei meinen sonstigen Sportarten, bei denen ich Energie zunächst verbraucht und dann mit viel Pasta wieder aufgefüllt hatte, bauen diese Übungen Energie während der Ausführung auf. Das war der gefühlte Unterschied.

Tai Chi und Qi Gong als Weg. Auch diesen Weg bin ich konsequent weiter gegangen und er hat mir unglaublich geholfen. Und ich hatte das riesengroße Glück, dies in der Begleitung von zwei Weltklasse-Meistern erleben zu dürfen. Denn bei allem, was man tut, sind die Menschen, mit denen man es tut, oft wichtiger als das „WAS". Zunächst lernte ich Tai Chi und Qi Gong bei und mit dem chinesischen Meister Zhang, dann zusätzlich bei dem deutschen Lehrmeister Volker Jung, St. Goarshausen. Beide sind sehr unterschiedlich und haben mich jeweils unterschiedlich gefordert und gefördert. Meister Zhang ist der wohl außergewöhnlichste Mensch und Lehrer, den ich in den letzten Jahren kennen gelernt habe. Obwohl seine Schüler immer wieder betonen, dass er in China – ebenso wie die von ihm geführten Teams – viele Gold- und Silbermedaillen gewonnen hat, ist das für ihn von völlig untergeordneter Bedeutung. Menschen zu helfen ist sein Anliegen. Er führt mehr mental und – typisch chinesisch – intuitiv und hat eine unglaubliche Präsenz. Volker Jung hat bei ca. 30 verschiedenen chinesischen Meistern gelernt und sein daher wahrscheinlich einzigartig umfangreiches Wissen und Können nach westlicher Manier systematisiert und strukturiert. Unter dem Logo „Tai Chi Forum Deutschland" bildet er seit 10 Jahren Tai Chi Lehrer nach dem von ihm entwickelten standardisierten Ausbildungsund Unterrichtssystem aus, das für gleichbleibende Unterrichts-Qualität aller angeschlossenen Lehrer sorgt. Keiner ist besser oder schlechter, beide sind auf ihre Weise genial und haben einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass ich wieder gesund bin.

Zuerst lernte und praktizierte ich für mich selbst, um meine Schmerzen und fünf Bandscheibenvorfälle in den Griff zu bekommen. Dann, als ich mich im Jahr 2003 entscheiden musste, ob ich in meinen früheren Beruf zurückkehre oder nicht, entschied ich mich ganz für diesen Weg. Ausschlaggebend war, dass ich immer noch nicht soweit genesen war und mich für den früheren Weg stark genug fühlte. Und ich wollte die Chance, die ich bekommen hatte, nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Auch hatte ich das Bedürfnis, andere Menschen an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen, damit sie weit vor einem „Absturz", wie ich ihn erlebt hatte, sich selbst helfen können.
Ich begann Kurse zu geben und Seminare zu veranstalten, um meine Erfahrungen anderen zu vermitteln und um festzustellen, ob ich von den Teilnehmern „angenommen" würde. Als diese Frage positiv entschieden war, machte ich eine weitere Ausbildung im klassischen Yang Stil bei Volker Jung – Gründer des Tai Chi Forums Deutschland –, die ich im März 2006 abschloss. Ich habe mich auch theoretisch mit chinesischer Medizin befasst und bin nun mit den Grundzügen vertraut. Heute macht alles einen Sinn für mich und ich bin auch ganz froh darüber, dass mein Verstand auch wieder „mit an Bord" ist. Allerdings, man muss sich auf eine bestimmte Art des Denkens einlassen, die uns Westlern nicht so auf den Leib geschneidert ist.
Inzwischen, nach mehr als 500 Meisterstunden, habe ich ein breites Repertoire und Vergleichsweise viel Unterrichtserfahrung (laufende Kurse, Anti- Stress-Seminare, Wochenend- orkshops etc.) mit sehr unterschiedlichen Menschen jeden Alters gesammelt. Meine ehemals mich behandelnden Ärzte sind begeistert über meine gesundheitlichen Fortschritte, und Snowboarden und Surfen geht auch weiter.

(Jutta Fleck)


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