Datum: 15.07.2011
Zum Status Quo in der BU!
Viel wurde in den letzten Monaten über die Berufsunfähigkeit (BU) diskutiert. Wird sie aufgrund von Unisex und Senkung des Rechnungszinses in Zukunft teurer? Und warum schließen immer noch so wenige Menschen diesen notwendigen Schutz ab? Oder wird einfach vielen die Annahme verweigert? finanzwelt sprach hierzu mit dem Vorstandsvorsitzenden der Barmenia Versicherungen, Dr. h. c. Josef Beutelmann.
finanzwelt: Worin sehen Sie die wichtigsten Bedingungen bei einer BU-Lösung?
Dr. Beutelmann: Ich halte es für wichtig, dass ein Vertrag keine abstrakte Verweisung enthält. Diese besagt, dass das Versicherungsunternehmen die Leistung verweigern kann, wenn die versicherte Person einen gleichwertigen Beruf ausüben kann, der ihren körperlichen und geistigen Möglichkeiten entspricht. Die Barmenia Lebensversicherung verzichtet daher zu Gunsten des Kunden auf die abstrakte Verweisung. Wichtig ist auch die Flexibilität der Versicherung. Da sich die persönlichen Lebensumstände im Laufe der Vertragsdauer verändern, sollte auch der Schutz flexibel angepasst werden können. Die Barmenia gibt die Nachversicherungsgarantie, d. h. der Versicherungsschutz kann unter Berücksichtigung bestimmter Vorgaben ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöht werden.
Im Falle einer Berufsunfähigkeit nimmt die Leistungsprüfung in der Regel etwas Zeit in Anspruch. Innerhalb dieser Zeit können Kunden der Barmenia Leben ihre Beitragszahlung aussetzen. Darüber hinaus ist es für den Kunden sehr wichtig, dass schnelle finanzielle Hilfe gegeben ist. Bei der Barmenia gilt die so genannte 6-Monats-Prognose. Wir erkennen die Berufsunfähigkeit sofort an, wenn diese für voraussichtlich sechs Monate prognostiziert ist und die übrige Leistungsprüfung abgeschlossen werden konnte. Auch die Anerkennung der Berufsunfähigkeit ab dem ersten Tag ist ein wichtiger Aspekt.
finanzwelt: Hand aufs Herz: Was gilt es Ihrer Meinung nach noch beim BU-Schutz zu verbessern? Was ist Ihrer Meinung nach der Knackpunkt, dass nur etwa 21 Prozent der Arbeitnehmer eine BU-Police abgeschlossen haben?
Dr. Beutelmann: Ich glaube nicht, dass das Versicherungsangebot erweitert oder verbessert werden muss. Ich denke eher, dass es in der Natur des Menschen liegt, sich nur ungern mit den Themen Krankheit und Tod zu beschäftigen. Wir können die 21 Prozent nur steigern, wenn wir immer wieder auf das Risiko der Berufunfähigkeit hinweisen. Ich halte die BU-Absicherung für eine der wichtigsten Versicherungen.
finanzwelt: Immer mehr Versicherer fokussieren in diesen Tagen das Thema BU. Worin sehen Sie hier die Beweggründe? Welcher Trend ist hier feststellbar? Ist der Bedingungswettbewerb im BU-Geschäft ausgereizt?
Dr. Beutelmann: Beim Thema BU halte ich mehr Aufklärung für nötig. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden 43 Prozent der heute 20-jährigen Männer bis zum 65. Lebensjahr berufsunfähig. Deshalb muss entsprechende Vorsorge angeboten werden. Dazu gehört die Information der Öffentlichkeit. Der Bedingungswettbewerb ist aus meiner persönlichen Sicht ausgereizt. Ein Ansatz wäre aber noch die Verzahnung der Arbeitsunfähigkeits- und der BU-Absicherung, also von der Lohnfortzahlung bis zur BU-Leistung. Hier können Lücken entstehen. Die Barmenia hat mit ihrem Verdienstsicherungsprogramm (VerSiPro) eine Absicherung geschaffen, die den lückenlosen Übergang der Zahlungen gewährleistet.
finanzwelt: Thema Annahmeschwierigkeiten: Gibt es Statistiken, wie lange BU-Anträge bei Ihnen durchschnittlich verweilen bis diese abgelehnt oder angenommen werden? Welche Möglichkeiten bieten Sie dem Vertrieb, damit dieser relativ zeitnah seinem Kunden mitteilen kann, wie es um den Antrag bestellt ist? Wie hoch ist die Quote ohne Ausschlüsse/Risikozuschlägen?
Dr. Beutelmann: Wie Sie wissen, positionieren wir uns als Serviceversicherer. Dazu gehört ein Servicekonzept, das eine Bearbeitung innerhalb von 24 Stunden vorsieht. Die Makler erhalten also von uns eine schnelle Reaktion und entsprechende Information. Voraussetzung ist natürlich, dass uns alle Angaben vorliegen, die wir zur Prüfung des Antrags benötigen. Die Information erfolgt auf dem Weg, wie es sich der Vertriebspartner wünscht. Unsere Mitarbeiter und unsere Informationstechnologien sind entsprechend flexibel. Dies kann per Telefon sein oder per SMS, wenn es besonders schnell gehen muss. Darüber hinaus erhalten unsere Vertriebspartner eine optimale Unterstützung in Form von Schulungen und Verkaufsunterlagen. Auch auf unserer Internetseite www.maklerservice.de stellen wir viele Servicemodule zur Verfügung. Dadurch kann sichergestellt werden, dass in den Beratungsgesprächen auf die individuelle Situation eingegangen werden kann und das bedarfsgerechte Produkt angeboten werden kann. Die letzte Auswertung ergab, dass fast 90 Prozent unseres Bestandes zu normalen Bedingungen vereinbart werden konnten.
finanzwelt: Thema Kosten: Einzelne Umfragen bestätigen, dass für viele Kunden der BU-Schutz einfach zu teuer ist. Wie stehen Sie zu diesem Statement?
Dr. Beutelmann: Wie Sie gesagt haben, sind es nur einzelne Umfragen. Der Beitrag ist risikogerecht, da das Risiko, den Beruf nicht mehr ausüben zu können, hoch ist. Hier gilt aber der Grundsatz: Je früher die BU-Versicherung abgeschlossen wird, desto günstiger ist die Versicherung. Ein weiteres Argument stellt die mögliche Absetzbarkeit der Beiträge von der Steuer dar. Wenn diese Argumente nicht ausreichen, gibt es zur BU-Versicherung auch Alternativen. Wir haben beispielsweise die Opti5Rente geschaffen, die eine Absicherung gegen die finanziellen Folgen von Unfällen, schweren Erkrankungen, Verlust von Grundfähigkeiten, Pflegebedürftigkeit und Krebserkrankungen bietet. Diese Versicherung wird von den Vertriebspartnern sowie den Kunden sehr positiv aufgenommen. Eine Ausrede für eine sinnvolle Absicherung gibt es also nicht mehr.
finanzwelt: Psychische Erkrankungen nehmen vermehrt zu. Decken Ihre BU-Tarife entsprechende Krankheitsbilder ab? Haben diese Risiken den Tarif verteuert?
Dr. Beutelmann: Auch psychische Erkrankungen sind in unseren BU-Tarifen versichert. Es ist statistisch erwiesen, dass psychische Erkrankungen, gefolgt von Erkrankungen von Skelett, Muskeln und Bindegewebe, Krebs-, Herz- und Kreislauferkrankungen, die häufigste Ursache der Berufsunfähigkeit sind. Eine Verteuerung unserer Tarife hat dies aber noch nicht bewirkt.
finanzwelt: Offen gefragt: Haben Sie selbst eine BU-Absicherung? Schätzen Sie, dass das Unternehmen Barmenia selbst nicht über die 21 Prozent Marke an Durchschnitts-BU-Versicherten bei seinen Angestellten kommt?
Dr. Beutelmann: Es wäre unglaubwürdig, wenn ich immer wieder auf das Risiko hinweisen würde und selbst keine Absicherung hätte. Also hier ein deutliches JA. Unsere Direktversicherung für Mitarbeiter sieht eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit vor. Deshalb weiß ich, dass der Durchschnittswert von 21 Prozent überschritten wird. Des Weiteren bieten wir auch unseren Mitarbeitern Beratungsmöglichkeiten, so dass sie immer bedarfsgerecht informiert sind. Der Abschluss selbst ist dann Privatsache.
Das Gespräch führte Marc Oehme








