Das Runde muss ins Eckige
Warum sich eine Bank als Partner eines Fußball-Vereins engagiert
Ohne Sponsoring geht bei den meisten Sportarten gar nichts mehr. Doch seit ein paar Jahren ist auch hier ein (neuer) Trend sichtbar. Finanzdienstleistungsunternehmen sponsern nicht einfach einen Verein. Nein, sie gehen eine strategische Partnerschaft mit ihm ein, indem sie Anhängern des Vereins „spezielle“ Fanprodukte anbieten
Vorreiter dieser neuen Art von Produkten war 2003 die HypoVereinsbank (HVB), die im Juli 2003 ihre Kooperation (vorab bis 2008 befristet) mit dem deutschen FußballrekordmeisterFC Bayern München bekannt gab. Schon drei Monate später kam das erste eigens für Bayern-Anhänger kreierte Sparprodukt, die FC Bayern Sparkarte, auf den Markt. Es folgten Produkte wie die FC Bayern MasterCard oder auch die FC Bayern ecKarte.
Auf die richtige Karte setzen. „Als Premium-Partner entwickeln wir exklusive Finanzprodukte für die Bayern-Fans", sagte einst Dieter Rampl, damaliger Vorstandssprecher der HVB Group, bei einem gemeinsamen Pressegespräch im Juli 2003 in München. „Die Partnerschaft dient der Bank, neues Geschäft zu generieren und die Erträge zu stärken", so Rampl weiter. Der Clou hinter der Geschichte: Die neuen Produkte werben mit Fanhoffnungen bzw. -wünschen. Ein Beispiel: Die FC Bayern Sparkarte, im Grunde die moderne Kartenform eines Sparbuches, bietet dem Kunden zunächst eine grundsolide Sparvariante an. Der Sparer erhält – zu den monatlichen Gewinnchancen auf attraktive Preise rund um den FC Bayern, wie Ehreneintrittskarten auf der Haupttribüne oder auch signierte Trikots – bei einer Einlage unter 2.500 Euro 1,15 % Grundverzinsung auf sein Kapital. Dieser Grundzinssatz steigt stufenweise je nach Geldeinlage. So erhöht sich der Zinssatz bei einer Einlage ab 2.500 Euro auf 1,55 %, ab 5.000 Euro auf 1,80 %, ab. 10.000 Euro auf 2,05 % bis auf maximal 2,65 % p. a. (bei mehr als 25.000 Euro Einlage). Zu diesem Grundzinssatz kommen nun die „Fan-Appetizer“ hinzu. So erhält der Bayern-Sparerfan für jedes zehnte erzielte Bundesligaheimtor zusätzlich 0,1 % p. a. Zinsen in der laufenden Saison bis zum 30.06. des Jahres. Wird der Verein dann sogar noch Meister, gibt es weitere 5 % für einen vollen Monat obendrauf. Da der FC Bayern München in der letzten Saison (2005/2006) 42 Heimtore (+ 0,4 %) erzielte und zudem Deutscher Meister wurde (einmalig 5 %), erhielt der „kleine Sparer“ (Einlage unter 2.500 Euro) 1,953 % Zinsen p. a.
Eines ist klar: Es gibt ganz gewöhnliche Sparkonten, die zahlen bedeutend mehr Zinsen ab dem ersten Euro. Und variable Faktoren wie Tore oder Meisterbonus können im worst case sogar zu keiner Zinssteigerung führen - es würde der Grundzinssatz bleiben. Dennoch überzeugte die FC Bayern Sparkarte inzwischen 130.000 Kunden. Im Gegensatz zur FC Bayern Kreditkarte ist demnach die Sparkarte bis dato ein Erfolg für die HypoVereinsbank.
Dieser Fanerfolgswelle zogen in den letzten Jahren schnell einige andere Bankinstitute nach. So entwickelten die Volksbanken Dinslaken, Gelsenkirchen-Buer und Westmünsterland die FC Schalke-VR-Sparcard (Juli 2005), die Volksbank Nürnberg entwickelte die FCN-VR-Sparcard (Oktober 2006) und die Sparda Bank die schwarzgelbe Karte – Borussia Dortmund. Alle Produkte nach dem gleichen Muster: Grundzinssatz je nach Einlage, dazu Zinsaufschlag entweder aufgrund geschossener Tore oder erzielter Punkte sowie diverse andere Fan-Schmankerls, wie Kartenverlosung, Autogrammstunden etc. Demnach sind „Fußballfinanzprodukte“ – trotz der sicherlich besseren Zinssätze auf gewöhnlichen Sparkonten – auf dem Markt angekommen. Hier sind gerade die Vereine interessant, die eine große Anhängerschaft besitzen, denn diese Fans bieten dem Vertrieb große Potenziale. So kann die Liebe zum Verein für manche Fans das weitaus größte Argument zum Abschluss einer Sparanlage sein. Somit eine interessante Vertriebsstrategie der Banken, die bis dato recht erfolgreich verläuft.
Der „klassische“ Weg
Den „klassischen“ Weg des Sponsorings geht derzeit noch die Augsburger Aktienbank (AAB). Die AAB engagiert sich seit Juni 2006 als Exklusivpartner beim Bundesliga-Zweitligisten Fußballclub Augsburg (FCA). Mit dem Exklusivsponsoring will die Bank das Bewusstsein der Kunden im regionalen Bereich für ausgewählte Bankprodukte sensibilisieren sowie die bundesweite Aufmerksamkeit erhöhen. Somit wäre dann auch die Basis zum geschäftlichen Erfolg geschaffen: ein weiteres Instrument für die Vermittlungspartner zur Kundenakquise, eine interessante Eventplattform für ausgewählte Geschäftspartner und Kunden sowie individuelle Produktangebote für FCA-Fans.
Die Augsburger sehen die „Fußball-Finanzprodukte“ von HypoVereinsbank und Co. kritisch. Bei der AAB sind solche Produkte, die sich am Erfolg des Fußballvereins orientieren (wie die Verzinsung an den Toren), derzeit nicht geplant. Dies sei laut Aussage AAB betriebswirtschaftlich schwer zu kalkulieren (Gewinn-Option) und mache damit die Produkte zu kompliziert und intransparent für den Kunden. „Mit unserer Aktion möchten wir in erster Linie unsere Nähe zum FC Augsburg und den Kunden ausdrücken, weniger den spekulativen Charakter, der sich nach einer Erfolgskomponente richtet“, heißt es im Haus der AAB.
(Marc Oehme)







