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Perspektiven der PKV

Willkommen in Ullas Welt!

Ulla Schmidts Machtwerk „Gesundheitsfonds“ nimmt bald volle Fahrt auf! Automatisch schließen sich zum Jahreswechsel für potenzielle Neukunden die Möglichkeiten des Einstiegs in die alte Tarifwelt der privaten Krankenversicherungen (PKV).

Es beginnt eine neue Epoche mit meist teuren Tarifen – Stichworte: Mitnahme von Alterungsrückstellungen/ Basistarif. „Der Basistarif ist ein Fremdkörper im Geschäftsmodell der PKV. Er hat negative Auswirkungen auf den Versichertenbestand der PKV, denn Versicherte in klassischen Tarifen müssen die nicht gedeckten Kosten im Basistarif mitfinanzieren“, heißt es aus dem Hause der Central. Der Kölner Versicherer lehnt daher den Basistarif ab und schließt sich damit der gesamten PKV-Branche an.

Bürgerentlastungsgesetz. Die letzte Hiobsbotschaft für die PKV ist erst wenige Tage alt. Laut Informationen eines Referentenentwurfs für ein „Bürgerentlastungsgesetz“, mit dem Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge ab 2010 steuerlich neu regeln will, kommt auf die PKV eine neue bürokratische Welle zu. Laut Entwurf dürfen Privatversicherte die tatsächlich gezahlten Prämien bis zur Höhe eines Basistarifs steuerlich geltend machen, einschließlich der Kindertarife, aber ohne die Anteile für Chefarztbehandlung und Einzelzimmerzuschlag. Was toll für den Versicherten klingt, wird für die PKV ein schöner Batzen Arbeit werden: Jede einzelne Police der 8,57 Millionen Versicherten (Stand 30. Juni 2008) muss nach dem Anteil durchgerechnet werden, den der Versicherte für seine Basisabsicherung zahlt. Denn diese darf er dann ja auch absetzen!

Rückgang beim Neugeschäft. Als ob es dieses Jahr nicht schon genug schlechte Nachrichten gab. Da gab es zum Beispiel die traurigen Zahlen des Neugeschäfts bei Vollversicherungen. 2007 belief sich der Nettoneuzugang schon nur noch auf 59.900 Mitglieder, verglichen mit 2006 (116.100 Neuversicherte), und hatte sich damit beinahe halbiert. Im ersten Halbjahr 2008 setzte sich diese negative Entwicklung fort: Mit nur 23.400 Vesicherten lag der Nettoneuzugang erneut deutlich unter dem Vorjahresniveau (1. Halbjahr 2007: 37.700). „Im Wesentlichen ist der starke Rückgang in der Vollversicherung auf die mit der Gesundheitsreform deutlich erschwerten Konditionen für einen Wechsel in die PKV zurückzuführen. Heute können Arbeitnehmer erst dann wechseln, wenn ihr Einkommen in drei aufeinander folgenden Jahren über der Versicherungspflichtgrenze gelegen hat“, erklärt Dr. h. c. Josef Beutelmann, Vorstandsvorsitzender der Barmenia Versicherungen. Abzuwarten bleibt hier, wie stark sich das Schlussgeschäft der „alten Welt-Tarife“ auf den Nettoneuzugang der Versicherer auswirkt. So erklärt Rolf Bauer, Vorstandsvorsitzender im Versicherungsverbund Die Continentale: „Für uns war 2008 ein sehr gutes Jahr. Wegen der sachlich richtigen Konzentration vieler Unternehmen der Branche auf Verkauf der alten PKV-Welt im Jahr 2008 ist für das Jahr 2009 aber insgesamt von einem verhaltenen Verlauf auszugehen.“

Kein Krankengeld mehr. Eine Zielgruppe für die PKV sind dabei besonders Selbstständige und Freiberufler, die in einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abgesichert sind. Denn diese verlieren ab 2009 ihren Anspruch auf Krankengeld. Konkret bedeutet das: Sind sie krank, fehlt Geld, da der Einkommensausfall nicht ersetzt wird. Eine Leistungsstreichung, die mal so ganz nebenher durchgeführt wurde und jetzt zur Chance für die PKV wird. Denn wird es nichts mit der Vollversicherung beim Selbstständigen, dann kann man ihn wenigstens durch eine Zusatzpolice vor den monetären Gefahren einer längeren Arbeitsunfähigkeit absichern. Übrigens: Böse Zungen behaupten schon, dass die Kürzung des Krankengeldes künftig ja nicht ausschließlich bei den Selbstständigen und Freiberuflern bleiben muss.

Insgesamt werden die Chancen für den Vertrieb in Zukunft positiv gesehen. „Der Gesundheitsfonds mit einem Rekordbeitragssatz von 15,5 %, die Kürzung des Krankengeldes bei Selbstständigen und das unverändert bestehende Politikrisiko von weiter steigenden Beiträgen bei sinkenden Leistungen sind für GKV-Versicherte deutlich schmerzlicher als ein kalkulierbarer Beitragszuschlag zur Mitnahme der Alterungsrückstellung in der PKV. Ganz im Gegenteil: Aus Sicht des Kunden wird die PKV dadurch sogar flexibler und attraktiver – und für den Vertrieb damit einfacher zu verkaufen“, so sieht Werner Gremmelmaier, Vertriebsvorstand uniVersa Lebensversicherung a. G., gute Perspektiven für die PKV im Jahr 2009. Hoffentlich behält er Recht! Die künftige Mitnahme und das flexible Wechseln könnten aber langfristig für den Vertrieb zum Nachteil werden. Einfachere Wechselmöglichkeiten und somit ein leichterer Versicherungskauf (Krankenvollversicherung) könnten schließlich Provisionsreduzierungen bedeuten. Bis dato beruhigen die Krankenvollversicherer. „Zurzeit und auch mittelfristig besteht kein Anlass, von einer Senkung von Abschlussprovisionen auszugehen“, kühlt Bauer von der Continentale die Theorie ab.

Verdrängungswettbewerb. Der Markt für Gesundheitsdienstleistungen ist weiterhin ein Wachstumsmarkt. „Dafür werden auch zukünftig geeignete Versicherungsprodukte nachgefragt – mit steigender Tendenz. Insofern können innovative Unternehmen wie die HALLESCHE positiv in die Zukunft blicken. Leider scheint sich in bestimmten politischen Kreisen fälschlicherweise die Überzeugung durchgesetzt zu haben, eine massive Konsolidierung der Versicherungsunternehmen – gesetzlich wie privat – würde mehr Effizienz bedeuten“, erklärt Frank Kettnaker, Vorstand für das Ressort Vertrieb/Marketing der HALLESCHE. Bezüglich eines Verdrängungswettbewerbs sehen viele Versicherer keine Veranlassung zur Sorge. Anders aber Conti-Chef Bauer: „Zu einem Verdrängungswettbewerb wird es nicht kommen, es gibt ihn schon. Denn durch die immer größeren Hürden für einen Wechsel aus der GKV in die PKV bleibt den Unternehmen kaum etwas anderes übrig, als sich um Bestandskunden zu bemühen. Dies ist allerdings auch ein Zeichen dafür, dass der Wettbewerb innerhalb der PKV auch ohne Übertragungswert funktioniert.“

Neben dem demographischen Effekt führen verstärkt gesetzliche Neuerungen zu Veränderungen im Versicherungsmarkt. „Das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz drängt private Krankenversicherer zur Konsolidierung. Zum einen durch die Kosten für die Anpassung von IT-Systemen, um den Basistarif und die Portabilität von Alterungsrückstellungen verwalten zu können. Dies belastet insbesondere kleinere Versicherer überproportional. Zum anderen kann es durch portable Alterungsrückstellungen zu einer Negativselektion bei einzelnen Versicherern kommen“, heißt es aus dem Hause der Ergo Versicherungsgruppe und deren Krankenversicherer DKV und Victoria Krankenversicherung. Folge sind Beitragsanpassungen, und langfristig ist auch eine Verdrängung einzelner Versicherer vom Markt möglich. Weitere regulatorische Anforderungen an die Versicherer verändern den Markt. Durch die VVG-Novellierung 2008 wurden die Kostentransparenz und die Informationspflichten erhöht. Dadurch entstehen bei den Versicherern nicht nur zusätzliche Aufwendungen, auch der Kostendruck wird deutlich erhöht. Dieser Kostendruck könnte für manchen privaten Anbieter problematisch werden. Es bleibt demnach abzuwarten, wie sich die Versicherer mit der neuen „Ulla Welt“ anfreunden können.

(Marc Oehme)


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