Alternative Energien
Windkraft
Windkraftanlagen (WKA) sind sozusagen das Leitfossil der alternativen Energien auf dem Beteiligungsmarkt mit der längsten Emissionshistorie und einem mittlerweile beachtlichen Volumen.
Deutschland ist mit einer installierten Leistung von 22,2 Gigawatt (1 GW gleich 1000 Megawatt, MW) der weltweit am stärksten ausgebaute Standort. Es folgen die USA (16,8) und Spanien (15,1), jeweils per Ende 2007. Beim Zuwachs sieht die Reihenfolge anders aus. Dort lagen 2007 die USA vorne mit einem Neubau von 5,2 GW, gefolgt von Spanien (3,5), China (3,3) sowie Indien und Deutschland (jeweils rund 1,6 GW).
Diese Zuwachszahlen zeigen es schon: Die Zukunft der deutschen Standorte auf dem Festland liegt bereits in der Vergangenheit, der Scheitelpunkt der Welle ist überschritten. Die Gründe liegen auf der Hand: Nach einer intensiven Ausbauphase sind die guten Standorte für WKA mittlerweile alle identifiziert und besetzt. Was heute noch passiert, findet entweder an schwächeren Standorten statt oder läuft auf das sogenannte Repowering hinaus, bei dem erprobte Standorte mit neueren, leistungsfähigeren Anlagen bestückt werden. Dahinter stehen in aller Regel funktionierende Fonds, die selten die Chance bieten, sich neu zu engagieren. Die Zukunft liegt im oder jenseits des Wassers mit den Off-Shore-Anlagen und im internationalen Geschäft.
Eine Hypothek für den weiteren Ausbau dürften die schwachen wirtschaftlichen Ergebnisse der Windenergie aus der Vergangenheit sein. Die Gründe für das schwache Abschneiden der Windkraft liegen zu erheblichen Teilen im technischen Bereich: Getriebeschäden führten immer wieder zum Stillstand der Anlagen, was stark auf die Wirtschaftlichkeit drückte. Die Prämien für Maschinenbruch- und Ausfallversicherungen zogen entsprechend steil an. Hintergrund war eine verfehlte Herabsetzung der technischen Normen für die Auslegung durch den Germanischen Lloyd. Hinzu kam ein unerwartetes Materialproblem: Schwingungen in den (teuren) Flügeln aus Kohlefaser führten zu Rissen und Ausbrüchen in den teuren Teilen, was zusätzliche Stillstandszeiten und Reparaturbedarf brachte.
Zudem blieb sehr häufig das Windpotenzial der Standorte hinter den Schätzungen der Gutachter und den darauf aufbauenden Kalkulationen zurück. Dahinter stehen mehrere Ursachen. Eine davon ist der bereits angelaufene Klimawandel. Damit werden auch die Windverhältnisse instabil, die auf Vergangenheitsdaten beruhenden Modelle der Gutachter passen nicht mehr zur realen Entwicklung. Das gilt nicht nur für die Windstärken, sondern vor allem auch für die Windrichtungen. Denn Windparks mit mehreren Anlagen im Verbund sind auf bestimmte Haupt-Windrichtungen optimiert, um Parkeffekte wie Windschatten oder Verwirbelungen in der Hauptrichtung möglichst gering zu halten. Weht der Wind häufiger als geplant aus ungünstigen und seltener aus den günstigen Richtungen, ändert sich also die Verteilung der Windrichtungen fühlbar, schlagen die Störeffekte sofort zu Buche, weil dann die Ausbeute schon bei konstantem Windpotenzial sinkt.
Allerdings scheint es, dass die kalkulierten Windpotenziale von den Initiatoren auch schöngerechnet wurden. Ein Trick: Gutachten sammeln. Wenn zu einem Standort vier oder fünf Windgutachten vorliegen, nimmt man für die Prospektkalkulation die besten drei und zieht daraus den Durchschnitt und hat bessere Zahlen. Die reale Performance lässt sich damit nicht beeinflussen.
Die anlaufende Orientierung zu Off-Shore-Anlagen dürfte die technischen Probleme verschärfen, denn diese Standorte stellen höhere technische Ansprüche als die herkömmlichen Standorte an Land. Der Betrieb kommt damit in die Zange zwischen den neuen Belastungen durch Seegang und Salzwasser einerseits und andererseits der aufwändigeren laufenden Betreuung und Wartung der Anlagen vor der Küste. Bislang gibt es in Deutschland zwei laufende Windparks im Wasser, die aber wegen ihrer Nähe zur Küste als „On-Shore mit nassen Füßen“ gelten. Die Bewährungsprobe für die Technik steht noch aus.
Die konkreten Pläne sind beachtlich: Die Bundesregierung projektiert eine installierte Kapazität von etwa 15 GW bis 2020. Bereits genehmigt sind 22 Projekte (17 Nordsee, 5 Ostsee), in denen schon in der ersten Baustufe 1.463 Anlagen mit einer Kapazität von 3-5 MW laufen sollen, was in etwa 6 GW installierte Kapazität ergibt.
Unterm Strich lässt das zunächst einmal gute Geschäfte für die Lieferanten der Anlagen erwarten. Ob und wie die Anleger davon profitieren, hängt von zwei Faktoren ab: In erster Linie ist das Technikproblem zu betonen: Zunächst ist abzuwarten, welche Projekte die großen Versorger auf eigene Rechnung machen wollen und was für die privaten Anleger übrig bleibt. Bislang sind noch keine Projekte als Investmentangebote auf dem Markt. Lediglich alternative Szeneprodukte wie der Bürgerwindpark Butendiek haben bereits Geld eingesammelt, die Mittel aber ausschließlich für die Projektierung eingesetzt. Das eigentliche Investment soll frühestens im Laufe des nächsten Jahres losgehen. Die Einschätzungen aus der Initiatorenbranche gehen überwiegend dahin, dass sich die großen Versorger auch die großen Projekte reservieren werden. In Beteiligungsmodellen verpackt werden nur die kleineren Projekte den privaten Anlegern zugänglich sein.
Es gibt noch keine ausgereifte Off-Shore-Technik, insofern haben alle Angebote, die da kommen, mehr oder weniger ausgeprägten Versuchscharakter. Von daher sollten – wenn die Projekte denn kommen – die Regelungen zur Wartung und zur Absicherung des Betriebs besonders gründlich unter die Lupe genommen werden. Das Standing und die Bonität der Lieferanten und Garantiegeber hat sich als zentraler Punkt erwiesen.
Konkrete Anlagen mit akzeptablem Chancen-Risiko-Profil in diesem Segment bietet derzeit am ehesten die Ökorenta, die auf der Basis der intensiven und detaillierten Branchenkenntnis vor allem Anteile im Zweitmarkt einsammelt.
(Martin Klingsporn)







