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Leistungsbilanzen

Zu früh für Entwarnung

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Auch die geschlossenen Fonds konnten der Krise nicht ausweichen. Das gilt vor allem für die Schiffsfonds, die früher mit Ausschüttungsrekorden glänzen konnten. Per Saldo kamen die geschlossenen Fonds bislang besser durch die Krise als viele konkurrierende Anlageformen.

Dem VGF, dem Verband der geschlossenen Fonds, ist es als Verdienst anzurechnen, dass die meisten Initiatoren geschlossener Fonds bis zum 30. September 2009 ihre Leistungsbilanz des Vorjahres veröffentlicht haben. 2007 formulierte der Dachverband der geschlossenen Fonds fünf Grundsätze, einer davon war die Veröffentlichungspflicht bis Ende September. Seit Sommer 2007 sind die Leistungsbilanzen auf der Webseite des Verbandes zu finden (vgf-online).

In diesem Jahr waren bis zum 30. September 28 Leistungsbilanzen eingegangen. 64 % der VGF-Mitglieder, die geschlossene Fonds auflegen, haben damit ihrer Pflicht Genüge getan. Das bedeutet einen weiteren Fortschritt in den Bemühungen, die Leistungsbilanz als wichtiges Beurteilungskriterium von Emissionshäusern und neuen Fonds zu etablieren. Zum Stichtag 30. September 2008 hatte erst die Hälfte der Initiatoren ihre Leistungsbilanz veröffentlicht. „Wir machen deutliche Fortschritte, sind aber noch nicht am Ziel", meint Markus Derkum, Mitglied des Vorstandes im VGF Verband Geschlossene Fonds e. V. und Geschäftsführer von Jamestown. Ende Oktober 2009 lagen erst 33 von 44 möglichen vor. „Sechs wurden für November zugesagt, fünf weitere bis Ende des Jahres“, heißt es beim VGF.

Die Krise hat sich bislang vor allem im Vertrieb von geschlossenen Fonds ausgewirkt. In den Leistungsbilanzen zeigt sie sich aber weniger. Gleichwohl wäre es verfrüht, Entwarnung zu geben. Bislang sind die Anleger mit geschlossenen Fonds besser durch die Krise gekommen als mit Aktien, Anleihen oder Zertifikaten. Kernstück jeder Leistungsbilanz ist der so genannte Soll/Ist-Vergleich. Dabei schauen Anleger und die Öffentlichkeit verständlicherweise vor allem auf die Ausschüttungen. Aber es soll auch über die Perspektiven informiert werden, das ist gerade in der Krise eine wichtige Forderung.

Natürlich verweisen die Initiatoren gern auf die immer noch eindrucksvollen Ausschüttungen, auch wenn diese gerade bei den Schiffsfonds nur einen Teil der Wahrheit zeigen. Insgesamt hat Lloyd Fonds, die trotz des schwierigen Marktumfelds des Unternehmens sehr frühzeitig ihre Leistungsbilanz veröffentlicht hat, im letzten Jahr 60,97 Mio. Euro (einschließlich Schiffsverkäufen) ausgezahlt. „Das ist deutlich weniger als im Vorjahr“, räumt Vorstandschef ein, „aber es besteht immer noch ein Tilgungsvorsprung von 20 %.“ Schuldenabbau ist gerade in der Krise gefragt. „CFB-Schiffsflotte unverändert auf sicherem Kurs“, heißt es bei CFB. Die Strategie, auf langfristige Charterverträge zu setzen, zahlt sich aus. Gerade bei den jetzt stark betroffenen Containerschiffen, denn insgesamt liegen mehr als 500 Containerschiffe auf Reede. 96 % der CFB-Containerschiffsflotte haben Charterverträge mit den größten drei Containerlinienreedereien der Welt abgeschlossen – Maersk, MSC und CMA CGM – mit Laufzeiten von bis zu 15 Jahren.

Hansa Treuhand, die fast ausschließlich Schiffsfonds aufgelegt hat, zahlte 2008 immer noch durchschnittlich 9 % (Vorjahr 11 %) an die Kommanditisten aus. Firmengründer und Geschäftsführer Hermann Ebel fürchtet indes, dass sich diese 2009 auf durchschnittlich 4 % für die gesamte Flotte reduzieren werden.

MPC Capital weist darauf hin, dass das Unternehmen im Jahr 2008 424 Mio. Euro an ihre Anleger ausgeschüttet hat. Weitere 312 Mio. Euro wurden zur Tilgung von Fondsdarlehen erwirtschaftet und an die Banken überwiesen. Im selben Jahr gab der DAX rund 40 % nach, der Dow Jones brach im Jahresverlauf um 33 % ein und der EuroStoxx verlor sogar 46 %. „Während die Anleger an den Börsen massive Kursverluste hinnehmen mussten, erhielten die Anleger mit einer Ausnahme bei allen laufenden, klassischen Immobilienfonds von MPC Capital für 2008 Ausschüttungen", konstatiert Ulrich Oldehaver, Produktvorstand von MPC Capital. Die durchschnittliche Ausschüttungshöhe betrug bei den Immobilienfonds 6,2 % des Kommanditkapitals (ohne Agio). Bei den von der Weltwirtschaftskrise stärker betroffenen Schiffsbeteiligungen lag sie über alle Fonds immerhin bei 5,4 %. „Verkaufserlöse wurden dabei noch nicht berücksichtigt", erläutert Oldehaver.

Als einer der ersten, am 22. 9. und damit überpünktlich wie die Financial Times Deutschland feststellt, legte Jamestown, der Marktführer für US-Immobilienfonds, seine Leistungsbilanz vor. 23 Vermietungsfonds wurden inzwischen mit positivem Ergebnis für die Anleger (jährliche Renditen bis zu 35 %) verkauft – sind in der Leistungsbilanz, die nur Fonds in der Bewirtschaftung berücksichtigt, nicht mehr zu finden. Rechtzeitig, auf dem Höhepunkt der Hausse, wurden die meisten Fonds verkauft. „Eine jahrzehntelange Markterfahrung, die Kenntnis der lokalen Märkte und das richtige Timing zahlen sich gerade in schwierigen Marktphasen aus“, schreibt Firmenchef Christoph Kahl in der Leistungsbilanz. Und: Mit dem richtigen Timing geht man auch der Krise aus dem Weg.

Auch die Bilanz der Projektentwicklungsfonds kann sich sehen lassen. Drei von fünf wurden mit Rückflüssen vor Steuern zwischen 115 und 201 aufgelöst. „Der US-Immobilien Private Equity Fonds Jamestown Co-Invest 4 bleibt wegen der Krise an den Immobilien- und Finanzmärkten hinter den Erwartungen zurück, jedoch strebt Jamestown den Rückfluss des investierten Eigenkapitals in der geplanten Fondslaufzeit bis Ende 2014 an“, meint Kahl.

„Niemand kann sich einer so umfassenden Krise, wie wir sie jetzt erleben, entziehen“, schreibt Lothar Estein im Vorwort der US-Treuhand-Leistungsbilanz. „Wichtig ist jedoch, wie man auf die äußeren Umstände reagiert.“ In der Tat: Bei der (vorläufigen) Sanierung des Victory Park hat das Fondsmanagement hervorragende Arbeit geleistet. Victory Park mit dem vermeintlich zuverlässigen Partner Ross Perot ist die einzige Schwachstelle in der Leistungsbilanz von US-Treuhand, die ausschließlich US-Immobilienfonds anbietet und damit im Epizentrum des Bebens operiert.

Noch vor zwei Jahren, bei boomenden Seeverkehrsmärkten, glänzten vor allem die jungen Anbieter mit hervorragenden Ergebnissen und Leistungsbilanzen. Jürgen Salamon, Chef des 1960 gegründeten Emissionshauses Dr. Peters, im Jahr 2007: „Die jungen Anbieter mussten bislang noch nicht beweisen, dass sie ihr Geschäft auch in schwierigen Zeiten verstehen. Erst in Krisen zeigt sich die tatsächliche Qualität eines Schiffsinitiators.”

(Dr. Leo Fischer)


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