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Stetiger Fluss sorgt für gute Gewinne

Wasserinvestments

Beim Anlagethema Wasser überschneiden sich zwei wichtige Investmenttrends: Nachhaltigkeit und Ökologie verbinden sich mit den Perspektiven und Bedürfnissen der Emerging Markets.

Wie eng diese beiden Trends verflochten sind, lässt sich nicht zuletzt an der letzten großen deutschen Katastrophe ablesen: Die Hamburger Cholera-Epidemie kostete 1892, mitten in der Industrialisierung vor dem Ersten Weltkrieg, etwa 8.000 bis 9.000 Bürger das Leben. Ursache war das Trinkwasser.
Der Volksmund lobte seinerzeit die Qualität des städtischen Angebots ironisch als „Fleischbrühe“, wegen des reichhaltigen Zusatzes von Mikroorganismen. Allerdings lag die Zahl der Todesopfer im benachbarten, damals noch preußischen Altona bei weniger als einem Zehntel. Die Grenze zwischen Hamburg und Altona konnte man anhand der Todesfälle durch den Stadtplan ziehen. Der Unterschied: Das Altonaer Wasser wurde gefiltert, die Hamburger Stadtväter wollten sparen.

Sauberes Trinkwasser ist kein Luxusgut – und doch steht es auch heute noch etwa 20 % der Weltbevölkerung nicht zur Verfügung. Auf eine Abwasseraufbereitung warten sogar 2,5 Mrd. Menschen. Der Vergleich der Verbrauchsstrukturen zeigt den Zusammenhang zwischen Wasserverbrauch und wirtschaftlicher Entwicklung noch deutlicher: Der durchschnittliche Wasserverbrauch liegt in den westlichen Industrieländern bei erstaunlichen 3.500 Liter pro Kopf und Tag, wobei davon nur 10 % direkt verbraucht werden. Der Rest ergibt sich aus der Zurechnung von Anteilen pro Kopf aus dem Verbrauch der Industrie (fast 60 % des Gesamtverbrauchs ) und der Landwirtschaft (rund 30 %). Diese enormen Wassermengen sind Voraussetzung unseres Lebensstandards. Die Produk - tion von einem Kilo Mehl schluckt etwa 1.000 Liter Wasser, für ein Kilo Fleisch braucht es sogar rund 5.000 Liter. In den Entwicklungsländern liegt das Volumen pro Kopf weit niedriger, in Afrika bei mageren 720 Litern, also kaum mehr als 20 % des Verbrauchs in den Industrieländern. Davon gehen über 80 % in die Landwirtschaft, die schwache Industrie schlägt sich in einem geringen Verbrauchsanteil nieder mit 10 %.

Aus Investorensicht ergibt das spannende Perspektiven für die Aktien der Lieferanten von Anlagen und Technik und natürlich auch für entsprechend anlegende Investmentfonds. Das kräftige Wirtschaftswachstum in der Dritten Welt schafft einen steigenden Bedarf, weil der Nachholbedarf bei Haushalten wie Unternehmen groß ist. Und nicht nur in der Dritten Welt liegen Chancen: In den USA und Europa sind die Anlagen vielerorts überaltert. Die Verluste durch Lecks reichen bis zu 20 %, die Anlagen entsprechen nicht mehr dem Stand der Technik. Noch problematischer ist die Abwasserreinigung, die mit dem technischen Fortschritt mithalten muss: Neue Stoffe im Abwasser erfordern immer wieder neue Reinigungsverfahren. Die Nachfrage nach moderner Technik und neuen Anlagen wird also stetig bleiben. Die Aktien der Anlagenbauer und Lieferanten von Technik und Know-how rücken in den Fokus.

Allerdings liegt hier auch ein spezielles Problem, das schon die Hamburger zu fühlen bekamen: Staatliche Instanzen dominieren unter den Nachfrager im Markt für die Wasseraufbereitung. Damit unterliegt der Markt politischen Zyklen und dem Diktat des Wasserstands in den staatlichen Kassen: Wo der politische Wille oder die finanzielle Potenz zur Anschaffung nicht vorhanden ist, wird eben auch kein Geschäft gemacht, wie immer der physische Bedarf aussehen mag. Dennoch findet sich hier eines der interessantesten aktuell betriebenen Investmentkonzepte.


FINANZWELT im Gespräch

Interview mit Rainer Ottemann, Zentraler Fondsvertrieb - Asset Management KBC Bank Deutschland AG

FINANZWELT: Aus welchen Gründen hat Ihr Haus auf die Einschaltung einer spezialisierten, externen Rating-Agentur wie etwa Oekom-Research verzichtet?

OTTEMANN: KBC Asset Management gehört zu den ersten Finanzinstitutionen mit einer eigenen SRI (=Socially Responsible Investment)-Researchabteilung. Als Pionier in diesem Bereich verfügt sie über eine 15-jährige Erfahrung. Zudem nutzt KBC die Datenbank EIRIS, eine anerkannte Organisation aus dem angelsächsischen Raum. Es wird ein automatisiertes Screening von ca. 2.700 Aktiengesellschaften basierend auf unabhängigen Daten der Firma EIRIS durchgeführt.

FINANZWELT: Ihren Unterlagen zum Wasserfonds zufolge spielen politische Maßnahmen eine wesentliche Rolle für die Entwicklung der relevanten Märkte. Sehen Sie von dieser Seite her Risiken wie sich ändernde Mehrheiten, veränderte Machtkonstellationen u. Ä. m.?

OTTEMANN: Politische Maßnahmen, wie z. B. die Geld- und Zinspolitik der Zentralbanken, nehmen starken Einfluss auf die Märkte. Die globalen Konsequenzen lassen sich daran festhalten, dass das Finanzsystem derzeit sehr anfällig reagiert. Wir haben in unseren Eco- Fonds so genannte SRI-Minimumkonditionen definiert, welche u. a. die ökonomische Politik und deren Einflussnahme sowie Strategie/ Entwicklung durchleuchten.

FINANZWELT: Ein Vergleich mit einschlägigen Indizes zeigt, dass der KBC-Wasserfonds trotz spezieller Ausrichtung vom Ergebnis her mindestens gleichwertig mit konventionellen Fonds ist. Teilen Sie diese Interpretation?

OTTEMANN: Die Investitionssummen, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten allein in die globale Infrastruktur sowie die Wasseraufbereitung investiert werden müssen, belaufen sich auf mehrere 100 Mrd. Euro. Wir sehen keinen Kompromiss zwischen sozialem nachhaltigen Handeln und Rendite. Auch durch die Dringlichkeit des Themas „Wasser" werden sich weiterhin attraktive Renditechancen ergeben. Die Branche im Bereich Nachhaltigkeit wird wieder schneller wachsen als der MSCI World, ist dabei aber auch deutlich volatiler.

(Martin Klingsporn)


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