Wider das Stimmungstief
Warum sich Private Equity Beteiligungen immer noch anbieten
Insbesondere durch die Crashs am Neuen Markt bekommen Anleger schon mal die Empfehlung, die Finger auch von Private Equity zu lassen. FINANZWELT befragte hierzu Michael Oesterreicher, Vorstand der vc-Trust Venture Capital AG.
FINANZWELT: Sie haben u.a. durch Ihre Erfahrungen bei der Treuhand ein Gespür dafür entwickeln müssen, wie die gesamtwirtschaftliche Situation das Handeln der Menschen verändert. Auf der anderen Seite sind Sie Profi in der Bewertung von Unternehmen, kennen die Parameter, die einen Unternehmenskauf bzw. verkauf bestimmen. Das hat viel mit nackten Zahlen zu tun. Wie schätzen Sie die Stimmungslage derzeit ein und wo sind die Chancen?Oesterreicher: Der dramatische Verfall des Neuen Marktes und die damit verbundene Kapitalvernichtung führte bei vielen Kapitalanlegern zu einem massiven Vertrauensverlust. Dass damals fundamentale Bewertungsregeln beim Erwerb von Unternehmensbeteiligungen respektive Aktien außer Acht gelassen wurden und auch die Zugangsvoraussetzungen für Neuemissionen offensichtlich nicht den qualitativen Ansprüchen genügten, wollen heute viele der privaten Investoren und vermeintlichen Analysten nicht mehr wahrhaben. Aus Enttäuschung über die negative Marktentwicklung heraus haben sich daher viele Investoren aus dem Neuen Markt und seinem Umfeld vollkommen verabschiedet und damit die Vertrauenskrise im Neuen Markt beschleunigt. Für den antizyklisch denkenden Investor sehe ich aber gerade jetzt eine ausgezeichnete Perspektive, seine Renditechancen bei Erwerb von Unternehmensbeteiligungen zu erhöhen, da die Bewertungen und Kaufpreisvorstellungen sich auf sehr niedrigem Niveau einpendelten.
FINANZWELT: Wie wichtig ist denn der Neue Markt für VC-Unternehmen?
Oesterreicher: Für VC-Unternehmen ist der Neue Markt nur eine Möglichkeit, das für ihr Wachstum notwendige Kapital über einen Börsengang zu beschaffen. Für die Kapitalbeschaffung von jungen VC-Unternehmen gibt es eine Vielzahl von Finanzierungsalternativen, die in der Praxis eine viel größere Bedeutung als der Börsengang haben, so der Verkauf von Unternehmensbeteiligungen an industrielle Brancheninvestoren (Trade Sale). Für die nächsten ein bis zwei Jahre wird der Neue Markt für VC-Unternehmen wohl eher eine untergeordnete Bedeutung als Instrument zur Kapitalbeschaffung haben.
FINANZWELT: Die letzten anderthalb Jahre waren für viele Unternehmen Ihrer Branche ein Fiasko. Warum?
Oesterreicher: Zum Zeitpunkt der Börsenhysterie konnten die mit Venture Capital finanzierten Unternehmen ihre Visionen erfolgreich vermitteln. Getrieben von den ungebremsten Wachstumsperspektiven wurde eine Goldgräberstimmung auch unter den Unternehmensgründern ausgelöst, wodurch die finanziellen Ansprüche in Erwartung auf die erzielbaren Spekulationsgewinne nahezu verschwenderisch anstiegen. Der hohe Substanzverzehr führte bei vielen VC-Unternehmen aufgrund der häufig zu beobachtenden Selbstüberschätzung des Managements, fürstlichen Gehälter und fixen Tantiemen der Führungskräfte, des fehlenden Kostenbewusstseins und der mangelnden Anpassungsfähigkeit an veränderte Marktbedingungen spätestens dann in eine existenzielle Krise, als weiteres Eigenkapital nicht mehr in dem benötigten Umfang zur Verfügung stand. Mit der zunehmenden Verschlechterung der Eigenkapitalbeschaffung weitete sich die Krise immer mehr auch auf die bis dahin erfolgreichen Unternehmen aus.
FINANZWELT: Was für Voraussetzungen müssen Unternehmen erfüllen, damit Sie investieren?
Oesterreicher: Wir investieren in innovative Wachstumsunternehmen mit den Branchenschwerpunkten Medizintechnik, Umwelt und Sicherheitstechnologie sowie technologieorientierte Dienstleistungen. Für eine Investition sind für uns die vermarktungsfähigen Alleinstellungsmerkmale (Unique Selling Proposition) einer Idee oder eines Produktes, die Patentierfähigkeit bzw. der Patentschutz dieser Merkmale, die Plausibilität der Geschäftspläne sowie die Managementkompetenz von entscheidender Bedeutung. Die Chancen und Risiken einer möglichen Unternehmensbeteiligung werden iterativ im Prüf und Entscheidungsprozess analysiert, bewertet und gegebenenfalls durch zusätzliche Expertenmeinungen verifiziert. Erst wenn die sogenannte Due Diligence vollständig abgeschlossen ist, beginnen die Vertragsverhandlungen bezüglich des Erwerbs der Unternehmensbeteiligung. Ein unabhängiger Investitionsausschuss, der sich aus erfahrenen Mitgliedern der Bereiche Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammensetzt, entscheidet letztlich über die Aufnahme der Beteiligung in unser Portfolio.
FINANZWELT : Was bedeutet Basel II für die Zukunft der Risikokapitalgeber?
Oesterreicher: Die Risikokapitalgeber werden ihren Investitionsfokus auch auf mittelständische Betriebe in traditionellen Branchen ausrichten können. Die geringen Eigenkapitalquoten mittelständischer Betriebe und der bevorstehende Generationenwechsel mit den damit verbundenen Nachfolgeproblemen stellen für viele mittelständische Betriebe große Probleme dar, die mit externer Hilfe zu bewältigen sind. Für Risikokapitalgeber eröffnen sich dadurch als Berater und Eigenkapitalgeber neue Beteiligungsoptionen, sofern das Innovationspotential im Unternehmen entfaltet werden kann, um das Wachstum und die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
FINANZWELT: Immer wichtiger wird der Exit der Beteiligung. Welche Maßnahmen ergreifen Sie hier vor einer Investitionsentscheidung?
Oesterreicher: Für eine Investitionsentscheidung ist für uns die Verwertbarkeit der Technologie, der Dienstleistung oder Innovation unter Berücksichtigung des dafür notwendigen Kapitalbedarfs entscheidend. Dabei wird der Wertschöpfungsprozess in einzelne Phasen durch Präzisierung von Meilensteinen zerlegt. Jeder Meilenstein erhält ein Bündel von Maßnahmen und Leistungsvorgaben, die vom Unternehmen innerhalb einer bestimmten Periode zu erbringen sind. Erst wenn ein Meilenstein vom Unternehmen erreicht wurde, erfolgt die Freigabe der nächsten Tranche. Im Idealfall kann nach Erreichen des letzten Meilensteins eine Übernahme des Projekts durch den industriellen Partner erfolgen, der das Projekt seit Beginn der Beteiligung betreut hat.
FINANZWELT: Sie haben eine Art „Airbag für Anleger“ in Ihre Strategie integriert. Wie funktioniert der?
Oesterreicher: Derzeit sind bei den Kapitalanlegern Sicherheitskonzepte gefragt, die das Verlustrisiko einer Kapitalanlage beschränken, ohne die Gewinnchancen nennenswert zu beeinträchtigen. Mit dem gewerblich tätigen Pre-Select Beteiligungsfonds Nr.1 haben wir als Fondsinitiator einen Maßstab bei Kapitalanlagen gesetzt, attraktive Renditeperspektiven mit einem Airbag zu versehen, die im Falle eines Misserfolges sämtlicher Beteiligungsunternehmen bis zu 70 bis 80 Prozent des Anlegerkapitals absichern. Dabei investieren wir anfangs nur zur Hälfte in ausgewählte Zielunternehmen. Etwa 40 Prozent werden in einen oder mehrere Zero Bonds investiert, Anleihen deutscher Großbanken, die nicht periodisch, sondern einmalig zum Datum der Fälligkeit verzinst werden. So bleibt für die besonders schwierige Anfangsphase des Fonds ein Sicherheitspolster, das erst nach erfolgreichem Verkauf der Portfolio-Unternehmen sukzessive aufgelöst und in weitere Beteiligungen investiert wird. Nach spätestens sechs Jahren soll das Polster aufgelöst und investiert sein. Durch den Kapitaltransfer vom Zero-Bond in weitere Portfolio-Unternehmen hat der Kapitalanleger die Chance an den höheren Gewinnperspektiven zu partizipieren. Darüber hinaus ist der Zero-Bond Teil des Betriebsvermögens, wodurch die Erträge am Ende der Laufzeit für den Anleger auch noch steuerfrei wären.
(Michael Oesterreicher)







