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Holländische Bescheidenheit

Warum ABN AMRO im vergangenen Jahr keine Medienfonds platzierte und dennoch an diese Produktlinie glaubt

ABN AMRO zählte in 2000 mit einem platzierten Eigenkapital von über 100 Millionen Euro zu den Big Playern in Deutschland. Im vergangenen Jahr legte der deutsche Ableger der holländischen Muttergesellschaft keinen Medienfonds im Publikumsbereich auf. FINANZWELT sprach mit Richard Noordhof, ABN AMRO-Research und Hartmut Rodenwald, Vice President und verantwortlich für Medienfonds.

„Wenn nach unserer Einschätzung einem Investor nach realistischem Chancenszenario zuwenig verbleibt, raten wir ab.“

FINANZWELT: Der Verzicht auf einen Medienfonds legt die Vermutung nahe, dass Sie den Bereich geschlossene Fonds umgehen?

Hartmut Rodenwald: Mitnichten! Wir haben in den vergangenen 3 Jahren im Private Banking ein Fondsvolumen von rund 500 Millionen Euro platziert. Der Bereich geschlossene Fonds ist für uns sogar von großer Bedeutung.

FINANZWELT: Warum keine Medienfonds, gab es steuerliche Gründe?

Hartmut Rodenwald Auch das nicht, denn für die bisher durch unser Haus aufgelegten Fonds haben wir eine verbindliche Auskunft durch die Finanzverwaltung. Wir erwarten von dieser Seite daher keinerlei Störfaktoren. Übrigens auch nicht für die Zukunft, denn wir prospektieren auf der Basis des Medienerlasses und werden auch künftig schlüssig aufzeigen können, dass der Investor in hinreichendem Maße Produktionsrisiko trägt. Wir halten die Hysterie, Medienfonds könnten in den Sog der jüngsten BFH-Urteile kommen, für technisch nicht haltbar und überzogen.

FINANZWELT: Fakt ist aber, Sie haben im letzten Jahr keinen Medienfonds für das breite Publikum vertrieben. Warum?

Richard Noordhof: Unsere Fonds werden auf der Basis entwickelt: „Was können wir unseren Investoren verkaufen?” Und die im vergangenen Jahr möglichen Deals waren hinsichtlich Chancen und Risiken einfach nicht zu vermitteln. Anders ausgedrückt, es wurden die von unserem Haus vorgegebene Qualitätsvorgaben einfach nicht erfüllt.

FINANZWELT: Können Sie dies erläutern?

Richard Noordhof: Zum einen können wir nicht volles Risiko verkaufen. Zum anderen ist es Vorgabe unseres Hauses, dass man spätestens dann aus einem Markt aussteigen muss, wenn sich die Investition nicht mehr lohnt. Soll sagen: Wenn nach unserer Einschätzung einem Investor nach realistischem Chancenszenario zuwenig verbleibt, raten wir ab.

FINANZWELT: Was sind die Hintergründe dieser Entwicklung?

Hartmut Rodenwald : Der internationale Vergleich ist sehr hart geworden. Die Vertreter Hollywood‘s tauschen sich darüber aus, wer welche Deals zu welchen Konditionen mit wem macht. Zudem gibt es einen Unterschied zwischen normalem Accounting und Hollywood Accounting. Dies macht eine vertretbare Entscheidung für einen Partner nicht leichter. Insgesamt kann man auch festhalten, dass die Softcosts deutlich runter müssten. Sie sehen, es gibt viele Aspekte auf die wir eingehen.

FINANZWELT: Gibt es denn im laufenden Jahr einen Medienfonds made by ABN AMRO?

Hartmut Rodenwald : Auf der Basis unserer Qualitätsanforderungen haben wir durchaus Bedarf an guten Medienfonds, da diese Produktlinie insgesamt eine gute Nachfrage hat. Unsere Profis bestätigen mir, dass derzeit vier fondstaugliche Projekte in der Pipeline sind. Allerdings können wir nicht garantieren, dass wir uns hierfür entscheiden. Wir können aber dafür garantieren, dass ein von uns aufgelegter Fonds unsere Qualitätsvorgaben erfüllt.

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