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Private Equity

Wächst 2009 ein neuer Spitzenjahrgang?

Private Equity befindet sich in einem Stimmungstief. Aber in der Vergangenheit brachten die in Rezessionsjahren aufgelegten Fonds die beste Performance. Antizyklische Anleger wittern Chancen.

Private Equity gehört zu den Hauptbetroffenen der Finanzkrise. Die Banken geben kaum noch Kredite, das Fundraising hat weltweit einen Tiefstand erreicht. Und der Absatz von geschlossenen Private Equity Fonds in Deutschland ist regelrecht eingebrochen (minus 80 bis 90 %).

Dementsprechend mies ist die Stimmung bei den Produktentscheidern. Diese geben nach einer Umfrage der Zitelmann GmbH Private Equity eine Note von 3,6 - auf einer Skala von 1 bis 6, Schulnotenprinzip. Die derzeit hoch in der Gunst von Anlegern und Initiatoren stehenden Solarfonds kommen auf 2,3 und deutsche Büroimmobilienfonds auf 2,5.

Für Nachrufe auf Private Equity sei es aber zu früh, das geht aus einer Studie der Deutsche Bank Research hervor. „Zwei Qualitäten helfen der Private Equity Branche in der gegenwärtigen Krise", meint der Verfasser Thomas Meyer, Senior Economist Deutsche Bank Research im Referat eResearch. „Viele, wenn auch nicht alle, verfügen über umfangreiche Kapitalreserven. Mit diesen können sie Portfolio-Unternehmen stützen oder neue Investitionsgelegenheiten nutzen. Zweitens müssen mehr und mehr Unternehmen restrukturiert werden. Hier kann Private Equity seine traditionellen Stärken ausspielen."

Mit ihrer restriktiven Darlehenspolitik treiben die Banken die mittelständischen Unternehmen geradezu in die Arme der Private Equity Branche. Das ist das Ergebnis einer Umfrage bei 300 Beteiligungsfirmen, die die Kanzlei Rödl & Partner, Nürnberg, im Frühjahr durchführte. Als Hauptgrund für die Hereinnahme von Beteiligungskapital nennen 56 % der mittelstandsorientierten Beteiligungsgesellschaften in Deutschland den Wunsch der Firmen, sich von den Banken unabhängig zu machen. „Die Finanzkrise hat eine Vertrauenskrise gegenüber den Kreditinstituten ausgelöst. Viele Mittelständler sehen die Beteiligungen heute als Rettungsanker und nicht mehr als Bedrohung an", lautet das Resümee von Björn Stübiger, dem Leiter von Corporate Finance bei Rödl & Partner. Allerdings sind reine Mittelstandsfonds bislang eher die Ausnahme unter den geschlossenen Dachfonds gewesen. Und „Zukunft Mittelstand", der erste reine deutsche Mittelstandsdachfonds, musste im Herbst 2008 für private Anleger bei einem Kommanditkapital von 20 Mio. Euro geschlossen werden. „Wir hätten gern weit mehr investiert", erklärt Christian Harreiner, Geschäftsführer des Initiators DBM Fonds Invest GmbH.

Das große Thema sind derzeit Secondaries, also Anteile an Zielfonds, die von den Zeichnern verkauft werden müssen. Verkäufer sind überwiegend Stiftungen und Pensionsfonds, die mehr als die Hälfte des Private Equity Kapitals aufbringen. „Aufgrund der Wertverluste bei Aktien sind sie gezwungen, ihre Private Equity Investitionen zu reduzieren, um die angestrebte Gewichtung der Assetklassen wieder herzustellen", erklärt Wolfgang Müller, Geschäftsführer der BVT Unternehmensgruppe, die im August den Global Funds VIII Secondaries auf den Markt bringen will. Diese Anteile auf dem Zweitmarkt können mit deutlichen Abschlägen - teilweise 40 bis 50 % - erworben werden. Und natürlich veranlassen im Zeichen der Finanzkrise auch Liquiditätsprobleme einen Investor, sich von Private Equity Engagements zu trennen.

Secondaries beherrschen noch vor den Branchenfonds (New Energy) ganz eindeutig die Neuemissionen von Private Equity Fonds, deren Zahl insgesamt deutlich zurückgegangen ist. Vier Produkte, die am Zweitmarkt investieren, sind derzeit auf dem Markt oder angekündigt. Bereits den zweiten reinen Secondaries Fonds bietet derzeit die RWB AG an, Marktführer bei geschlossenen deutschen Private Equity Fonds. „Für Secondaries spricht neben den Preisabschlägen auch die kürzere Kapitalbindungsdauer", erläutert Norman Lemke, Vorstand der RWB AG. „Secondaries sind im aktuellen Marktumfeld weiterhin attraktiv, allerdings eine hochkomplexe Private Equity Strategie, die nachweisbare Erfahrung, Track Record und Expertise vom Manager verlangt" meint Jan Kordisch, Private Equity Experte bei Rising Star AG.

Von niedrigeren Preisen für Unternehmensbeteiligungen profitieren natürlich auch neue Fonds, die zu den gesunkenen Preisen investieren können, wie der „PEP 2" von Hansa Treuhand und der Berenberg Bank. Der Fonds investiert in den sonst nur für institutionelle Anleger offen stehenden Fonds Adveq Asia II, der vom Schweizer Investmenthaus Adveq gemanagt wird. Investiert wird in die Wachstumsmärkte des asiatisch-pazifischen Raums, den RWB mit Einzelfonds (China II, India II, Infrastructure India I) abdeckt. Für Asien spricht das überlegene Wachstumspotenzial. „China und Indien werden in den kommenden 20 Jahren zu einem Konsumgütermarkt heranwachsen, der fünf Mal so groß ist wie der heutige US-amerikanische", meint Sönke Fanslow, Vorstand der Hansa Treuhand AG.

Viele Finanzvermittler halten sich bei Private Equity zurück, weil sie glauben - zu Unrecht, wie manche meinen - dass das Blind Pool Konzept heute vom Anleger nicht akzeptiert wird. Aber das Timing für Neuengagements scheint derzeit aus konjunkturellen Gründen sehr günstig. „In Rezessionsphasen aufgelegte Private Equity Fonds waren die erfolgreichsten Jahrgänge", erklärt Jürgen Raeke, Geschäftsführer der Hamburger Berenberg Private Capital.

In der Tat: Die Einstiegspreise sind jetzt günstig. Aber die Exitmöglichkeiten aus heutiger Sicht wenig verheißungsvoll. Börsengänge, die lukrativste Art, Gewinne bei nicht börsennotierten Unternehmensbeteiligungen zu realisieren, sind heute mit attraktiven Konditionen kaum denkbar.

(Dr. Leo Fischer)


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