Investmentprodukte
Was ist „in“, was ist „out“?
© Foto: proffelice - Fotolia.comDie Verunsicherung der Investoren in der Eurozone hält an und wird uns auch im kommenden Jahr auf Trab halten. Ein Anzeichen dafür sind die steigenden Renditen für Staatsanleihen der Mittelmeeranrainer. Eine erhöhte Schwankungsintensität ist seit Wochen zu bemerken. Welche erfolgversprechende Konzepte müssen jetzt gespielt werden? Wir fragten nach und kamen zum Ergebnis, dass vermögensverwaltende Fonds, ausgesuchte Edelmetalle und eine breite Risikostreuung, die die Bedeutung der Schwellenländer repliziert, gefragt sind und bleiben.
Spätherbst 2011: Klaus Kaldemorgen, einer der renommiertesten Fondsmanager, stellt die Investoren auf harte Zeiten ein. Die Ökonomien der westlichen Industriestaaten werden kaum steigen, demzufolge bleibt auch hohes Wachstum bei den Geldanlagen aus. Die Prognosen sind mager, das ist Gift für die Kapitalmärkte, weil ein geringes Wachstum die Gewinnaussichten der Unternehmen schmälert.
Die andauernde Volatilität – Schwankungsintensität der Aktienkurse – bewirkt, dass viele Investoren sich zurückziehen. Fast jeder Anleger dürfte in diesem Jahr auch Verluste eingefahren haben. Die Atomkatastrophe von Fukushima im Frühjahr, die kürzliche Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie die alles dominierende europäische Staatsschuldenkrise führten zu vielen Richtungswechseln an den Finanzmärkten. Ein einheitlicher Trend ist kaum zu erkennen. „Gewinnmitnahmen – wo machbar – und hohe Cash-Bestände sind kennzeichnend“, skizziert Alfred Kaiser, Leiter Investment Research/Fonds Advisory der BCA AG, die momentane Situation. „Die Schlagwörter für Anlagekonzepte im kommenden Jahr sind: Global, flexibel, aktiv“, ergänzt John-Enrik Schröder, Vorstand bei Jung, DMS & Cie. AG.
Mehr denn je zuvor ist der Vertrieb angehalten, Produktkonzepte
zu pushen, die auch mittelfristig noch ertragsreich sind.
Die Zeit der vermeintlich einfachen Lösungen „Nur Aktien“,
„Nur Renten“ sind vorbei.
Gold, Silber und Nordische Währungen als Beimischung. Eine repräsentative Studie der Postbank in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach hat ergeben, dass im Zuge der Finanzkrise inzwischen fast jeder Dritte Berufstätige Goldbarren oder -münzen für eine besonders sichere Altersvorsorge hält. Der Terminus „Sicherheit“ ist hierbei arg strapaziert und könnte für Verwirrung bei den Investoren sorgen. Der sicher eingestufte Hafen Gold hat seit dem Rekord bei 1.900 Dollar rund 6 % verloren. Von seinem Tiefpreis Ende September bei rund 1.600 Dollar konnte sich das Edelmetall zwar erholen, aber ein absolut sicherer Hafen ist Gold nicht mehr, der Automatismus stetig steigender Notierungen ist seit dem Spätsommer widerlegt. Dennoch hat das Edelmetall eine enorme Ausstrahlung und Anziehungskraft, wie eine weitere aktuelle Studie der Steinbeis-Hochschule Berlin belegt. Demzufolge taugt Gold als Beimischung fürs Depot, ist aber gleichwohl mit Risiken behaftet. „Wer Edelmetalle als Spekulationsobjekt betrachtet, sollte sich des Risikos bewusst sein. Die Nachfrage auf unserer Edelmetallplattform nimmt jedenfalls weiterhin zu“, stellt Schröder fest. „Gold und Silber spielt bei uns bereits seit zwei Jahren eine wichtige Rolle in der Asset Allocation, und wir empfehlen unseren Kunden eine Beimischung im Depot“, bemerkt Christian Hammer, Leiter des Investmentbereichs bei der Netfonds Gruppe. Ähnlich äußert sich Frank Huttel, Leiter Portfoliomanagement, FiNet Asset Management AG, und ergänzt, dass insbesondere die Nachfrage nach physischem Gold weiterhin „bullish“ sei.
In diesem Zusammenhang schließt sich eine nächste Frage an. Wie sieht es momentan und künftig mit Währungsgeschäften aus? Devisen-Spekulanten haben oftmals das Währungspaar Euro/Dollar im Visier, gleichwohl unsere Gemeinschaftswährung in den vergangenen Wochen wieder etwas schwächelte. Als Hort der ungebrochenen Stärke bot sich der Schweizer Franken an. Bis zum August dieses Jahres gewann der Franken zum Euro ständig an Wert, Experten sprachen sogar schon vom Pari der Wechselkurse. Die Interventionsankündigungen der Schweizer Notenbank sorgten für eine Aufwertung des Euros, und die Entscheidungsträger in Bern sind sich darüber im Klaren, dass die Frankenstärke eingedämmt werden muss. Lohnenswert könnte nun ein Blick Richtung Norden sein – Skandinavien ist „in“. „Fondsprodukte in Skandinavischen Währungen werden immer noch nachgefragt. Gutes Beispiel hierfür ist der Nordea Norwegian Bond Fund“, stellt Kaiser klar. Ein Umdenken scheint hier stattzufinden und der (neue) Trend zur Währungsallokation könnte auch mittelfristig für Investoren interessant erscheinen.
Vermögensverwaltende Fonds bleiben Absatzlieblinge. Die meisten Fonds lehnen sich bei ihren Investitionen einer bestimmten Benchmark an und riskieren im Zweifelsfall, dass sie zusammen mit dem Vergleichsmaßstab sehr stark einbrechen können. Vermögensverwaltende Fonds (VV-Fonds) bieten den Vorteil, nach einer klar definierten Strategie zu investieren, und zwar losgelöst von einer Benchmark. Vermögensverwaltende Fonds erhöhen in Phasen steigender Kurse den Aktienanteil und senken ihn in Phasen fallender Kurse. So erwirtschafteten VV-Fonds langfristig ordentliche Erfolge und bewahren die Investoren in Zeiten schwächerer Märkte vor größeren Verlusten. „Der Bereich der VV-Fonds steht klar im Fokus. Hier etablieren sich Fondsgesellschaften mit einer klaren Anlagephilosophie“, erklärt Hammer. Keine Einzelmeinung, auch im Hause BCA lässt sich der Trend weg von Long Only Aktienfonds hin zu vermögensverwaltenden Produkten ablesen. Entsprechende Produkte der Anbieter Carmignac, Blackrock und Bantleon seien in diesem Kontext zu nennen, so Kaiser. „Die fondsgebundene Vermögensverwaltung mit nachvollziehbaren Strategien zur Verlustbegrenzung, wie in der Patriarch Select Fondsvermögensverwaltung Trend 200, werden im Investmentfonds-Bereich unseren Schwerpunkt der Vertriebsunterstützung bilden“, stellt Schröder klar. Die Konzepte unterscheiden sich dabei stark.
Ein einheitlicher Trend Richtung Wachstumsmärkte zeichnet sich bei allen Befragten ab. Exemplarisch kommentiert Huttel wie folgt: „Der Fokus verschiebt sich kontinuierlich in Richtung der Wachstumsmärkte (BRIC, Next 11). Allerdings sind die Anteile an den Wertpapierportfolios immer noch zu niedrig. Dies wird sich aber ändern.“ Im Zuge der neuesten Finanzkrise kamen insbesondere Staatsanleihen der Schwellenländer unter die Räder. Allerdings hat diese Anlageklasse zuletzt wieder Zuflüsse verbucht, wenngleich auch deutlich weniger. Für strategisch denkende und längerfristig orientierte Investoren, die ausreichend risikobereit sind, könnte sich daher bei Emerging Markets Anleihen noch immer eine gute Gelegenheit zum Einstieg bieten.
Fazit. Volatilität ist und bleibt ein zentrales Thema. Allein im zweiten Halbjahr 2011 schwankte der DAX zwischen rund 7.500 und 5.000 Punkten. Nach dem Absturz um über 30 % ist er seit Mitte September wieder auf rund 6.000 Zähler geklettert. Diese Schwankungsintensität prägt das Investorenverhalten und die Vertriebsausrichtung. Sie erfordert Vermögensverwaltungskonzepte, die schnell und flexibel auf Chancen und Risiken reagieren. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sicherheitsorientierte Konzepte und eine breite Diversifikation (beispielsweise Multi Asset Produkte) vermehrt nachgefragt werden, auch im kommenden Jahr. Des Weiteren wird sich der Trend weg von den Geldwerten hin zu Sachwerten verstetigen.
(Alexander Heftrich)







