Alles muss raus!
Wie reagiert die Assekuranz auf die Herausforderung ab 2005?
Bis Ende dieses Jahres locken die Lebensversicherer noch mit steuerfreien Erträgen. Ist es in jedem Fall sinnvoll, jetzt noch schnell eine Lebensversicherung abzuschließen und wie reagiert die Assekuranz auf die gewaltige Herausforderung 2005? FINANZWELT gibt darüber einer Überblick.
>Verklärter Blick zurück
Fast könnte man meinen, bei der Entwicklung der Lebensversicherung sei es wie bei der berühmten Sahne-Bonbon-Werbung, in der ein älterer Herr einen kurzen Monolog hält, der mit „Nie werde ich den Tag vergessen, als mein Großvater mir das erste Bonbon schenkte“ anfängt und mit „Jetzt bin ich der Großvater – und nichts anderes würde ich meinem Enkel schenken als dieses Bonbon“ endet. Fast könnte man es meinen. Denn nachdem Finanzminister Eichel 1999 noch zurückgehalten wurde, wird es nun bittere Realität: Ab 1. Januar 2005 verliert das hier zu Lande am meisten verkaufte Altersvorsorgeprodukt weitgehend seine Steuerprivilegien. Aus diesem Grunde herrscht bei den Lebensversicherern derzeit Schlussverkaufsstimmung. Selten hat eine Branche so aggressiv geworben, noch schnell eine Police abzuschließen. Mittels eines gewaltigen Werbeaufwandes wollte bzw. will man auch den Letzten davon überzeugen, wie wertvoll es doch ist, noch in diesem Jahr tätig zu werden.
Fakt ist, dass derzeit drei Viertel derjenigen, die fürs Alter privat vorsorgen, eine private Lebensversicherung abgeschlossen haben, jedoch 35 Prozent aller Deutschen überhaupt nicht für das Alter sparen. Ebenso kursieren bereits seit Wochen Zahlen über die drastische Zunahme der Stornoquoten bei Lebensversicherungspolicen. Schuld sei, nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK), die große Verunsicherung, beispielsweise bei Arbeitslosigkeit durch Hartz IV. Auch die anstehende Gesundheitsreform sehen einige Versicherer als „Knackpunkt“. Daher rechnet der BVK alleine für dieses Jahr mit ca. 50.000 bis 70.000 frühzeitigen Kündigungen bei Lebensversicherungspolicen – und das, wo das Jahr 2004 eigentlich ein Rekordjahr für die Versicherungswirtschaft werden sollte. Noch im Juli erwarteten einige Anbieter einen Zuwachs von 10 bis 20 Prozent bei den Prämieneinnahmen.
Die Realität sieht anders aus. Zwar sehen einige Anbieter ein Anziehen des Neugeschäfts, so z.B. die AMB Generali – die Nummer drei im deutschen Lebensversicherungsmarkt –, das Geschäft ist aber laut Walter Thießen, Konzernchef bei der AMB Generali, „keineswegs vergleichbar mit 1999“. Dies bestätigen viele Versicherer, denn trotz des „Lockrufes der Steuerersparnis“ und immensen Werbemaßnahmen – allein die Allianz warb mit zwei Millionen Briefen, in Anzeigen, Fernsehen und Radiospots – schließt dennoch nicht die erhoffte Anzahl von Versicherten eine Police ab. Als Nachteil der Lebensversicherung werden dabei die hohen Kosten genannt – im Durchschnitt werden nur 70 bis 80 Prozent der gezahlten Versicherungsprämien angelegt, die restlichen Prämien werden unter anderem für Verwaltungskosten und Risikoschutz benötigt. Weiterhin ist der hohe Verlust bei frühzeitiger Kündigung oder Verkauf der Lebensversicherung ein beachtliches Gegenargument gegen den Kauf einer Lebensversicherung. So beschreibt der Verbraucherschutz die Lebensversicherung als ein Produkt „mit vielen Haken und Ösen, das nicht für jeden das richtige Vorsorgeprodukt ist.“
Doch mit der Einführung des Alterseinkünftegesetzes und deren steuerlichen Auswirkungen hat die Politik die klare Aussage getroffen, nämlich dass die gesetzliche Rentenversicherung alleine nicht mehr ausreichend ist und jeder Bundesbürger private Altersvorsorge betreiben sollte – nur diese will gut geplant sein!
Versicherer, Fondsgesellschaften und Vertriebe stecken in einer paradoxen Situation. Auf der einen Seite müsste eine große saftige „Altersvorsorge-Wiese“ entstehen. Denn zum einen hat die Politik der Assekuranz zunehmend mehr Aufgaben zugeteilt – die bis dato Angelegenheit der Renten- und Krankenkassen waren. Zum anderen hat es die Bevölkerung verstanden, dass es zumeist ohne private Vorsorge nicht mehr geht. Man müsste die Wiese nur noch mähen! Aber der Motor der Traktoren scheint zu streiken, denn es herrscht bei einigen Anbietern eine große Verunsicherung. Vier Jahre nach Beginn der Aktienkrise, die sowohl Fonds als auch Lebensversicherer schwer beutelte, haben manche Unternehmen immer noch nicht richtig Tritt gefasst.
>Wo Lebensversicherung 2004 Sinn macht
Lapidar gesagt: Wer schon immer eine Lebensversicherung haben wollte, der sollte noch 2004 unterschreiben. Sofern der gut verdienende und sich in einer stabilen beruflichen Position befindende, seinen Sparerfreibetrag schon ausschöpfend nutzende Angestellte einen guten Versicherer mit einer brauchbaren Verzinsung findet, ist die Lebensversicherung auf jeden Fall eine sinnvolle Anlage. Die Steuerersparnis alleine jedoch stellt hinsichtlich der langfristigen zeitlichen Einschränkung und des eventuell späteren Verkaufs kein Argument dar. Des Weiteren können diverse Gruppen der Bevölkerung aufgrund familiärer oder finanzieller Verhältnisse den Steuervorteil gar nicht ausnutzen.
Für Selbstständige und Höherverdienende könnte sich eine Lebensversicherung ebenfalls lohnen. Höherverdienende profitieren von steuerfreien Kapitalerträgen – bei großen Verträgen lassen sich beträchtliche Steuern sparen – und Selbstständige können darüber hinaus noch einen Teil als Sonderausgaben von der Steuer absetzen.
>Bessere Alternativen
In aller Munde ist derzeit die „Rürup-Rente“. Sie stellt das Herzstück des neuen Alterseinkünftegesetzes dar. Im Grunde ist sie nichts anderes als eine einfache Leibrente, bei der eine lebenslange monatliche Zahlung im Alter garantiert wird. Durch die strikten Einschränkungen – nicht kapitalisierbar, nicht vererbbar, nicht veräußerbar und nicht verleihbar – ist sie absolut unflexibel. Sie muss von den Gesellschaften nahezu als einziges Produkt komplett neu entwickelt werden. Sie ist allerdings eine Hartz IV geschützte Versicherung, da sie nicht in Kapital umgewandelt und schon gar nicht an einen Dritten übertragen werden kann.
Inhaltlich wird sich hinter dieser Produktbezeichnung, laut Dr. Hans Löffler – Vorstandsvorsitzender der Aspecta Global Group AG und Mitglied im Vorstand der Talanx AG – „eine klassische oder fondsgebundene Rentenversicherung verbergen, die bei vielen Gesellschaften zusätzlich mit einem Hinterbliebenenschutz und einem Schutz bei Berufsunfähigkeit ausgestattet sein wird. Da der Gesetzgeber es zulässt, rund die Hälfte der Beiträge für eine Zusatzversicherung aufzubringen, sind Produktmodelle sinnvoll, die diesen notwendigen Schutz der geförderten Rürup-Linie anbieten, allerdings ist eine Absicherung der Hinterbliebenen im Sinne von Vererbbarkeit der Rente absolut ausgeschlossen“, so Dr. Hans Löffler weiter.
>Rürup-, Riester- oder welche Rente?
Dementsprechend reagieren die Lebensversicherer: Die Allianz sieht mit der zum Jahreswechsel angebotenen Allianz BasisRente, die den Anforderungen der Rürup-Rente entspräche, eine sehr gute Chance auf dem völlig neuen Markt „Rürup“ eine führende Position einzunehmen. Auch die WWK Lebensversicherung a.G. wird mit der WWK BasisRente eine Leibrentenversicherung á la Rürup in zwei Varianten (klassisch und fondsgebunden) herausbringen.
In der zweiten Schicht hat die WWK ihr „Riesterprodukt“, die WWK Förder-InvestRente, den neuen Erleichterungen angepasst. So sind Riester-Banksparpläne nach Angaben der Stiftung Warentest sicher und lukrativ. Der Kunde muss künftig nur noch einmal einen Dauerzulagenantrag stellen, ferner hat er die Option einer 30-prozentigen Teilkapitalisierung.
Bei der Riester-Rente zahlt der Staat feste Zuschüsse – mindestens zwei Prozent des Einkommens oder maximal 1.050 Euro können Angestellte steuerfrei in Riester-Produkte anlegen. Bei hohen Progressionssätzen von Höherverdienenden eine lohnenswerte Alternative. Ab 2006 steigt der Höchstfreibetrag auf 1.575 Euro, die Mindestanlage auf drei Prozent. Dazu kommt ein staatlicher Zuschuss von 76 Euro je Sparer plus 92 Euro je Kind. Jedoch muss auch gesagt werden, dass in den letzten zwölf Monaten bis Ende September 2004 die deutschen Fondsgesellschaften gerade einmal 78.000 neue Riester-Verträge abgeschlossen haben – insgesamt konnte die Branche damit bisher nur gut 313.00 Sparpläne unter Dach und Fach bringen. Ob es zu einem Boom ab 2005 kommen wird, ist daher mehr als fraglich.
>Was ist denn jetzt der Zukunftsmarkt?
Der Zukunftsmarkt wird betriebliche Altersvorsorge heißen. Die drittgrößte deutsche Versicherungsgruppe, die Talanx Gruppe, hat hierzu eigens die hauseigene bAV-Kompetenz in der HDI Pensionsmanagement AG gebündelt. Auch andere Anbieter setzen verstärkt auf diesen Markt. Einige Experten argumentieren dabei, dass der Abschluss einer Direktversicherung bis zum 31.12.2004 mehr Priorität hätte, als der Abschluss einer Lebensversicherung. Sie ist die wohl attraktivste Variante einer Kapitallebensversicherung. Über den Arbeitgeber zahlt der Arbeitnehmer bis maximal 1.752 Euro ein. Diese werden nur zu 20 Prozent versteuert und sind bei späterer Auszahlung steuerfrei. „Das lohnt sich für die, die mehr als 30 Prozent Spitzensteuersatz haben“, sagt Versicherungsexperte Rüdiger Falken. Bei der Direktversicherung schlägt neben der günstigen Steuer auch zu Buche, dass die Anbieter weniger Kosten von Beiträgen abziehen als bei einer Kapitallebenspolice: durchschnittlich 14 Prozent statt 17 Prozent – so Branchenkenner. Diese Vorteile gelten ab 2005 nicht mehr – dann gilt die Rente daraus als steuerpflichtiges Einkommen.
Eine fondsgebundene Versicherung hat den großen Vorteil für den Versicherten, dass er sich aus 40 bis 50 Produkten auswählen kann, in welche Anlagestrategie er seine eingezahlten Beiträge investierten möchte. Wer dabei auf Aktien setzt, kann seine Rendite erhöhen – jedoch gegen geringere Steuervorteile, denn auch bei einer Direktanlage in Aktienfonds ist die Steuerbelastung oft nicht sehr groß. Jedoch ist die Flexibilität als Vorteil zu nennen, genauso wie die Möglichkeit des jederzeitigen Verkaufs.
Versicherer haben ebenfalls die Möglichkeit den Kunden, die sich nicht lange binden wollen, eine so genannte 5+7 Police anzubieten. Einfach gesagt: Für 5 Jahre zahlen – geht auch einmalig für 5 Jahre – dann 7 Jahre warten und nach insgesamt 12 Jahren gibt es die Erträge steuerfrei. Im Schnitt bieten die Versicherer drei bis vier Prozent Zinsen. Ein gutes Angebot für die, die sich nicht lange binden und eine größere Summe – am besten einmalig – anlegen wollen.
>Stirbt die Kapitallebensversicherung aus?
Laut Gerhard Rupprecht – Vorstandschef des größten deutschen Lebensversicherer Allianz Leben – bleibe die Kapitallebensversicherung auch künftig konkurrenzfähig. „Allerdings werde sich die Allianz stärker auf die Versicherung laufender Einkommen konzentrieren und vermehrt Renten-, Berufsunfähigkeits- und Pflegeversicherungen verkaufen“, so zitiert in der Welt am Sonntag vom 31.10.2004. Dabei waren bereits im ersten Halbjahr 2004 über 70 Prozent der neu abgeschlossenen Verträge private Rentenversicherungen. Eine Bestätigung dieses Trends kann ebenfalls Rolf-Dieter Marson, Vorstand der neue Leben feststellen. „Die private Rentenversicherung wird ganz klar den Platz einnehmen, den zuvor Renten- und Kapitalpolice gemeinsam eingenommen haben“, beschreibt Rolf-Dieter Marson die Zukunft der Produkte. Auch Norbert Heinen, Chef der Gerling-Lebensversicherung, sieht eine Verschiebung von der Kapitallebens- zur Rentenversicherung.
Eine aktuelle Umfrage der Kölner Psychonimics AG stellt das Bild noch drastischer dar: Die Rentenversicherungen werden von dem Aus der klassischen Kapitalpolice profitieren. Bei einer Umfrage unter 400 Versicherungsmaklern erwarteten mehr als zwei Drittel „das Ende“ der klassischen Kapitallebensversicherung.
Viele Versicherer sehen gute Möglichkeiten für das Neugeschäft ab 2005 mit den steuersparenden Altersvorsorge-Produkten. So auch Michael Matz, Sprecher der LV 1871, der aber den klassischen privaten Rentenversicherungen ebenfalls hohe Absatzchancen einräumt. Neue Leben glaubt zukünftig eher an innovative Produkte.
>Produktinnovationen oder bewährte Produkte?
Was das neue Jahr betrifft, wird die WWK in ihrer dritten Schicht, die alle Kapitalanlageprodukte umfasst und zu deren Kategorie ab 2005 auch KLV/ FLV und KRV/FRV zählen, mit ihren bewährten Produkten antreten. Auch bei der Absicherung biometrischer Risiken, d.h. sowohl bei der Risikolebensversicherung als auch bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, war seitens der WWK keine Neuausrichtung notwendig, da sich die bereits existierenden Produkte PremiumRisk und BU Complete am Markt bewährt haben. Die PremiumRisk bietet die WWK ab sofort auch als investment-orientierte Lösung an, d.h. die laufenden Überschüsse und die jährlich am Ende eines Kalenderjahres zugeteilten Überschüsse können in Fonds investiert werden. Der besondere Charme: Die Erträge aus Risikoversicherungen sind auch nach aktueller Rechtslage steuerfrei, da sie nach § 20 Abs. 1 Nr. 6 EStG nicht zu den Einkünften aus Kapitalvermögen zählen.
„Das Alterseinkünftegesetz bietet eine Menge Vertriebspotenzial“, so sieht man es bei der Continentale. Ob Ausbildungsversicherung für den Enkel oder fondsgebundene Lebensversicherung für die eigene Altersversorgung – in der breiten Palette der Continentale wäre für jeden Kundenbedarf das passende Produkt.
Bei anderen Versicherern, wie der LV 1871 und der Standard-Life, wird an Produktinnovationen gearbeitet. Zu konkreten Ideen will sich jedoch niemand äußern. Zum einen liege das an den in manchen Details noch zu klärenden Fragen bei der steuerlichen Umsetzung des neuen Gesetzes. Zum anderen an der unglaublich starken Konkurrenz unter den Versicherern und gegenüber anderen Produktanbietern. So heißt es fast bei jedem Versicherer, wie hier am Beispiel der R+V Versicherung: „Die R+V hat für das Jahr 2005 die Produktpalette so erweitert, dass die Kunden auch die neuen gesetzlichen Regelungen optimal ausnutzen können. Eine pauschale Empfehlung, welche Produkte besser sind oder ob es besser ist, dieses oder nächstes Jahr abzuschließen, ist schwierig.“
Die Gewinner sind – laut der Psychonomics-Umfrage – kombinierte Fondssparpläne mit Risikolebensversicherungen. Sie treten zu einem gewissen Grad an Stelle der Kapitallebensversicherung, da sie fast den gleichen Effekt haben. Ein Vorteil in Fondssparplänen sieht Marcel Schmitz, Senior Consultant bei Tillinghast, „in der steuerfreien Auszahlung, sofern die Spekulationsfrist von einem Jahr eingehalten wird.“ Versteuert werden müssen hier lediglich Dividenden und Zinsgewinne, wenn diese den jährlichen Sparerfreibetrag überschreiten. Ein Pluspunkt sind zudem die im Vergleich mit Versicherungen deutlich geringeren Kosten für Fondssparpläne.
Trotzdem ist nicht zu erwarten, dass Fondssparpläne eine signifikant gewichtigere Rolle im Altersvorsorgemarkt einnehmen können, da sie im Gegensatz zu Versicherungsprodukten als reine Sparprodukte keine lebenslange Absicherung im Alter bieten können. Hier erwartet Marcel Schmitz in Folge der neuen Gesetzgebung einen weiterhin starken Trend zu der fondsgebundenen Lebensversicherung, die die Vorteile einer fondsbasierten Sparphase mit denen einer garantierten, lebenslangen Rentenzahlung kombiniert. Dies gilt umso mehr, da die fondsgebundene Rentenversicherung über die Option des Kapitalwahlrechts flexibel und weiterhin steuerlich attraktiv ist.
Die Nachfrage im Altersvorsorgemarkt wird steigen! Davon ist auch Norbert Heinen – Gerling Lebensversicherung – aufgrund der Kürzung der gesetzlichen Renten und der Einführung der Rentenbesteuerung überzeugt. Und auf diesem Markt ist die Assekuranz nach seiner Meinung sehr gut aufgestellt, denn „Versicherer haben mehr Know-how für Rentenprodukte als Banken und andere Investmentanbieter. Diese konzentrieren sich eher auf einmalige Einzahlungen als auf Sparverträge“, sagt Heinen.
>Zusammenfassendes Ergebnis:
Böse könnte man behaupten, dass es beim Schlussverkauf der Lebensversicherungen genauso ist, wie bei jedem anderen Schlussverkauf auch. Es gibt „Ramschware“, die weg muss, und nur wenige Schnäppchen. Eine pauschale Empfehlung, welche Produkte besser sind oder ob es besser ist, dieses oder nächstes Jahr abzuschließen, ist schwierig und selbst nach vielen Gesprächen mit Versicherern war diese Fragen nicht eindeutig zu beantworten.
Bei der Frage, ob sich die neue Rürup-Rente rechnet, hüllten sich auch viele Versicherer im Rahmen der DKM 2004 – Internationale Fachmesse für die Finanz- und Versicherungswirtschaft – in Schweigen. Einige erwähnen, dass sie ihre „Basisrente“ erst Ende November präsentieren wollen. Dies ist verständlich, würde man doch bei einer früheren Vorstellung den Schlussverkauf der klassischen Lebensversicherungen selbst torpedieren. Doch interessant wird es bestimmt, wie man eine unflexible Rente interessant machen will, die nur eine kapitalgedeckte Kopie der gesetzlichen Rentenversicherung darstellt. Den oft gepriesenen Steuervorteil der Rente sehen einige Experten nicht, im Gegenteil: In dem Artikel „Rürup-Rente rechnet sich oft nicht“ von Thomas Exner, DIE WELT, monieren Experten eine Doppelbesteuerung und erläutern, wie gerade jüngere Sparer dadurch einen erheblichen Nachteil erhalten. Doch soll nicht gerade der junge Sparer der zukünftige Kunde für Versicherer sein? Eine schwierige Aufgabe für die Versicherungsunternehmen. Ebenfalls problematisch stellt sich dar, wie Versicherer bei dem System der nachgelagerten Besteuerung die Lebensversicherung als Kapitalanlage zukünftig gestalten will. Klar, es wird wieder eine ganze Menge Möglichkeiten auf der „Spielwiese Lebensversicherung“ geben, doch besteht nicht die Gefahr, dass der klassische Kapitalanleger ab 2005 als eine der Zielgruppen von Lebensversicherern nahezu komplett wegfällt? Auch die verlängerte Lebenserwartung bzw. die neuen Sterbetafeln könnten zum Problem für Versicherungsunternehmen werden. Denn sie müssen in die Kalkulation von Rentenversicherungen einbezogen werden, entweder indem die Beiträge steigen oder die Überschüsse bzw. die garantierten Renten etwas geringer ausfallen. Viele Herausforderungen für das kommende Jahr also!
(Marc Oehme)







