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Das kleine Märchen vom Bausparen

Von Spießern, „Oben bei Mutti-Wohnern“ und Sparfüchsen!

Jung, wild und Bausparer! Unter diesem Motto versucht die LBS in Verbindung mit den Sparkassen den jungen Menschen die Vorteile vom Bausparen nahezubringen. Zugegeben, ein wenig klingt der Werbeslogan nach der Wiederbelebung des Produktes Jägermeister, das zu früheren Zeiten nur von Oma und Opa getrunken wurde und nun auf keiner jugendlichen Flatrate-Party fehlen darf. Dabei gibt es neben dem Prozentgehalt einen weiteren großen Unterschied zwischen Bausparvertrag und Jägermeister: Bausparen war schon früher „in“ und ist dies „wohl“ auch weiterhin.

Gegenwärtig haben in Deutschland „Bausparer“ Milliarden an Euro bei den Bausparkassen angelegt – aktuell 32 Mio. Bausparverträge deutschlandweit. In den letzten drei Jahren wurden nach Angaben des Verbandes der Privaten Bausparkassen im Schnitt jährlich rund 3,7 Mio. Verträge neu abgeschlossen. Daten, die für sich sprechen. „Die Wohnimmobilie, also die `steinerne Rente´, ist nicht nur die sicherste, sondern auch die von den meisten Bundesbürgern begehrteste Form der privaten Vermögensbildung und Altersvorsorge“, so das Institut für Städtebau, Wohnungswirtschaft und Bausparwesen (ifs). Demnach überrascht es einen nicht, dass sich das Bausparen als Einstieg in das Wohneigentum auch in diesem Jahr einer regen Nachfrage erfreut. „Allein die privaten Bausparkassen konnten bisher im Jahre 2007 1,7 Mio. Bausparverträge mit einer Bausparsumme von 46 Mrd. Euro abschließen“, so Peter Ulrich, Vorstandssprecher der BKM – Bausparkasse Mainz AG.
Für die Wohnungsfinanzierung ausgezahlt wurden 2006 fast 32 Mrd. Euro. Mit einem Anteil an der Wohnungsfinanzierung in Deutschland von über 24 % sind die Bausparkassen die zweitgrößte Institutsgruppe. Obwohl Baudarlehen – trotz steigender Zinsen – immer noch recht günstig zu erhalten ist, sparen somit dennoch Tausende von Menschen in dieser traditionellen Art und Weise ihr Geld an! Warum?

Nach wie vor sehen viele das Bausparen als wesentlichen Baustein einer soliden Finanzierung an. Es wird automatisch Eigenkapital angespart. Außerdem hat der Kunde ein Anrecht auf ein Darlehen mit niedrigen Zinsen. „Grundsätzlich ist Bausparen immer interessant, wenn auf das Sparen eine Finanzierung folgt. Die Guthabenzinsen stehen nicht im Vordergrund. Das Bausparen punktet mit den niedrigen und über die gesamte Laufzeit festen Darlehenszinsen“, erörtert Walter Weiler, Chefmathematiker der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG. Was viele dabei laut des Bausparexperten nicht wissen: „Der günstige Zins für das Bauspardarlehen kann ohne Risikozuschlag auch für nachrangige Finanzierungen eingesetzt werden. Außerdem werden auf Bauspardarlehenszinsen keine Kleindarlehenszuschläge erhoben. „Das ist wichtig z. B. bei Modernisierungsmaßnahmen, die meist unter 50.000 Euro liegen. Im Übrigen ist die Kombination von niedrigen Sparzinsen und niedrigen Darlehenszinsen steuerlich interessant“, so Weiler.

Geschenke vom Staat. Werden vermögenswirksame Leistungen vom Arbeitgeber auf einen Bausparvertrag eingezahlt, honoriert der Staat dies mit der Arbeitnehmer-Sparzulage. Das sind im Jahr 9 % von maximal 470 Euro bei Ledigen und 940 Euro für Ehepaare. An - spruchsberechtigt sind Alleinstehende mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von bis zu 17.900 Euro und Verheiratete, deren Jahreseinkommen 35.800 Euro nicht übersteigt. „Wenn das versteuerte Jahreseinkommen (nicht zu verwechseln mit dem Bruttoeinkommen, das wesentlich höher liegen kann) weniger als 25.600 Euro bei Singles oder 51.200 Euro bei Ehepaaren beträgt, hilft der Staat zudem mit einer Wohnungsbauprämie von bis zu 45,06 Euro bzw. 90,11 Euro pro Jahr“, so Alexander Nothaft, Leiter Kommunikation vom Verband der Privaten Bausparkassen e. V.
Fakt ist: Das Bauspardarlehen deckt beim Neubau- oder der Kauffinanzierung in der Regel nur einen Teil des Kreditbedarfs ab. Nothaft erklärt die Faustformel: „Zwischen 20 und 30 % Eigenkapital, zwischen 20 und 30 % Bauspardarlehen und zwischen 40 und 60 % Hypothekendarlehen. Die Kombination mit einem Bauspardarlehen ist oft die günstigste Variante für den Kunden.“

Was gegen dieses traditionelle Immobilienfinanzierungssystem spricht, sind die Statistiken. Deutschland weist mit 42 % nach wie vor die zweitniedrigste Eigentümerquote in Europa auf. „Daran hat auch die jahrzehntelange staatliche Alimentierung des Bausparwesens in Deutschland nichts verändert“, so Thomas Arndt, Geschäftsführer der Creditweb Deutschland GmbH. Ferner erörtert der Baufinanzierungsexperte: „Verfechter des Bausparens führen gerne die Bedeutung für die Eigenkapitalbildung (Vorsparen) an und fordern gleichzeitig die Erhöhung staatlicher Sparprämien; kurioserweise werben viele Bausparkassen gleichzeitig mit so genannten Sofortfinanzierungen, bei denen zunächst nicht Eigenkapital angespart, sondern neu abgeschlossene Bausparverträge zwischenfinanziert werden – häufig in Verbindung mit Auffüllkrediten oder Bausparsummen in doppelter Höhe der eigentlichen Finanzierungssumme. Der Kunde spart somit über Jahre einen oder mehrere Verträge an, mit denen die Zwischenfinanzierung der kompletten Summe, also Sparguthaben und Darlehensanspruch, abgelöst wird.“ So be - mängelt Arndt, dass sich diese Konstrukte bei Einrechnung aller Kosten (Abschlussgebühren, tatsächlicher Zinssatz) als teurere Lockvögel „entpuppen“ können.

Erfahrungsgemäß gibt es nicht die objektive, sondern viele subjektive Wahrheiten – je nach Betrachter und unterstellter Prämissen für den Finanzierungsfall. So kommt es bei der Beurteilung, welche Finanzierungsart für Ihren Immobilienkunden die „richtige“ ist, immer auf den Einzelfall und die individuellen Wünsche und Möglichkeiten an. Sicher wird auch ein Bausparvertrag – in Kombination mit anderen Produkten – immer eine Finanzierungsvariante sein, und auch Vollfinanzierungen sollten nicht gleich „verteufelt“ werden – schließlich ist es für viele eine der wenigen Möglichkeiten, kurzfristig ein Immobilienschnäppchen zu erwerben.

(Marc Oehme)


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