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Interview mit Katja Kirch

Wachstum vor allem in den Emerging Markets

Katja KirchKatja Kirch

Der Gesundheitsmarkt ist zu einem interessanten Investitionsfeld geworden, auf dem allerdings spezielle Regeln gelten. finanzwelt sprach mit Katja Kirch, die mit dem Lacuna-Adamant Asia Pacific Health einen der erfolgreichsten Investmentfonds in diesem Segment managt.

finanzwelt: Bei Pharmazie-Unternehmen ist häufig von der (Produkt-)Pipeline die Rede. Was ist das und was ist daran aus Anlegersicht wichtig? Worauf ist zu achten?

Kirch: Die Entwicklung von neuen oder verbesserten Medikamenten ist ein langwieriger Prozess. Die Pipeline gibt Auskunft darüber, welche Produkte die Firma in den nächsten Jahren auf den Markt bringen möchte. Grundsätzlich gilt: Je früher die klinische Phase ist, in der sich ein Produkt befindet, desto höher ist das Risiko zu scheitern.

finanzwelt: Welche Therapiegebiete sind aus Anlegersicht in den nächsten Jahren interessant?

Kirch: Wir erwarten, dass in den nächsten Jahren der Medikamentenmarkt für chronische Erkrankungen im Bereich Onkologie, Diabetes und HIV im zweistelligen Bereich zunehmen wird. Einerseits wächst die betroffene Patientengruppe, andererseits werden neue Therapien und Medikamente lanciert.

finanzwelt: Zu Obamas Gesundheitsreform: Wie groß sind die daraus unmittelbar erwachsenden Chancen und wer sind die Nutznießer?

Kirch: Durch die US-Gesundheitsreform wird die Anzahl der krankenversicherten Personen in den USA bis 2014 um über 30 Mio. Amerikaner zunehmen. Langfristig wirkt sich dies positiv für viele Healthcare-Unternehmen aus. Da jedoch die Reform auch über Zugeständnisse seitens der Industrie finanziert wird, mussten kürzlich einige Firmen die Gewinnerwartung für die nahe Zukunft etwas nach unten revidieren.

finanzwelt: Hat Obama einen neuen Trend angestoßen, der generell zu einer besseren Absicherung und Versorgung führt? Gemessen an europäischen Maßstäben ist schließlich von Asien bis Lateinamerika überall Nachholbedarf erkennbar.

Kirch: Der Anteil der Gesundheitskosten am BIP beträgt in den USA 17 %, in den OECD Ländern durchschnittlich 10 %. In den Emerging Markets liegt dieser Wert erst bei 5 % und illustriert damit anschaulich das Aufholpotenzial. Länder wie China, Russland oder auch Indonesien haben Programme initiiert, um der breiten Bevölkerung einen verbesserten Zugang zu Medikamenten zu ermöglichen. Die privaten Zuzahlungen bei den Gesundheitskosten sind jedoch im Vergleich zu europäischen Standards immer noch sehr hoch.

finanzwelt: Wie sind Asiens Anbieter von Medizintechnik und Pharmazie im globalen Markt aufgestellt? Wo liegen die Stärken und Schwächen im Vergleich zu Europa und den USA?  

Kirch: In Bezug auf innovative Forschung und Entwicklung von Medikamenten und Instrumenten sind die USA und Europa klar in der Führungsposition. Die Stärken Asiens liegen einerseits beim Service und der Benutzerfreundlichkeit sowie andererseits im Kostenvorteil. Daher sind Indien, Korea, China und vermehrt auch Vietnam gefragte Produktionspartner für viele westliche Pharma- und Medtechfirmen.

finanzwelt: Wie ist der Gesundheitsmarkt in Asien selbst einzuschätzen? Welche Rolle spielt dort die in Japan schon laufende und in China bald beginnende Überalterung der Bevölkerung?

Kirch: Das Auftreten vieler Krankheiten ist stark abhängig vom Alter. Die Auswirkungen einer älter werdenden Gesellschaft in Japan sind schon jetzt spürbar und erhöhen den Druck auf das Gesundheitssystem. Als Gründe für das starke Pharmawachstum in China sehen wir momentan primär die Verbesserung der Einkommenssituation sowie die 2009 beschlossene Gesundheitsreform. Längerfristig wird die demografische Überalterung jedoch zum Tragen kommen. Positiv wird sich auch das starke Bevölkerungswachstum vieler asiatischer Länder auf den Sektor auswirken.


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