Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

Kapitalanlagen mit erneuerbaren Energien finden immer mehr Fans in Deutschland

Windkraft-Weltmeister

Sie haben politisch Rückendeckung, liegen gesellschaftlich im Trend und locken zudem mit ansehnlichen Ausschüttungen: die Windkraftfonds. Da stört auch nicht die ein oder andere Kritik an verbesserungswürdiger Prospektierung, fehlendem Wind in den letzten zwei Jahren und der Hinweis auf verbaute Landschaften. FINANZWELT zieht Resumee.

Branchen, die trotz der Konjunkturtalfahrt Wachstum erzielen, sind selten zu finden. Noch viel seltener sind Wirtschaftszweige, die in dieser Zeit mit neuen Rekordzahlen aufwarten können und dazu noch eine weltweit führende Stellung einnehmen. Die deutsche Windkraftbranche ist eine solche Ausnahme-erscheinung. Im letzten Jahr wurden nach Angaben des Verband für Windenergie (BWE), Osnabrück, 3247 Megawatt (MW) zusätzliche Windkraft-Leistung installiert. Das war ein neuer Rekord und ein Plus gegenüber dem Vorjahr von sage und schreibe 37 Prozent. Und bereits die Vorjahresleistung bedeutete einen Rekord.

Kurzinfo zur Greenvalue
GreenValue (www.greenvalue.de) ist eine neutrale und unabhängige Informationsplattform mit aktuellen Windkraft- und Photovoltaikfonds.
Über dieses Portal kann direkt Kontakt zu den meisten Anbietern aufgenommen werden. Zudem wird jeweils eine Kurzanalyse der Angebote vorgenommen, ohne dass eine Wertung erfolgt.
FINANZWELT kooperiert im Bereich Erneuerbare Energien mit GreenValue. Informationen gibt es im Infothekbereich unter www.finanzwelt.de.
GreenValue-Inhaber Daniel Kellermann hat zudem zwei interessante und günstige Ratgeber zu Windkraftfonds und Photovoltaikfonds veröffentlicht. Sie beschreiben deren wirtschaftliche, steuerliche und rechtliche Hintergründe. Sie sind ebenfalls über den Internetauftritt erhältlich.

Fast 14.000 Windmühlen drehen sich in Deutschland, die 12.358 MW Strom erzeugen und damit zur deutschen Stromerzeugung rund fünf Prozent beitragen. Das reicht, um eine deutsche Großstadt ein Jahr lang mit Strom zu versorgen, wenn der Windstrom denn so kontinuierlich anfallen würde wie die herkömmlich gewonnene Energie.
Die rasante Aufwärtsentwicklung wird an diesen Zahlen deutlich: Am Ende des Jahres 1990, als das erste Stromeinspeisegesetz verabschiedet wurde, das Anfang 1991 in Kraft trat und mit dem die Erzeugung von Strom aus Windenergie gefördert wurde, drehten sich gerade einmal 548 Windturbinen in Deutschland. Allein die im letzten Jahr neu installierte Leistung von 3.247 MW war mehr als die gesamte installierte Leistung des Jahres 1998 (2.875).

Und Deutschland ist Windkraft-Weltmeister, in keinem anderen Land wird so viel Strom aus Windkraft gewonnen wie in Deutschland. Vergleichbare Zahlen liegen nur bis 2000 vor. Damals lag der deutsche Anteil an der in der Welt installierten Windstromleistung bei gut einem Drittel. Doch das Ende des Wachstums ist noch nicht erreicht, wenn es nach den Wünschen der rot-grünen Regierung geht.

Bis 2010 soll der Anteil erneuerbarer Energien auf 12,5 Prozent steigen, zwei Drittel davon (also 8,33 Prozent) soll auf die Windenergie entfallen.
Es sind vor allem private Anleger - zum Teil aus Begeisterung für die erneuerbaren Energien, zum Teil aber auch angelockt durch hohe Steuervorteile sowie durch regelmäßige Ausschüttungen - , die den Auf- und Ausbau der Windenergie finanziert haben. Allein von 1997 bis 2002 haben private Anleger nach Schätzung von Jens-Peter Wolters, Rechtsanwalt und Steuerberater sowie Vorsitzender des BWE-Anlegerbeirats, rund 1,5 Milliarden Euro in die Windkraft investiert. "Wenn man davon ausgeht, dass die durchschnittliche Zeichnungssumme bei 12.500 liegt, konnten 120.000 Kommanditisten gewonnen werden" erläutert der Anwalt aus Leer.
Allerdings können die Rekordmeldungen über den Ausbau der Windkraft und deren Wachstumsperspektiven nicht darüber hinweg täuschen, dass es derzeit Probleme gibt und dass auf Anlegerseite nicht alle Erwartungen aufgegangen sind.
Windkraftfonds sind unter den Beteiligungsmodellen in einer ausgesprochen angenehmen Situation. Das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG), das im Jahr 2000 in Kraft trat und das Stromeinspeisegesetz ablöste, sichert den Anbietern die Abnahme des Stroms durch die Energiewirtschaft zu einem festen und damit langfristig kalkulierbaren Preis, der allerdings in Abhängigkeit vom Standort nach und nach reduziert wird.
Feste Abnahmepreise bedeuten aber keine garantierten Einnahmen. Dies ist die Erkenntnis der letzten beiden Jahre. Denn der Wind ist nicht minder launisch als die Konjunktur, von der die anderen Produktlinien unter den Beteiligungsmodellen abhängig sind. 2001 und 2002 waren zwei ausgesprochen schlechte Windjahre, die auch den Wissenschaftlern Rätsel aufgeben. Hinzu kam: Der Wind wehte aus der falschen Richtung. "Weil die Windmühlen auf die in der Vergangenheit häufigste Windrichtung optimal ausgerichtet wurden, führte auch die veränderte Strömungsrichtung zu einem verminderten Windertrag," erläutert Windgutachterin Dr. Daniela Jacob, Geschäftsführerin des Anemos-Jacob-Büros für Windanalyse und Vorsitzende des Windgutachterbeirats beim BWE.
Diese Abweichungen vom langfristigen Durchschnitt sind möglich und kein Anlass, von einer grundsätzlichen Änderung der Windverhältnisse in Deutschland auszugehen. Aber zwei schlechte Windjahre in Folge haben bei einigen Fonds natürlich die Ausschüttungsprognosen über den Haufen geworden. Besonderes Pech: Bei vielen Fonds standen diese schlechten Windjahre am Anfang der Betriebsphase. Wenn Anleger am Anfang enttäuscht werden, gehen sie möglicherweise ganz verloren.
"Aber dass der Windertrag hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, lag nicht nur an zwei schwachen Windjahren in Folge, sondern auch an schlechten Windgutachten und ungeeigneten Messverfahren" gesteht Anwalt Wolters ein. Der BWE hat daher Mindeststandards verabschiedet, die seit Oktober 2002 gelten und die Qualität der Windgutachten verbessern sollen. Beispielsweise durch die Vorgabe der Zahl von Windgutachten. Auch die Anbieter haben gehandelt: Sie beschränken sich nicht mehr auf ein Gutachten, sondern stützen sich teilweise auf deren vier.
Das BWE fordert ferner wegen der Unsicherheit, mit der Windprognosen behaftet sind, bei den Ertragsprognosen, Sicherheitsabschläge von sieben bis zehn Prozent vorzunehmen. Doch nur selten wird der oberste Richtwert erreicht. Dies ist zum Beispiel bei dem Windfonds Tradeiras, Portugal, der Fall, der derzeit von EnergieKontor Bremen, einem der Marktführer, angeboten wird. Und es kommt sogar vor, dass gänzlich auf einen solchen Sicherheitsabschlag verzichtet wird. Fondsanalyst Daniel Kellermann, Betreiber des Internetportals www.greenvalue.de: „Windgutachten sind insbesondere dann notwendig, wenn keine Praxiserfahrungen vorliegen. Werden Anlagen langjährig vor Ort betrieben oder wurden vor Ort Messmaste installiert und betrieben, so kann eine geringere Anzahl von Windgutachten ausreichen.”
Die Windparkbetreiber beklagen sich derzeit über die Tendenz bei den Versicherungen, die Prämien hochzusetzen, nachdem die Schadensquote an den Anlagen weit höher ist als ursprünglich kalkuliert. Es wurden offenbar auch Getriebeschäden auf die Versicherungen abgewälzt, die eigentlich unter die Herstellergarantie gefallen wären. Die Versicherungen machten lange mit, weil sie ein großes Geschäft witterten, jetzt gibt es für manche Versicherungen und Betreiber ein böses Erwachen. Doch Cerstin Lange, Sprecherin von EnergieKontor, sieht keinen Anlass zur Beunruhigung: "Die Erhöhung der Prämien wirkt sich auf die Wirtschaftlichkeitsberechnung nur geringfügig aus."
Erst ein Anlagenhersteller, Enercon, hat sich bislang bereit erklärt, den Betreibern einen Vollwartungsvertrag anzubieten, der sämtliche Wartungen und Instandhaltungen für 15 Jahre abdeckt. Heinrich Röder, Geschäftsführer des Grünen Emissionshauses, Freiburg, hofft, dass die Versicherungen durch ihre Weigerung, die Schäden abzudecken, die Hersteller zwingt, dem Beispiel von Enercon zu folgen. Allerdings gilt Enercon als der Mercedes unter den Windkraftanlagen. Neu hinzugestoßen ist jetzt der Hersteller NEG-Micon mit einem derartigen Schutzbrief. Das Emissionshaus für regenerative Energiekonzepte reconcept GmbH hat dies bei seinem aktuellen Fonds berücksichtigt.
Immer wieder ist der Einwand zu hören, die windstärksten Regionen in Deutschland sind zugebaut, attraktive Standorte seien nicht mehr zu finden. Unberücksichtigt lassen diese Kritiker allerdings die Tatsache, dass das EEG gerade die weniger guten Standorte besser und länger fördert. Allerdings: Nach 20 Jahren müssen sich auch diese Standorte voll und ganz der Konkurrenz der anderen Energieträger stellen.
Die Initiatoren wie die ersten Anleger in Windkraftfonds kommen aus der grün-alternativen Szene. Die ersten Windkraftfonds waren denn auch noch nicht steuerlich optimiert, heute bieten sie ein negatives Steuerergebnis von gut 80 Prozent und mehr. Auch waren die Provisionen für die Vermittlung von Windkraftbeteiligungen niedrig. Doch in diesem Punkte hat die Branche schnell gelernt. Dass gute Provisionen auch eine Voraussetzung für den Absatzerfolg sind, hat man realisiert.
Die erste Gesellschaft, die aus dem Bereich der früheren steuerbegünstigten Kapitalanlagen (heute Beteiligungsmodelle) kommt, ist die BVT, München, die bereits 1989, als das Stromeinspeisegesetz noch nicht in Kraft war, den ersten Windkraftfonds aufgelegt hat. Im Jahr 1997 kam die GHF, Leer, hinzu, die eigentlich als Initiator von Schiffsfonds bekannt wurde. Mittlerweile haben einige weitere Schiffsfondsinitiatoren ihre Angebotspalette auf Windkraftfonds ausgeweitet. Noch immer dominieren aber die Gesellschaften die Branche, die der alternativen Szene zuzurechnen sind. Ihre Verbundenheit mit der Landschaft und ihren Bewohnern zeigt sich auch darin, dass Anleger im unmittelbaren Einzugsgebiet eines Windparks sich bereits mit Beträgen ab 5.000 Euro an Windkraftfonds beteiligen können (sonst 15.000 Euro). Zum Teil ist es aber auch ein Gebot der Stunde - angesichts des zunehmenden Widerstands der Anwohner gegen die Geräuschbelästigung und den Schattenwurf - die Nachbarn einer Anlage für sich zu gewinnen.

(Dr. Leo Fischer)


Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: