Dread Disease Policen
Wenn der Krebs besiegt

Jeder kennt in seiner Familie jemand, den das Leben aufgrund eines Herzinfarkts oder einer Krebserkrankung gebeutelt hat. Zur finanziellen Absicherung in diesem Fall der Fälle ist die Dread Disease Police bis heute ein oft unterschätztes Produkt.
Jährlich erkranken 395.000 Menschen an Krebs, 276.000 an Herzinfarkt und 200.000 an Schlaganfall. Nicht nur ältere Menschen sind davon betroffen - nein, auch jüngere Menschen (33 % zwischen 31 und 40 Jahren, 34 % zwischen 41 und 50 Jahren) werden von schweren Krankheiten heimgesucht. Soweit die negative Nachricht! Immer mehr Menschen in Europa werden jedoch vom Krebs geheilt. Das zeigt nach Angaben der European Cancer Organisation (ECCO) ein Vergleich von Heilungsraten aus den Zeiträumen 1988 bis 1990 und 1997 bis 1999. Besonders bei Lungen-, Magen- und Darmkrebs konnte eine Steigerung der Rate verzeichnet werden. So stieg der Anteil der vollständig geheilten Patienten bei Lungenkrebs von 6 auf 8 %, bei Magenkrebs von 15 auf 18 % und bei Darmkrebs von 42 auf 49 %.
Dank der Fortschritte in der modernen Medizin sind die Chancen, solch schwere Krankheiten zu überleben, laut aktuellen Studien glücklicherweise in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. Fakt ist jedoch, dass die meisten Menschen, die eine schwere Krankheit besiegt haben, zukünftig ihr Leben umgestalten müssen - auch verbunden damit, in ihrem Beruf kürzer treten zu müssen. Doch: Welcher selbstständige Finanzdienstleister, Arzt, Anwalt oder welches allein verdienende Familienoberhaupt kann es sich leisten, mit 45 Jahren ein Jahr lang nicht zu arbeiten, stattdessen von einer Reha-Maßnahme zur nächsten weitergeleitet zu werden, eventuelle Umbaumaßnahmen im Haus durchzuführen und zudem beruflich kürzer zu treten? Schließlich fallen die monatlichen fixen Kosten - wie Haus, Nahrung, Kredite, etc. - weiterhin an.
Genau aus diesen Gründen dient hierfür als passende Vorsorgemöglichkeit die Dread Disease Versicherung, auch Schwere Krankheiten Vorsorge genannt. Sie leistet, sobald eine vorher vertraglich definierte Krankheit diagnostiziert wurde. Der übliche, beispielhafte Ablauf ist dabei schnell und knapp beschrieben: Der Kunde oder Vermittler informiert den Versicherer formlos über den Schadenfall (z. B. telefonisch), der Anbieter fordert die zur konkreten Prüfung benötigten Unterlagen und Informationen an (Fragebogen zum Ereignis und Anforderung vorhandener Arztberichte). Anhand der dann eingereichten Unterlagen wird geprüft, ob die bedingungsgemäßen Leistungsvoraussetzungen (Definition der versicherten Erkrankung gemäß Versicherungsbedingungen) für einen Leistungsfall vorliegen. Ist der Anspruch berechtigt, sind also die Voraussetzungen erfüllt, wird die vereinbarte Versicherungsleistung an den Bezugsberechtigten ausgezahlt. Der Nachweis einer schweren Erkrankung erfolgt also grundsätzlich und vereinfacht durch einen Facharztbericht, aus dem das Vorhandensein einer versicherten schweren Erkrankung, die durchgeführte Diagnostik und erhobene Befunde hervorgehen. „Die Leistungsregulierung funktioniert bei diesem Produkt im Vergleich zur BU-Versicherung sehr viel zeitnäher, da bereits in den Versicherungsbedingungen klare leistungsauslösende Deckungselemente beschrieben sind", so Maike Maaßen, Bereichsleiterin Produktmarketing Gothaer Allgemeine Versicherung AG, die gemeinsam mit der Tochtergesellschaft Fingro AG im Dread Disease Markt tätig ist.
Dennoch tut sich der Vermittler schwer, diese Absicherung seinen Kunden anzubieten. Die Vermittlung stockt sogar gegenüber den letzten Jahren. Siegfried Naumer, Geschäftsführer der Eurenta - Europäische Vermögensberatung sieht vor allem zwei Gründe, warum sich das Produkt aus seinem derzeitigen „Nischendasein" nur schwer befreien kann. „Das Dread Disease Konzept ist im Vergleich z. B. zur Unfall- oder BU-Thematik kein auf dem deutschen Markt historisch gewachsenes Produkt und daher vielen Verbrauchern schlichtweg immer noch weitgehend unbekannt." Außerdem trifft der Berater beim Kunden gerade zum Thema „schwere Erkrankungen" häufig auf eine latent vorhandene, eher unspezifische innere Ablehnung - mit der leidigen Konsequenz, dass der Kunde von Grund auf sich nicht mit den möglichen und realen Gefahren auseinandersetzen will. Stattdessen beruhigt er sich nur allzu gerne mit dem Argument, dass es ihn selbst schon nicht treffen wird. So favorisieren einige Vertriebe auch eher die Berufsunfähigkeitspolice statt der Schwere Krankheit Vorsorge. Da die beiden Policen völlig unterschiedliche Bedürfnisse abdecken, versuchen manche zudem noch das BU-Produkt mit einem Dread Disease Baustein zu koppeln. „BU-Policen mit Dread Disease Baustein bieten oft nur eine minimale Absicherung gegen schwere Krankheiten und können eine reine Dread Disease Police nicht ersetzen. Gerade bei bestimmten Berufen wie Akademikern oder generell nicht handwerklich tätigen Personen ist es sehr schwer, berufsunfähig zu werden. Und wenn doch eine Berufs- oder Erwerbsminderung auftritt, dann meist durch die in der Dread Disease Absicherung versicherten Krankheiten wie Herzinfarkt, Krebs oder Schlaganfall ausgelöst. Aus unserer Sicht ist es sinnvoller, sich gegen die Ursache und nicht gegen die Folge abzusichern", erklärt Günther Soboll, Hauptbevollmächtigter der Canada Life Europe für Deutschland. Und Sven Enger, Vertriebschef der Skandia Lebensversicherung in Berlin, ergänzt: „Bei schweren Erkrankungen steht der Genesungsprozess im Vordergrund. Und dazu gehört die Sicherung der finanziellen Handlungsfreiheit. Eigenständige Dread Disease Policen mit einem umfangreichen Leistungskatalog bieten hier sicherlich den bedarfsgerechteren Risikoschutz."
Kritiker der Schweren Krankheiten Vorsorge beanstanden, dass manche Krankheiten wie psychische oder Wirbelsäulenerkrankungen nicht abgesichert wären. Zunächst ist dabei fraglich, ob es sich bei diesen Mängeln um schwere Krankheiten im klassischen Sinne handelt. Zudem besteht die Möglichkeit, sie bei der Mehrzahl von Anbietern im Rahmen von Zusatzbausteinen - auch eine reine Erwerbsminderungsabsicherung ist wähl bar - abzusichern. De facto ein sinniges Produkt, das jedoch aufgrund der relativ hohen Beiträge wohl nicht jeder Gruppe vermittelt werden kann.
(Marc Oehme)







