FINANZWELT IM GESPRÄCH
Wir sind Europäer
Der Finanzdienstleister OVB ist mit seinen Auslandsgesellschaften überaus erfolgreich. In diesen Tagen geht das Unternehmen an die Börse. FINANZWELT unterhielt sich mit dem Vorstandsvorsitzenden Michael Frahnert über Verbraucherschutz und die Umsetzung der Vermittlerrichtlinie in Deutschland und der EU.
FRAHNERT: Unsere Wurzeln sind und bleiben natürlich in Deutschland. Aber Europa wächst mehr und mehr zusammen, die Welt wird kleiner, Märkte rücken zusammen. Das beeinflusst natürlich unser Denken und Handeln. Unsere Ausrichtung und unser Hauptfokus für die Zukunft liegen also auf den Chancen, die Europa bietet. Und Deutschland ist schließlich ein Teil Europas. Also, wir sind beides: Deutsche und Europäer.
FINANZWELT: Erkennen Sie Wesensunterschiede zwischen deutschen und mittel- oder osteuropäischen Kunden? Sind Policen im Ausland am Ende einfacher zu vermitteln?
FRAHNERT: Natürlich sind die Mentalitäten in allen Ländern Europas sehr unterschiedlich. Am auffälligsten ist dabei die Flexibilität und Aufgeschlossenheit der Osteuropäer. Nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Systeme zu Beginn der 90er Jahre mussten sie sich auch in punkto Vorsorge völlig neu orientieren. Sie sind somit viel offener für innovative Lösungen als die Westeuropäer, die sich in vielen Fällen noch für staatlich abgesichert halten und nur langsam auf die veränderte Situation reagieren.
FINANZWELT: Hierzulande wird Verbraucherschutz sehr groß geschrieben. Die Anforderungen an die Vermittlung von Finanzprodukten sollen deutlich verschärft werden. Skizzieren Sie doch bitte die Situation im Auslandsgeschäft. Finden Sie dort strengere oder laschere Vorschriften vor, als sie heute bei uns herrschen oder in veränderter Form in Kürze herrschen werden? Ist uns das Ausland möglicherweise sogar einen Schritt voraus?
FRAHNERT: Beim Verbraucherschutz selbst sind kaum Unterschiede zwischen den Ländern zu spüren. Anders sieht das bei der Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie aus – hier sind uns einige Länder einen Schritt voraus. In vielen Ländern ist sie bereits sehr früh und gut umgesetzt worden – wie in der Tschechischen Republik, Österreich, Ungarn oder Polen. West- und Südeuropa hinken allerdings wie Deutschland hinterher. In Osteuropa gab es teils auch vor der EU-Regelung strengere Vorschriften als in Deutschland – wie beispielsweise eine Prüfungspflicht für den Vertrieb von Versicherungs- und Fondsprodukten.
FINANZWELT: Stehen die unterschiedlichen Erwartungen an gesetzliche Regelungen in den jeweiligen Ländern auch im Zusammenhang mit unterschiedlichen Mentalitäten?
FRAHNERT: Nein, das kann man so nicht sagen.
FINANZWELT: Nehmen wir doch einmal die Kernpunkte der Vermittlerrichtlinie unter die Lupe. Dort sind künftig ein Sachkundenachweis sowie eine behördliche Zulassung vorgeschrieben. Allerdings wird es großzügige Ausnahmen und Übergangsregelungen geben, wenn Vermittler schon länger in ihrem Beruf tätig sind. In jedem Fall muss dem Kunden allerdings ersichtlich sein, welche wirtschaftlichen Interessen ein Vermittler verfolgt. Das klingt nach sehr viel Bürokratie. Sind diese Anforderungen zielgerecht und wie werden solche Fragen im Ausland gehandhabt?
FRAHNERT: Der bürokratische Aufwand hält sich für uns in Grenzen, da wir von Anfang an auf die fundierte Ausbildung unserer Berater großen Wert gelegt haben und die Anforderungen der Vermittlerrichtlinie bereits jetzt mehr als erfüllen. Darüber hinaus passen wir uns natürlich an die jeweiligen gesetzlichen Anforderungen an und legen die entsprechenden Prüfungen ab. Aber auf der Basis, die OVB-Mitarbeiter aufgrund unserer internen Ausbildung mitbringen, ist dies keine Hürde.
FINANZWELT: Daneben stehen Beratung und Dokumentation im Vordergrund. Kunden sollen aber auch auf mögliche Nachteile hingewiesen werden müssen, wenn sie auf die Erfüllung dieser Vermittlerpflichten verzichten. Bekommen wir damit nicht strengere Regeln, die in anderen Berufsständen – oder gar im Ausland – üblich sind?
FRAHNERT: Die Beratungs- und Dokumentationspflicht dient der Transparenz und Absicherung des Kunden und ist damit nur zu begrüßen. Für uns ändert sich dadurch nicht viel, da wir ohnehin bereits Beratungsprotokolle anfertigen und diese vom Kunden gegenzeichnen lassen. Selbst wenn die Regeln also strenger sein sollten, hat das auf die OVB keine Auswirkungen und ist begrüßenswert, da so hohe Qualitätsstandards für den Kunden gesichert werden, die die OVB intern bereits hat.
FINANZWELT: Werden wir, sobald die EU-Richtlinie auch in Deutschland umgesetzt sein wird, wirklich europaweit identische gesetzliche Anforderungen an Versicherungsvermittler haben?
FRAHNERT: Nein. Die Auslegung der EU-Vorgaben wird in einigen Ländern West- und Südeuropas sehr eigenwillig interpretiert, was sich in der Umsetzung störend auswirken kann. Die konkreten Auswirkungen bleiben abzuwarten. Dort, wo die Richtlinie bereits umgesetzt ist, ist dies schnell und vorbildlich geschehen, so dass ein weitgehend einheitlicher Standard herrscht.
FINANZWELT: Erzählen Sie uns bitte etwas zu den Ausbildungsstandards der OVB in Deutschland und bei den Auslandsgesellschaften. Sind diese gleich hoch oder von Land zu Land unterschiedlich?
FRAHNERT: Die OVB hat ein europaweit einheitliches und für alle Mitarbeiter verbindliches Qualifizierungssystem entwickelt, das bereits heute über die Anforderungen der EU-Vermittlerrichtlinie hinausgeht. Das bedeutet, dass der mehrstufige Prozess in allen Landesgesellschaften der OVB nach denselben hohen Standards erfolgt.
FINANZWELT: Versicherungsvermittlung und Verbraucherschutz werden ab und an als konträr und nur schwer miteinander vereinbar skizziert. Dienen Ihnen strengere Regeln nicht auch dazu, sich besser von Wettbewerbern abgrenzen zu können?
FRAHNERT: Natürlich, zumal wir von Anfang an größten Wert auf die Qualifikation und permanente Weiterbildung unserer Berater gelegt haben und bereits jetzt den aktuellen und zu erwartenden gesetzlichen Anforderungen mehr als entsprechen.







