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Wohnimmobilien

Wohnungsnot in Deutschland? Das sagen die Experten

„Wohnungsnot in Deutschland?“ – unter dieser Überschrift setzte sich finanzwelt in Heft 01/2010 mit einer Studie auseinander, die das Eduard-Pestel-Institut aus Hannover im August 2009 zum Wohnungsmarkt in Deutschland veröffentlicht hat.

Matthias Günther, Vorstandsvorsitzender des Pestel-Instituts, erklärte im Interview mit finanzwelt, dass die Einschätzungen aus der Studie auch im Jahr 2010 Gültigkeit haben. Grund genug, die Thesen aus unserem Artikel anderen Experten und Marktteilnehmern vorzulegen und sie um ihre Stellungnahmen zu bitten:

finanzwelt fragte nach bei Rolf Ulak, Referatsleiter Immobilien und Finanzierung bei der OVG Vermögensberatung AG aus Köln, Oliver Bechstedt, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Grundbesitz AG aus Leipzig, und Dr. Ronald Rast von der Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“. Darin engagieren sich die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerksbau e. V. (deren Geschäftsführer Rast ist) und der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel e. V. gemeinsam mit weiteren Verbänden und Unternehmen aus dem Wohnungsbau und der Immobilienwirtschaft für eine Veränderung der bestehenden politischen Fördermaßnahmen.

1. These: Wird der gegenwärtige Wohnungsbestand weiter so wenig ersetzt wie derzeit, dann müssten die Wohnungen in Westdeutschland noch rund 2000 Jahre als Wohnungen dienen.

Dr. Ronald Rast: „Die gegenwärtige Wohnungsbautätigkeit ist sicherlich zu niedrig. Die für den Wohnungsbau entscheidende Frage lautet aber: Wie wollen wir wohnen? Wenn diese Frage beantwortet ist, kann man auch Aussagen über einen sinnvollen Bedarf an neu zu errichtendem Wohnraum machen.“

Rolf Ulak: „Bei einer Produktion von rund 180.000 Wohneinheiten im Jahre 2009 und einem berechneten Bedarf von rund 270.000 Wohneinheiten pro Jahr wird der Druck auf dem Wohnungsmarkt weiter steigen.“

Oliver Bechstedt: „Hier stimme ich zu.“

2. These: Eine Fortschreibung der gegenwärtigen Trends des Auseinanderlaufens von Kaufkraft in den unteren Einkommensgruppen und Wohnkosten lässt befürchten, dass wachsende Teile der Bevölkerung künftig schlechter wohnen werden als heute.

Dr. Rast: „Das Problem liegt nicht nur in der schlechteren Wohnsituation, sondern auch in der erzwungenen Aufgabe des Wohnumfeldes, das teilweise jahrzehntelang bewohnt wurde.“

Ulak: „Auch wir sehen die Fortsetzung dieses Trends, bedingt durch die Tatsache, dass eine in den nächsten 24 Monaten einsetzende Inflation die Kaufkraft weiter nach unten drängt und die Situation für untere Einkommensgruppen verschlechtert.“

Bechstedt: „Hier stimmen wir nicht ganz zu. Wenn der Mieter seinem Einkommen entsprechend eine Wohnung sucht, kann er natürlich auch gut sanierte Wohnungen wählen, die vielleicht ein paar Quadratmeter kleiner sind.“

3. These: Ohne einen wieder ansteigenden Einsatz öffentlicher Mittel im Wohnungsbau lässt sich das Niveau des Wohnens für breite Schichten der Bevölkerung nicht aufrechterhalten.

Dr. Rast: „Zur Aktivierung der Potenziale im Wohnungsbau sind nicht zwangsläufig öffentliche Mittel notwendig. Eine zentrale Forderung unserer Kampagne ist vielmehr eine Verbesserung der Abschreibungssätze (AfA).“

Ulak: „Wenn es aufgrund leerer Staatskassen keine Möglichkeit gibt, steuerliche Förderungen auf Bundesebene anzubieten, so sollte eine bundesweit einheitliche KfW-Förderung über Finanzierungsprogramme aufgelegt werden, die auch die Länderförderung mit einbezieht.“

Bechstedt: „Hier sollte der Staat die Förderung des nachträglichen Erhaltungsaufwandes erhöhen, damit sich Instandhaltung für den Investor wieder lohnt.“

4. These: Wohnungen sind eine lohnenswerte Kapitalanlage für die Zukunft: rentabel, sicher, wertgeschützt, jederzeit liquidisierbar.

Dr. Rast: „Eine Einzelfallbetrachtung ist in jedem Fall nötig. Generell gilt das Sprichwort: Eigner Herd ist Goldes wert.“

Ulak: „In der heutigen von der Finanzkrise geprägten Situation zeigt sich, dass die Investition in Immobilien viele Vorteile bietet. Die Einkünfte sind nicht von kurzfristigen Finanzmarktentwicklungen abhängig. Die Mieten steigen ortsabhängig zwar langsam, aber dafür stetig an.“

Bechstedt: „Der deutsche Wohnimmobilienmarkt ist der einzige, der keinen Wertverlust zu verzeichnen hat, da er langsam und stetig im Wert steigt, ohne wie in anderen Ländern enorme Ausschläge nach oben oder unten zu verzeichnen.“

(Dieter E. Jansen, Kim Brodtmann)


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