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Aktienfonds

Zeit zum Einsteigen?

Nimmt man die aktuellen Zahlen, kommt die Frage schon ein wenig spät. Die Börsen haben gegenüber ihren Tiefstpunkten schon wieder deutlich zugelegt – allerdings noch längst nicht ihre vorherigen Verluste aufgeholt.

Eine kleine Übersicht (Stand Mitte Mai) ergibt:

 

USA: (Dow Jones)

+28 %

Japan: (Nikkei)

+29, %

Thailand: (SET)

+30,4 %

Deutschland: (DAX)

+31,5 %

Brasilien: (Bovespa)

+34,4 %

Mexiko: (IPC)

+36,8 %

Korea: (Kospi)

+39,1 %

Hongkong: (Hang Seng)

+45,8 %

Singapur: (Strait Times Index)

+47 %

Taiwan: (Taiwan Weighted)

+52,8 %

 

Die Musik spielt in den Emerging Markets, vor allem in Asien, wo die Krise auch zuvor besonders hart zugeschlagen hatte. Auch hier kommt wieder die derzeit herrschende Meinung zum Tragen, dass die VR China das entscheidende Zugpferd der nächsten Quartale sein wird und Europa wie Nordamerika spätestens im Herbst ihre Trendwende schaffen. Diese angesichts der aktuellen Zahlen optimistische Sicht der Märkte spiegelt sich auch bei den Investmentfondsmanagern wieder: Immerhin 44 % von ihnen sahen jüngst bei einer Befragung durch das Analysehaus Feri gute oder sogar sehr gute Absatzchancen für Aktieninvestmentfonds, was angesichts der allgemeinen Stimmung Mut zum Risiko verrät.

Die Analysten der schwedischen Nordea erwarten die Talsohle, also den Tiefpunkt der globalen Wirtschaftskrise, noch im laufenden Jahr. Das Risiko dieser Prognose einer baldigen Wende sieht Chef-Volkswirt Helge Pedersen in einer unzureichenden Stimulierung von Konsum und Investitionen der Haushalte und Unternehmen. Ähnlich die Sicht der Fondsschmiede JP Morgan Asset Management, deren Experten derzeit eine Bodenbildung sehen, die eine Erholung wird und damit den Trendwechsel vollendet.

Getragen von diesem generellen Optimismus, werden auch bereits die Favoriten in Stellung gebracht: Bei Fidelity wird etwa Asien in den Vordergrund geschoben. Nach Schätzung der Fidelity-Experten wird es diese Region besser verkraften als Europa oder die USA, weil die Konjunkturprogramme durch ihren Fokus effektiver sind: Die direkten Staatsausgaben wirken immer schneller und stärker auf die Nachfrage als Steuererleichterungen oder Subventionen, mit denen die private Nachfrage (Investition plus Konsum) indirekt angeregt wird. Abgesehen von Japan und Singapur haben die asiatischen Staaten ohnehin einen beachtlichen Nachholbedarf an Infrastrukturleistungen, sodass die staatlichen Ausgaben auch auf lange Sicht durch verbesserte Verkehrs- und Kommunikationsmöglichkeiten sowie stabilere Versorgung mit Wasser und Elektrizität positiv wirken.

Bei Pioneer und ING Asset Management wird die US-Börse favorisiert. Es werden vor allem zwei Argumente dafür ins Feld geführt: Nach dem Kurssturz sind die Bewertungen extrem günstig. Hinzu kommt mehr oder minder kunstvoll verpackt die recht sachliche Idee, dass die USA als erstes Land in die Krise gerieten und von daher auch als erstes wieder Tritt fassen sollten.

Es gibt freilich auch Skeptiker, vorwiegend allerdings außerhalb der Investmenthäuser, etwa die Börsenredaktion des Platow-Briefs, die nicht nur schreibt, sondern auch den Fonds DB Platinum III erfolgreich führt. „Die Entwicklung Japans nach dem Crash von 1989/90 könnte die richtige Blaupause sein", meint etwa Platow- Ressortleiter Christoph Frank. Der Langzeitchart des Nikkei 225 zeigt, was gemeint ist: Nachdem der Boom bis fast an die 40.000 Punkte geführt hatte, brachen die Kurse im Herbst 1989 ein und halbierten sich innerhalb von etwa 6 Monaten. Nach kurzer Verschnaufpause entwickelte sich in den folgenden 12 Jahren ein stabiler Abwärtstrend bis herunter auf etwa 8.000 Punkte. Die Zutaten dieser Gruselstory: Ein völlig überhitzter Immobilienmarkt brach zusammen und hinterließ bei den Banken ein immenses Portfolio an faulen Krediten, was sich zu einer mehrere Jahre dauernden Bankenkrise ausweitete. Japan betreibt nicht zufällig schon seit Jahren eine Nullzinspolitik und hat mit einer langen Folge von Konjunkturprogrammen Staatsschulden aufgehäuft, die dank Streuung über verschiedene Schattenhaushalte niemand mehr präzise nachvollziehen kann, sich aber wohl weit über der Marke von 100 % vom BIP bewegen. Der Negativtrend aus Deflation und Rezession konnte aber nicht gebrochen werden. Die Ähnlichkeiten mit der heutigen Lage in den USA sind frappierend. Das mahnt zur Vorsicht: Die schnelle Rückkehr zu den Wachstumsraten der letzten Jahre scheint vor allem in den USA alles andere als sicher, entsprechend riskant ist eine allzu optimistisch angelegte Anlagestrategie. Noch sollte der Aktienanteil im Portfolio daher klein gehalten werden, wenn auch nicht auf null fallen, um die bereits erkennbaren Chancen nicht völlig zu verpassen.

Eine spezielle Möglichkeit dazu liefern Wandelanleihen. Das sind Anleihen, die zu Konditionen in Aktien umgewandelt werden können, die bei der Emission festgelegt werden. Sie bilden daher eine Art Päckchen aus festverzinslicher Anleihe und einer entsprechenden Kaufoption. Konsequenz: „Momentan haben die Investoren den Vorteil, dass sie sich auf die Position des Gläubigers zurückziehen können. Sprich: Das eingesetzte Kapital erhalten sie unter normalen Umständen zurück", erläutert Thomas Meyer von der KBC Asset Management den springenden Punkt.

Kein Wunder, dass diese Instrumente wieder häufiger auf den Markt kommen. Für die Emittenten bringt es Entlastung beim Zinsaufwand und eine Chance auf mehr Eigenkapital. So tauschte jüngst der Stahlriese Arcelor-Mittal normale Anleihen gegen Wandelanleihen. Die Vorteile der Anleger liegen in der Begrenzung des Risikos, ohne die Kurschancen der Aktien zu verpassen. So rollt derzeit eine weltweite Emissionswelle, nachdem dieser Markt zunächst auch stark unter der Krise gelitten hatte: Viele Hedgefonds hatten die Arbitrage zwischen den impliziten Optionen der Wandelanleihen und den entsprechenden Kaufoptionen der Terminbörsen im Anlageprogramm. Mit Ausbruch der Krise beschafften sie sich dann auf diesem Markt Geld durch massive Verkäufe und die entsprechend spezialisierten Hedgefonds hielten rund 50 % des gesamten Bestandes an Wandelanleihen, schätzt Léonard Vinville, Manager des Global Convertible Fund bei M&G.

(Martin Klingsporn)


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