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Die Rente aus Stein bröckelt nicht!

Zur Notwendigkeit von Immobilien

Sicherlich: In USA häufen sich die Fälle, in denen Hausbesitzer mit geringem Einkommen ihre Kredite in Zeiten steigender Zinsen nicht zurückzahlen können. Dadurch geraten immer mehr Finanzinstitute in Schwierigkeiten (US-Hypothekenkrise), was in einer Art Dominoeffekt auch Deutsche Banken beeinflusst und getroffen hat. Doch: Das Verhalten der Deutschen zu ihrer „Rente aus Stein“ wird sich dadurch bestimmt nicht verändern.

Anders sieht dies eine aktuelle repräsentative Trend-Umfrage von Clerical Medical. So heißt es dort, dass die Immobilie in der privaten Altersvorsorge jahrelang der Favorit der Deutschen war, nun jedoch staatlich geförderte und betriebliche Altersvorsorge höher im Kurs stehen würde. In dieser Umfrage hat der Finanzdienstleister die Bevölkerung zum fünften Mal gefragt, welche Formen der langfristigen Altersvorsorge sich durchsetzen werden. Mit starken Zuwächsen (+17 %) liegen erstmals betriebliche und staatlich geförderte Vorsorge auf Platz 1 (47 %), während das Eigenheim mit nun 30 % nur noch Rang 2 belegt. Kehren die Deutschen der Immobilie wirklich den Rücken?

Natürlich wird nicht erst seit „Münteferings Balalaikai-Rede“ eine umfassende private Altersvorsorge immer wichtiger – entsprechend ist es nur richtig, wenn immer mehr Menschen verstärkt privat investieren und dabei unterschiedliche Instrumente nutzen. Zudem haben die Bürger in letzter Zeit staatlich geförderte Vorsorgemöglichkeiten wie Rürup und Riester erhalten, die vor wenigen Jahren weder notwendig noch vorhanden waren. Gleichzeitig ist und bleibt die Immobilie ein elementarer Bestandteil in der Altersvorsorge: „In der richtigen Lage hat die Immobilie eine sehr hohe Wertstabilität, vor allem bietet die eigengenutzte Immobilie einen Vorteil, den kein anderes Anlageinstrument leisten kann: Man kann seinen Lebensraum nach eigenen Vorstellungen gestalten, ist unabhängig von einem Vermieter und genießt so vom Tag des Einzugs an in aller Regel eine deutlich höhere Lebensqualität“, erklärt Florian Neumeier, Geschäftsführer der Prohyp GmbH. Sicher haben gesetzliche Änderungen wie die Streichung der Eigenheimzulage in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass Umschichtungen zulasten des Immobilienerwerbs und zugunsten steuerlich geförderter Anlage- und Altersvorsorgeprodukte vorgenommen wurden. Einer Studie der DB Immobilien zufolge spielt aber insbesondere die gesamtwirtschaftliche Stimmungslage bei der „Lebensentscheidung“ Immobilienkauf eine wichtige Rolle. So ist die derzeitige Hochkonjunkturphase trotz steigender Hypothekenzinsen für die Immobilienwirtschaft besonders günstig, weil die Kunden optimistisch in die Zukunft schauen. „Da sich dieser Zusammenhang in der Vergangenheit immer wieder gezeigt hat, erwarten wir mittelfristig eine positive Entwicklung auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt“, so Walter Capellmann von der ABN AMRO Hypotheken-Gruppe in Köln. Noch ein weiterer Punkt spricht ebenso für die selbstbewohnte Immobilie: Sie ist das einzige Mittel der Altersvorsorge, das schon während der Ansparphase unmittelbar genutzt werden kann.

So sind die finanziellen Aspekte bestechend: Während ein Mieter im Fall einer 600 Euro teuren Mietwohnung im Lauf von 25 Jahren 180.000 Euro an den Vermieter zahlt, kann der Immobilieneigentümer mit dem gleichen Aufwand einen Wert von 100.000 Euro sein Eigen nennen. Hinzu beschreibt Neumeier ein gerde im Alter bedeutenden Aspekt: „Der Immobilieneigentümer, der seine Wohnung oder sein Haus bis zum Ruhestand abbezahlt hat, lebt mietfrei, der Mieter muss weiterhin voll zahlen. Und auch das summiert sich: Bei einer Kaltmiete von 600 Euro kommen nach 20 Jahren 144.000 Euro zusammen – mögliche Mietsteigerungen und Zinseszinseffekte geranoch außen vor gelassen.“Auch der Baukreditvermittler Creditweb beobachtet ein anhaltendes Interesse an Wohneigentum. Für die Deutschen ist die selbstgenutzte Immobilie immer noch eines der wichtigsten Sparziele. Daran hat sich auch durch die in 2005 weggefallene Eigenheimzulage nichts geändert. Dies bestätigt auch eine Umfrage von TNS Infratest aus dem Oktober 2006. Gerade im Hinblick auf den sinkenden Anteil staatlicher Rentenversorgung beschäftigen sich viele Deutsche unverändert intensiv mit dem Wohneigentumserwerb. Hierzulande gilt Sicherheit als eines der Hauptsparziele (weit abgeschlagen ist „hohe Rendite“). Rund 580Mrd. Euro liegen auf deutschen Sparbüchern. Mehr als 260 Euro zahlt der Durchschnittshaushalt pro Monat darauf ein. Weit mehr als in Investmentfonds, die nur 29 % der Deutschen im Portfolio haben. Das zeigen Studien der Bundesbank, des Statistischen Bundesamts sowie des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV).

Aufgrund dieses konservativen Anlageverhaltens erfreut sich nicht nur Festverzinsliches hoher Beliebtheit, sondern auch die Immobilie. Das Preisniveau der Häuser und Wohnungen schwankt in Deutschland viel weniger als in anderen europäischen Ländern, so dass die Mehrheit der Bundesbürger die „Anlageform in Stein“ als sehr verlässlich empfindet. In der von Clerical Medical beauftragten GfK-Studie wurde die selbstgenutzte Immobilie zwar knapp von Platz 1 verwiesen, Thomas Arndt, Geschäftsführer von Creditweb Deutschland GmbH, begründet dieses Resultat aber vor allem mit dem großen PR-Aufwand, den die Anbieter der Riester-Rente betrieben haben. „Das Ergebnis der Befragung ist insofern auch eine Momentaufnahme. Die betrieblichen und staatlich geförderten Riester-Programme sind derzeit in aller Munde und dies wirkt sich auch auf jene GfK-Befragung aus. Man sollte das aber nicht überbewerten. Die Stichprobe von 991 Befragten ist auch nicht allzu groß. Die psychologische Bedeutung der Immobilie als Familiennest und auch als Vermögensanlage wird auf Dauer keinesfalls schwinden. Wir wissen, dass bei Entscheidungen über Investitionen und über Vermögensaufbau auch affektive Faktoren bestimmend sind. Hier behält das Bild vom vererbbaren ‚Dach über dem Kopf der Familie’ seine große Macht.“ Demnach können die Immobilienexperten eine Abkehr der Immobilie – so wie es Clerical Medical in seiner Trend-Umfrage beschrieb – mitnichten feststellen. Die Rente aus Stein bröckelt also doch nicht!


(MARC OEHME)


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